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Einer für alle – alle für keinen! Über Gruppenreferate in der Uni

Welcher Student kennt (und hasst) es nicht: Das Gruppenreferat in all seinen Phasen. Denn am Ende sitzt du alleine da...
| Lena Assmann |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Moment mal, irgendetwas stimmt hier doch nicht. Müsste dieses Sprichwort nicht anders lauten? Nicht, wenn es um Gruppenarbeiten in der Uni geht. Welcher Student kennt (und hasst) es nicht: Das Gruppenreferat in all seinen Phasen. 

Phase eins: Die Verteilung der Referate. Erst dieses Semester habe ich es wieder hautnah und live miterleben dürfen: Geballte Kompetenz und unschlagbares Organisationstalent der Dozenten. In meinen Fächern Deutsch und Geschichte wird die erste Sitzung vom Dozenten dazu genutzt, äußerst motiviert und organisiert (hust) Gruppenreferate zu verteilen. Inzwischen bin ich im fünften Semester und liebe Leute: Ich habe bei dieser Prozedur inzwischen Einiges erlebt. Dozent 1 verteilt locker flockig zehn Referate und merkt dann, dass 12 Kommilitonen noch nicht versorgt sind. Des Problems Lösung? Die Gruppenanzahl von vier auf sieben erhöhen, wie organisiert! Dozentin 2 hat gar keine Lust auf das Geplänkel und zählt einfach vierer Gruppen ab. Ob einem das Thema, die Mitreferenten oder das Datum passt? Das ist doch nicht ihr Problem, wie verständnisvoll! Dozent 3 hat eine ganz kreative Methode, die auch nur die gesamten ersten zwei Sitzungen in Anspruch nimmt, und die Gruppen anhand von Schätzfragen einteilt, wie effizient! 

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Die Liste ließe sich beliebig lang fortführen, aber gehen wir mal davon aus, dass der erste Schritt geschafft ist: Du als motivierter Student hast dein Traumreferat erhalten und bist richtig on fire. (Ok, das ist jetzt wirklich zu unrealistisch. Sagen wir, du hast ein Referat ergattert, dessen Thema du nicht sterbenslangweilig findest und es ist an einem Datum, an dem du es tatsächlich in die Uni schaffst.) Problemo Numero uno: Wer waren nochmal deine Mitreferenten? Viele der Dozenten halten es nicht für nötig, die Namen der Kommilitonen einmal laut vorzulesen, bzw. eine Liste mit den fertigen Gruppen anzufertigen. Wozu auch? In einem Raum voller neuer Gesichter erkennst du doch immer sofort, auf wen der Dozent zeigt, oder? Ist doch klar. 

Gehen wir nun aber davon aus, dass du deine friends danach auf irgendeine Weise gesucht und gefunden hast und ihr eine WhatsApp-Gruppe mit dem catchy Titel „Referat“ erstellt habt. Dann ist erst mal Funkstille angesagt. Da der kluge Student sich meist ein möglichst spätes Referat aussucht, ist noch genug Zeit für einige Kommilitonen sich klammheimlich zu verabschieden. Wieso man kommunizieren sollte, dass man am Referat nicht teilnimmt, weil man nach Australien auswandert? Keine Ahnung, fällt mir jetzt auch kein Grund ein. Oder obwohl? Vielleicht weil es ultra asi ist, die Aufgabenverteilung erschwert, das Konzept durcheinanderbringt und schlicht und einfach unhöflich ist? Das könnte wohl ein Grund sein, aber sicher bin ich mir da auch nicht. 

Wenn du dann endlich weißt, wer noch immer mitmacht und das Referat auch schon gefühlt morgen ist, geht mein liebster Part los: Die Terminsuche. Problematisch ist hierbei: Keiner hat Zeit, keiner hat ‘ne Ahnung, keiner kennt ‘nen geeigneten Spot und vor allem hat keiner Bock. Entweder ihr schafft es dann euch zu treffen, was den Prozess unglaublich erleichtert oder ihr klärt Literatur, Gliederung und Co. über die WhatsApp-Gruppe. Die findet man dank ihres originellen Namens natürlich immer sofort und die Kommunikation in Gruppenchats erschwert den Prozess natürlich überhaupt nicht. Im besten Fall antworten die Leute, wenn man eine Frage stellt, im worst case fühlt sich keiner verantwortlich und die gesamte Arbeit bleibt an dir selbst hängen. Meistens ist bei mir bisher der zweite Fall eingetroffen. Denn obwohl ein GRUPPENreferat die Arbeit auf die GRUPPENmitglieder aufteilen sollte, kümmern sich viele Kommilitonen um überhaupt nichts oder sie kümmern sich in einer Art und Weise drum, dass man es auch gleich hätte selbst machen können. Im Gegensatz zur Schule, wo Gruppenarbeit meist chillig und lustig und das Ergebnis daher relativ egal war, geht es in der Uni halt leider um etwas mehr. Zwar wird nicht jedes Referat benotet, aber es ist einfach unangenehm und strategisch unklug einen schlechten Eindruck bei einem Dozenten zu hinterlassen, der später die Hausarbeit korrigieren wird. Und außerdem: Man munkelt, es gibt sogar Dozenten, bei deinen man auch bei einem Referat durchfallen kann…

Natürlich gibt es nicht nur Nachteile bei der Gruppenarbeit in der Uni. Manchmal lernt man durch die zufällige Einteilung auch coole Leute kennen oder die Arbeit geht schnell und produktiv von der Hand. Aber meine Güte, ich versuche gar nicht erst, es schön zu reden. In 90 % der Fälle sind die Leute in Gruppenarbeiten komisch, faul und unzuverlässig. Das Thema ist zu komplex oder unglaublich langweilig. Der Dozent ist komplett desinteressiert und gibt keinerlei Hilfestellung oder er ist übermotiviert und man darf drei Mal in die Sprechstunde rennen. Normalerweise versuche ich, meine Artikel mit einem positiven Gedanken zu beenden, aber an dieser Stelle musste einfach mal Klartext gesprochen werden und ich denke, das ist auch Mal in Ordnung. Einen wichtigen Tipp muss ich euch zum Schluss aber trotzdem noch geben: Falls einer von euch auswandert, sein Studium abbricht, die Sitzung schwänzt, krank ist oder einfach keinen Bock hat: Teilt es nicht nur auf Insta, Twitter und Snapchat, sondern auch mit eurer Gruppe und lasst uns beim nächsten Gruppenreferat zur Abwechslung mal „einer für alle – alle für einen“ draus machen. 

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Lena Assmann

Lena, 21, erkundet als Vollblutschwäbin mit einem Orientierungssinn von -7484 ihre Wahlheimat Münster. Falls sich jemand fragt: Den Akzent kann man hören, wenn sie daheim oder sehr wütend ist. Nebenbei studiert sie Deutsch und Geschichte auf Lehramt und falls das nicht klappt, wird als Plan B in Irland ein Teeladen eröffnet.

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3 Antworten zu “Einer für alle – alle für keinen! Über Gruppenreferate in der Uni”

  1. Hi Lena, schön geschriebene Geschichte, doch leider kann man sich auch später im Berufsleben nicht immer seine Teamkollegen aussuchen, außerdem muss man sogar Termine einhalten. Von daher sind diese Gruppenarbeiten doch eine super Chance sich etwas darauf vorzubereiten. Nutze doch deine gemachte Erfahrungen, teste bei dem nächsten Projekt deine Leadership-Skills und sorge für eine bessere Teamarbeit! Gruß

  2. Hey Lena, wie schon vom Vorredner geschrieben: Schön formuliert, deine Litanei der Wut ;-) Auch ich habe diese Erfahrungen machen müssen, mir aber auch eingestehen müssen, dass ich an der Situation – wenn sie denn so schlimm kam – nicht komplett unverantwortlich war. Und seien wir ehrlich: Jeder der das liest hat das irgendwie schon mal durchgemacht und das gefühl, dass es irgendwie immer so ist…da gaht das objektiv nicht ganz auf, dass in 90% der Fälle nur unmotivierte Idioten in der Gruppe sind. Ich denke vieles hängt von einem gelungenen Management der Gruppe ab und wie Konfuzius (also der hier kommentierende, nicht der echte…) schon sagte: Teste deine Leadership Skills, du kannst dir später auch nicht aussuchen mit wem du arbeitest und es kümmert Außenstehende nur das Ergebnis, den Weg bestimmst du.
    1. Thema: Naja du studierst das doch, also irgendwie muss dich die Thematik ja interessieren – hoffe ich. Und ein wenig Einfluss auf den Fokus des Themas hat man ja auch nach Vergabe noch, kannst dir ja auch dein persönliches Sahnesttück raussuchen, wenn eh niemand drängelt
    2. Termin: Du studierst. Das ist dein Haupt-Job. Du kannst deinem Chef später auch nicht sagen “aber da kann ich nicht” und letztlich sind die Seminarzeiten ja klar, warum solltest du nicht können? Und wenn deine Kollegen so asi sind, dass sie nicht ankündigen nicht zu können; ihren Anteil sollten sie ja trotzdem bsi dahin gemacht haben. Ist zwar unangenehm aber auch kein unlösbares Hindernis.
    3. Wenn ihr eine Gruppe mit dem klangvollen Namen “Referat” erstellt, dann hast du es in der Hand etwas wirklich innovatives reinzuschreiben, wenn du der Meinung bist, dass es hilft die Gruppe zu motivieren. Scheibar hat ja niemand eine Idee und damit auch niemand etwas dagegen ;-)
    4. Treffen: Wenn niemand einen Plan hat wo man sich treffen kann, dann bist du mit von der Partie, wenn du selbst auch nichts vorschlägst
    5. Arbeit: Wenn deine Gruppe scheinbar sehr zur Verantwortungsdiffusion neigt, dann fehlt es vielleicht an klaren Verantwortlichkeiten und abgesteckten Aufgaben. Gefahr erkannt Gefahr gebannt: wenn du es kommen siehst, nimm es selbst in die Hand. Vielleicht erfordert es mehr Engagement einen Haufen zusammenzuhalten als der Haufen zu sein, aber am Ende des Tages kannst du dir auf die Schulter klopfen und hast obendrein deine (Führungs-)Skills weiterentwickelt, was die anderen freiwillig nicht getan haben. Also positiv denken. Und wenn du gut delegiert hast, bleibt auch nicht alles an dir hängen :-)

  3. Ich kann mich da meinen Vorrednern nur anschließen, heulen bringt nichts. Wenn es dich ankotzt, dann organisiere es, wenn dir die Kurse zu anonym sind, warum Münster und nicht ne kleine schnuckelige Hochschule, habe den Wechsel von ner Massenuni auf eine kleine Hochschule in der Pampa auch vollzogen, und nicht bereut.

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