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Menschen im Fadenkreuz – Abgründe des Fußballs als Spiegel der Gesellschaft

Wenn Spieler nicht mehr spielen wollen und der DFB-Präsident nur heiße Luft statt Lösungen bietet. Die Meinung eines Fußballfans zu einem denkwürdigen Spieltag.
| Daniel Rublack |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Pexels | Pixabay

Das historische Kein-Spiel-Spiel

29. Februar 2020 – ein besonderes Datum. Der 24. Spieltag unserer 1. Fußball-Bundesliga wird in die Geschichte eingehen. Zwei Mannschaften streiken gemeinsam eine Viertelstunde lang und spielen sich freundschaftlich den Ball zu.

Es steht 0:6 zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Bayern München als Schiedsrichter Christian Dingert in der 67. Spielminute die Partie unterbricht. Beleidigende Banner gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp – Gründer von SAP – tauchen in der Bayern-Kurve auf. Empörte Verantwortliche und Spieler des Vereins intervenieren und das Spiel wird fortgesetzt. Wenige Minuten später erscheint ein weiteres Spruchband, welches „Du Hurensohn“ verkündet. Die Teams werden in den Innenraum geschickt, erneut gibt es Gespräche mit den Störern. Als die Spieler auf den Platz zurückkehren geschieht etwas Einzigartiges: Unter diesen Bedingungen wollen sie kein Fußball spielen – ein Stadion soll kein Ort für Hass sein!

Hass-Botschaften im Stadion

„Man muss den Wortlaut nicht gutheißen, aber es gab für uns hierzu keine Alternative, da nur so das Thema die nötige Aufmerksamkeit erhält“, sagt eine …-Gruppierung auf suedkurve-muenchen.org aus. Das Wort Fan spare ich mir bewusst, denn solches Verhalten dient offensichtlich nicht dem Genuss eines Sportereignisses! Auch das gewünschte Thema findet so keinerlei Fokus. Oder kann jemand aus solchen Beleidigungen inhaltliche Kritik herausfiltern? Seine Meinung offen und öffentlich zu äußern, teils eben mit drastischen Worten wie „Trainer raus!“ oder „Ihr seid eine Schande!“, bietet ausreichend Beachtung auf den Tribünen. Beleidigungen sind schlicht Beleidigungen und somit eine Straftat!

Auffälligkeiten von Gruppierungen – Gewalt, Pyrotechnik oder eben menschenverachtende Banner – gehören leider zum Gesicht des Fußballs. Allerdings nehmen diese Zustände immer größere Ausmaße an: Spieler werden aufgrund ihrer Hautfarbe mit “Affenlauten” verunglimpft, Relegationsspiele sind jedes Jahr ein enormes Risiko und kaum ein Spieltag kommt ohne Skandal oder Unterbrechungen aus.

george_nick | Pixabay Leider hat seitenwaelzer.de keine Rechte an den Bildern aus den deutschen Stadien. Daher hier Stock-Material von Personen mit Mitteilungsbedürfnis im Stadion.

Dietmar Hopp ist nur eines der Opfer von Hetze, jedoch ist sein Fall besonders traurig. Bereits seit 2008 – dem Aufstieg der TSG 1899 Hoffenheim – sieht er sich Anfeindungen ausgesetzt. Und dies, weil er sein Vermögen in eine ganze Region investiert. Eine negative Meinung zur Monetarisierung des Fußballs oder Personen zu haben ist absolut legitim, für viele verdient Herr Hopp aufgrund seines Engagements allerdings nur größten Respekt.

Aktuell benutzen einige Gruppierungen Dietmar Hopp als Figur für ihren, wenig konstruktiv vorgetragenen, Protest gegen den DFB. Nachdem Fans von Borussia Dortmund eine Kollektivstrafe für Verfehlungen erhalten haben, erschien am folgenden Spieltag ein Banner in Gladbach. Ein Banner, welches Dietmar Hopp in einem Fadenkreuz zeigt! Eine Woche später müssen Spiele in Köln und Berlin wegen beleidigenden Plakaten unterbrochen werden, in Dortmund aufgrund von Schmähgesängen. Dazu gehört noch das Kein-Spiel-Spiel.

Floskeln eines wirren DFB-Präsidenten

23.00 Uhr. Ausgerechnet an diesem Spieltag ist der höchste Funktionär des deutschen Fußballs in das aktuelle sportstudio eingeladen. Viele Zuschauer fragen sich, was Fritz Keller und der DFB gegen Rassismus, Beleidigungen & Co. unternehmen werden. Es folgt eines der katastrophalsten Interviews, die ich je in der Sportberichterstattung gesehen habe.

Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein begegnet leeren Worthülsen eines fahrigen und fern jeder Realität denkenden DFB-Präsidenten kaum mit kritischen Nachfragen. Letzterer bietet keine Lösungsvorschläge, sondern beschwört als einzige Maßnahme einen 3-Stufen-Plan. Jener sieht bei Vorfällen erst zwei Unterbrechungen und danach einen Spielabbruch vor. Sollte sich ein Opfer für ein vorzeitiges Ende entscheiden, würde es in die Röhre schauen. Couragierte Spieler, die etwa bei rassistischen Anfeindungen sofort den Platz verlassen würden, würden damit sogar doppelt bestraft. Autsch! Deswegen sei es gut gewesen, dass sich die Spieler der TSG 1899 Hoffenheim und des FC Bayern München gemeinsam etwas überlegt haben, so Keller. Diese Männer werden jedoch vornehmlich fürs Kicken bezahlt, nicht solche Entscheidungen treffen zu müssen! Und was wäre passiert, wenn die Partie ausgeglichen gewesen wäre und somit wertvolle Punkte wortwörtlich auf dem Spiel stünden?!

Lösungen müssen vom Verband entwickelt, kommuniziert und umgesetzt werden. Jedoch genau hier offenbart sich das Dilemma, denn jene stärkste Stellung von Vorreitern und eigentlichen Vorbildern versagt auf ganzer Linie. Störer aufzufordern, sich doch bitte zu benehmen, könnte ebenso gut der Wunsch sein, es möge Zuckerwatte regnen. Ein weiteres Beispiel zeigt, dass Fritz Keller die Denkweise und Motive verschiedener Parteien offenbar nicht versteht. Er wünscht sich von den Angeklagten des Sommermärchen-Skandals endlich die Wahrheit zu offenbaren. Warum sollten diese jedoch, um etwa noch höhere Strafen zu erhalten?!

Stevebidmead | Pixabay Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Pyrotechnik nimmt wahren Fans die Sicht!

Technische Maßnahmen möchte der DFB-Präsident vorerst nicht ausweiten, stattdessen nimmt er die wahren Fans in die Pflicht. Eine schöne Idee, praktisch jedoch nur heiße Luft. Gegen Verfehlungen sind gewohnt alle, dagegen agieren tuen nur wenige. Wenn der Nachbar unwohl auf seinem Platz rutscht, aber eben nicht aktiv wird, muss eindeutig die Technik ran! England und die Niederlande beweisen, dass diese, etwa in Form von Melde-Apps, funktioniert. Aber hey, Rassismus gibt es dort „länger als in Deutschland“ (Fritz Keller, 2020). Bitte was?!

Im Verlauf des Interviews wird immer deutlicher, dass der DFB samt seinem Vorsitzendem den schwarzen Peter lieber einer anderen Partei zuschieben möchte, anstatt selbst handeln zu müssen. Kollektivstrafen soll es nicht geben, auch die Anhebung eines Stadionverbots von maximal drei Jahren sind keine Optionen, aber die Vereine sollen ganze Gruppen von den Tickets ausschließen. Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt! Besonders negativ fällt Fritz Keller zudem mit Aussagen über Frauen und Fußball auf. Um in höhere Ämter gewählt zu werden, müssten sich diese lediglich mehr engagieren. Gefördert werden, das wäre mein Vorschlag. Wer auf einem Acker spielen muss fühlt sich verständlicherweise weniger wertgeschätzt! Aber auch dazu hat der DFB-Präsident eine Meinung, denn er findet es toll, dass sich 400 Damen und Herren auf einem abgeranztem „Plastikplatz“ – das Fachwort lautet Kunstrasenplatz – gemeinsam organisieren. Schöne Sache, aber würden dort neue Plätze statt lobender Worte nicht wesentlich mehr helfen?!

Unsere Empörungsgesellschaft

Von einer Person mit wahrer Macht erwarten sich viele mehr als das, was den Ottonormalverbrauchern oftmals als einzige Option bleibt: Uns aufregen! Aber keine Sorge, die nächste Schweigeminute kommt bestimmt, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Getreu dem Motto: „Ich habe gezeigt, dass ich das nicht gut finde. Das muss reichen, handeln können andere.“

Fußball kann man getrost als den Volkssport Deutschlands bezeichnen und somit ist er ein Spiegel der Gesellschaft. Am Ende ist dieser Text nur ein Ausdruck meiner eigenen Empörung, der ich Luft lassen wollte. Es wäre allerdings eine helle Freude, endlich mal wieder einen Bundesliga-Spieltag zu erleben, an dem…

Demonstrativ sei, trotz verschiedener Meinungen, Fritz Keller für seinen Mut und sein Engagement gedankt. Ebenso allen Spielern, Verantwortlichen und Fans, die nicht schweigend solchen Unsinn geschehen lassen. Und natürlich Dietmar Hopp!

Ein 0815-Fußballfan, der einfach nur 22 Leute einem Ball folgen sehen möchte.

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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2 Antworten zu “Menschen im Fadenkreuz – Abgründe des Fußballs als Spiegel der Gesellschaft”

  1. Schlechter Artikel. Offensichtlich hat der Autor sich nicht mit der Thematik nur auf Bild-Niveau auseinandergesetzt und betritt auch ansonsten selten ein Stadion von innen. Mein Rat an den Autor: Finger weg von Fan-Themen.

  2. Deinen Kommentar habe ich gelesen und freigegeben, seitenwaelzer nehmen gerne Kritik an. Leider enthält deine Äußerung keine konkreten Verbesserungsvorschläge, wie man einen Artikel solcher Natur besser aufbereiten kann. Der Rat es einfach sein zu lassen ist wenig hilfreich, besonders von einer Person, die ihre Meinung nicht mit ihrem Namen unterzeichnet. Genauso wie mein Artikel stellt deine Äußerung nämlich auch nur eine Einzelmeinung dar, allerdings stehe ich für meine Ansichten auch offen mit meinem Namen.

    Es würde mir und anderen Autoren daher sehr helfen, wenn du deine Meinung mit konkreten Hinweisen zur Verbesserung ausschmückst. Was genau an meinem Artikel nämlich deiner Meinung nach schlecht ist, kann ich leider nicht identifizieren.

    Daniel Rublack

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