Studium / Wissenschaft und Technik

Mit der Community gegen Fahrraddiebe

Die Zukunft des Fahrradschlosses?
| Moritz Janowsky |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Für viele Studenten gehört die tägliche Fahrradtour zur Uni genauso zum Alltag, wie der morgendliche Kaffee oder das Schläfchen in der ersten Vorlesung des Tages. Wie dem einen oder anderen Leser vielleicht bewusst, ist ein nicht unwesentlicher Teil unserer Redaktion in Münster – der Fahrradstadt schlecht hin – angesiedelt. Fahrräder und ihrer Besitzer haben in Münster einen Stellenwert, wie Segelboote auf dem Chiemsee: Sie haben immer Vorfahrt – jedenfalls inoffiziell. Betrachtet man die Fahrradständer an den verschiedenen universitären Einrichtungen oder am Bahnhof, fällt auf, dass es nicht immer die neusten und teuersten Modelle sind, die die städtische Landschaft zieren. Das hat vor allem damit zu tun, dass ein neues und funktionstüchtiges Fahrrad gerne mal geklaut wird.

Diesem Problem nimmt sich nun ein junges Start-up-Unternehmen aus Rostock mit dem Konzept „Fahrradjäger“ an und bringt mit „Insect” ein GPS-Modul auf den Markt, das im Falle eines Diebstahls als Peilsender fungieren soll. Mit Hilfe einer aktiven Community soll so das eigene Fahrrad geschützt werden.

Insect
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So soll die Diebstahlsicherung der Zukunft also aussehen: Ein kleiner weißer Kasten.

„Insect” stellt sich als unscheinbares, kleines Kunststoffmodul dar, welches am Rohrahmen eures Fahrrads befestigt werden kann. Laut des Herstellers ist die Befestigung so möglich, dass vor Vandalismus geschützt bzw. gegen diesen resistent sei. Das ist lobenswert, denn soll das Modul später als Peilsender genutzt werden, wäre es natürlich enorm praktisch, wenn der Langfinger den „Störenfried“ nicht einfach entfernen bzw. beschädigen kann. Ausgestattet ist „Insect” mit neusten technischen Features: Neben dem obligatorischen GPS-Transmitter findet sich u.a. Bluetooth LE in dem Kasten. Dieses wird genutzt, um eine Kommunikation mit dem Smartphone zu ermöglichen. Eine Verbindung zu eurem Smartphone ist vorgesehen bzw. obligatorisch, denn wie soll so ein Diebstahl erkannt werden? Sobald ihr euch mit eurem Mobilfunkgerät in der Tasche nähert, verbindet sich dieses mit „Insect” und bestätigt somit, dass es sich bei dem Nutzer um den rechtmäßigen Besitzer handelt. Versucht jemand Unbefugtes mit eurem Drahtesel davonzuradeln, registriert das angebrachte Modul mittels eines integrierten Bewegungssensors, dass es sich um einen Diebstahl handeln muss, und schlägt Alarm.

An dieser Stelle kommt die zugehörige Smartphone-App ins Spiel, welche dir in diesem Fall den Diebstahl direkt meldet und natürlich die gegenwärtige Position deines Fahrrads anzeigt. Diese Position erhältst aber nicht nur du, sondern alle „Fahrradjäger“ in deiner Umgebung, also alle Besitzer der App können den Dieb so auffinden und ihm das Rad abnehmen. Ob dieses Feature nun zur Selbstjustiz in Gruppen aufruft, wird aus den Angaben nicht deutlich, es wird lediglich mit „Sicherheit, Zusammenarbeit und gemeinschaftlicher Stärke“ geworben. Zu empfehlen ist von unserer Seite jedoch, immer die Polizei im Falle eines Diebstahls hinzuzuziehen, da es ansonsten zu gefährlichen Situationen bei der Konfrontation des Diebes kommen kann und man wegen Selbstjustiz auch strafrechtlich gegen Gesetze verstößt.

Gefallen hat uns an der Idee hingegen, dass man die zusätzlichen Features der Community auch ohne den Besitz eines „Insect” nutzen kann. Auf der Webseite von Fahrradjäger ist es zum Beispiel möglich, ein gestohlenes Fahrrad zu melden und unter Angabe der Rahmennummer und weiterer Beschreibungen „zur Jagd freizugeben.“ So kann man bei einem Gebrauchtkauf vor dem Vertragsabschluss überprüfen, ob es sich um ein gestohlenes Fahrrad handelt. Hierzu muss der Drahtesel nicht einmal gestohlen worden sein, sondern auch ein präventives Hinterlegen in der Datenbank von „Fahrradjäger“ ist möglich.

Das GPS-Modul „Insect” kann momentan zu einem Preis von 40€ vorbestellt werden; die zugehörige Smartphone-App wird jedoch voraussichtlich erst im kommenden Januar zur Verfügung stehen. Als Gesamtpaket kann die Warnvorrichtung im Mai 2016, zusammen mit der App und einem Aufkleber, der das beklebte Fahrrad als geschützt kennzeichnet, käuflich erworben werden.

Wenn der Funktionsumfang wie beschrieben gewährleisten werden kann, halten wir „Insect” für ein durchaus gelungenes Konzept, welches übrigens vor Kurzem mit dem „Gründen-Live- Preis 2015″ ausgezeichnet wurde. Lediglich der bereits angesprochene Aspekt der Selbstjustiz ist zu bedenken und unserer Meinung nach nicht unerheblich. Problematisch wird es auch, wenn man das gekoppelte Handy verloren hat oder zum Beispiel der Akku versagt. In diesem Fall wäre die Möglichkeit sinnvoll, das geschützte Fahrrad nicht mit dem Smartphone, sondern beispielsweise mit einem mitgelieferten NFC-Dongle zu entsperren, der nicht von einer Energiequelle abhängig ist.

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