Auf ins Studium / Studium

Oh nein, schon wieder Semesterferien!

Vorstellung und Realität von "Ferien" unterscheiden sich – zumindest bei Lehramtsstudenten – gewaltig voneinander. Lena schreibt über Uni in den Ferien.
| Lena Assmann |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Diesen Satz hört man wahrscheinlich niemals von einem Studenten. Sollte man meinen! An dieser Stelle müssten wir eigentlich so ein “Vorstellung- vs. Realität“-meme von facebook einfügen, denn das beschreibt Semesterferien meiner Meinung nach ziemlich gut. Vorstellung und Realität unterscheiden sich – zumindest bei einem Lehramtsstudenten – nämlich gewaltig.

Zunächst zu dem, was meine Eltern und mein früheres Ich denken, wenn sie das Wort „Semesterferien“ hören: Sommer, Sonne, ausschlafen, Kaffee auf dem Balkon, schwimmen im Kanal, Fahrradtouren ins Grüne, mit dem Semesterticket durch ganz NRW, Parties, Freunde treffen, Serien gucken bis die Augen quadratisch werden (das war übrigens immer der Lieblingssatz meiner Mama, wenn ich früher zu viel Fernsehen geschaut habe, kennt das noch jemand?) und einfach nur Nichts tun.

Was die Realität ist, wenn „Semesterferien“ sind: Die Anführungsstriche sind schon mal ganz passend an dieser Stelle, da es sich nämlich genau genommen um die sog. vorlesungsfreie Zeit handelt. Das klingt schon weniger sexy würde ich sagen, und das ist es auch! In dieser Zeit fallen zwar Vorlesungen und Seminare weg (Hand aufs Herz, zu Vorlesungen geht auch im Semester keiner) aber die Hausarbeiten sind immer noch da. Und meine Güte: Das nervt! Fast alle Lehramtsstudenten (und sicherlich auch viele andere Studenten) würden jetzt wahrscheinlich mit dem Kopf nicken und aus Verzweiflung nen Kurzen trinken, denn eine challenge haben wir alle gemeinsam: Hausarbeiten. Diese bereiten mir bereits im Semester Bauchschmerzen und Kopfzerbrechen, werden aber zu dem Zeitpunkt noch hardcore und erfolgreich verdrängt, bis es eben nicht mehr länger geht. In der vorlesungsfreien Zeit kann man die angesammelten Hausarbeiten, Essays und Ausarbeitungen irgendwann leider nicht mehr vor sich herschieben und Leute: Der struggle ist real. Die ersten Wochen, in denen man die Abgaben erfolgreich verdrängt, können relativ ähnlich aussehen wie oben beschrieben: Kanal, Parties, Grillabende und Serien ohne Ende. Ich für meinen Teil bekomme aber selbst in dieser schönen, unbeschwerten Zeit die leise, nervige Stimme meines Dozenten nicht aus dem Kopf: Abgabe spätestens am 30.09. Verlängerung gibt’s nicht! (Ob es Fluch oder Segen ist, eine Deadline zu haben, ist ein anderes spannendes Thema.). Also selbst wenn ich versuche meine freie Zeit zu genießen, wird mir immer wieder bewusst: Frei haste eigentlich gar nicht. Wenn man in dieser Zeit dann auch noch auf andere Studenten trifft, mit denen man nicht eine stillschweigende Abmachung hat das Thema zu ignorieren, wird das schlechte Gewissen noch schlechter.

Und selbst diese Zeit, die für entspanntere Menschen als mich wahrscheinlich wirklich voll erholsam ist, kann irgendwann nicht mehr länger ausgedehnt werden. Und dann beginnt der nervigste Teil des gesamten Semesters: Erst die Themenfindung (Sprechstunden in der vorlesungsfreien Zeit sind natürlich auch suuuuper regelmäßig, aber organisiert wie ich bin, habe ich das natürlich eingeplant und mich vorher ordnungsgemäß mit dem Dozenten getroffen und nicht irgendwas in letzter Sekunde per E-Mail vereinbart.), dann die Literaturrecherche (Zweigbibliotheken haben in der vorlesungsfreien Zeit zum Glück auch immer unschlagbar gute Öffnungszeiten und die ULB ist fast nicht überfüllt!). Und schließlich: Das Schreiben der Hausarbeit (Hier kommt keine Ironie, das ist einfach wirklich und ernst gemeint schrecklich.). Wenn dieses wissenschaftliche Meisterwerk vollbracht, hoffentlich Plagiatsfrei und nicht komplett schlecht ist, haben wir leider immer noch nicht frei. Die Hausarbeiten des Zweitfachs warten schon in den Startlöchern –  schade Schokolade!

Bevor jetzt aber jemand mit dem erhobenen Zeigefinger kommt und sagt: „Tja, ihr Studenten seid doch selbst schuld. Im Semester macht ihr nichts und dann motzt ihr rum, dass ihr keine Semesterferien habt!“ Ja, da ist schon was dran und ja, das wissen wir auch. Und nein, es ist nicht so einfach, alle Hausarbeiten während des Semesters zu schreiben, aber ein Versuch wärs vielleicht doch mal wert. Dann wärs aber auch ganz cool, wenn die Leute, die den struggle nicht kennen, sich mal ins Gedächtnis rufen, dass „Semesterferien“ nicht zwangsläufig so entspannt sind wie in der Vorstellung und es verdammt nochmal VORLESUNGSFREIE ZEIT heißt.

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Lena Assmann

Lena, 21, erkundet als Vollblutschwäbin mit einem Orientierungssinn von -7484 ihre Wahlheimat Münster. Falls sich jemand fragt: Den Akzent kann man hören, wenn sie daheim oder sehr wütend ist. Nebenbei studiert sie Deutsch und Geschichte auf Lehramt und falls das nicht klappt, wird als Plan B in Irland ein Teeladen eröffnet.

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