Wissenschaft und Technik

Affinity Photo – eine Alternative zu Photoshop?

„Kennst du eine gute, günstige Alternative zu Photoshop?“ Das neue Programm "Affinity Photo" verspricht genau das. Ich habe einen Blick darauf geworfen.
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Robin Thier

Ich habe mich schon recht früh, in der Schule, mit der digitalen Bildbearbeitung auseinandergesetzt. Damals war es die Freude daran, einen bunten Farbeffekt über ein Foto zu legen, später kam immer mehr professionelleres Interesse für die Fotografie und die Optimierung von Bildern hinzu, bis hin zum Erschaffen komplett neuer Grafiken und Bilder. Diese Entwicklung hat nicht nur dazu geführt, dass ich seitdem stets Ansprechpartner zum Überarbeiten von Selfies und Urlaubsbildern wurde, ich habe auch oft die immer gleiche Frage gehört: „Kennst du nicht eine gute, kostengünstige Alternative zu Photoshop?“

Tja, die Alternative. Sicher gibt es eine ganze Palette an Software, die sich mit digitaler Bildbearbeitung beschäftigt und seit den Filtern von Instagram kann ja jeder irgendwie Bilder verändern. Doch das einzige Programm, dem man vom Funktionsumfang her eine Ähnlichkeit zu Photoshop bescheinigen konnte, war GIMP. Leider ist das Programm derart kompliziert und undurchsichtig, dass ich es nicht guten Gewissens empfehlen konnte und auch selbst nie wirklich damit zurechtgekommen bin – dafür fehlten dann doch zu viele der professionellen Funktionen, und wenn es sie gab, waren sie unglaublich umständlich zu finden. Das ist natürlich absolut nicht machbar, wenn man mit dem Program sein Geld verdient, wie ich es in Teilen auch mache. Ich konnte also immer nur hilflos die Schultern zucken und weiter darauf beharren: Wer professionell Bilder bearbeiten möchte, wird nicht um Photoshop von Adobe herumkommen. Leider kostet das Programm aber 12€ im Monat, also immerhin 144€ pro Jahr. Das ist nicht wenig und wird auch dank des Abo-Modells mit der Zeit nicht günstiger. Vor Kurzem entdeckte ich im Netz aber die Ankündigung eines Programms, das dort als konkurrenzfähig zu Photoshop angekündigt wurde: Affinity Photo.

Affinity Photo ist eine Software des britischen Herstellers „Serif“ und legt den Schwerpunkt auf Bildbearbeitung, nachdem es bereits mit „Affinity Designer“ eine Lösung für Vektorgrafik gab. Bisher konnte man Affinity Photo nur auf dem Mac nutzen, doch derzeit läuft die Beta-Phase für Windows, während der das Programm kostenlos angeboten wird. Später soll es dann einmalig 50€ kosten. Bei so einem Preis muss man sich natürlich fragen: Lohnt es sich? Ist das vielleicht die lohnende Hobby-Alternative zu Photoshop? Ich habe nicht gezögert und mir die Software heruntergeladen und getestet und möchte euch jetzt kurz vorstellen, was mir an „Affinity Photo“ gefallen hat und was nicht.

Die Oberfläche

Beim ersten Start wird man schon positiv überrascht, dass man die Möglichkeit bekommt, Deutsch als Sprache auszuwählen, viele kleinere Projekte auf dem Markt gibt es in ausschließlich englischer Sprache. Was die Oberfläche und die Gestaltung von Menüs und Icons angeht, fühlt man sich als Photoshop-Nutzer gleich zu Hause. Manchmal vergisst man sogar, dass man gerade nicht auf der Adobe-Oberfläche unterwegs ist. Auch Laien sollten sich schnell zurechtfinden, so sind die verschiedenen Symbole und Icons wie ich finde recht gut zu verstehen. Die Menüs und Unterfunktionen sind logisch aufgebaut und man findet das Gesuchte schnell und meistens auch dort, wo man es vermutet (bei GIMP nicht der Fall!!). Die Oberfläche ist wirklich rund und bietet, wenn man genauer hinschaut, sogar ein paar Funktionen, die besser aussehen, als bei Photoshop. Affinity Photo ist eben von Grund auf neu programmiert und damit aus einem Guss, während Photoshop über die Jahre immer weiterentwickelt wurde und hier und da optische Abweichungen vorkommen.

Affinity Photo
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Die Oberfläche von Affinity Photo
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Die Oberfläche von Photoshop zum Vergleich

Die Funktionalität

In Sachen Funktionsumfang lässt sich „Serif“ nicht lumpen und man bekommt tatsächlich eine große Breite an nutzbaren Formaten (darunter auch .psd von Photoshop). Im Programm gibt es alle gängigen Filter und Werkzeuge. Genau so soll das sein! Alles in allem merkt man, dass sich die Entwickler wirklich Gedanken gemacht haben, wie man Dinge intuitiv und intelligent lösen kann. Sie haben also nicht nur Photoshop nachgebaut, sondern teilweise mit eigenen Ideen bereichert. Leider konnte ich jedoch bei ein paar Tests nicht alle Werkzeuge und Funktionen von Photoshop finden und gerade im Bereich der Masken schlägt Adobe das neue Programm noch um Längen. Hobby-BildbearbeiterInnen sollten sich daran aber nicht sonderlich stören, da wir hier wirklich von Spezialfunktionen sprechen. Ich muss aber positiv anmerken, dass ich ziemlich schnell mit dem Programm arbeiten konnte und eine relativ kurze Eingewöhnungszeit hatte, die vor allem den leicht anderen Tastenkürzeln zuzuschreiben ist. Anstelle von „alt“ wird oft „strg“ genutzt, das kann durchaus verwirrend werden.

Ein Bild von der Serif-Seite zeigt Affinity Photo im Einsatz.
Ein Bild von der Serif-Seite zeigt Affinity Photo im Einsatz.

 

Meine persönliche Einschätzung und Fazit

Ich wurde positiv überrascht! Ich hatte nicht erwartet, ein Programm vorzufinden, das Photoshop so sehr ähnelt und in dem ich fast intuitiv arbeiten kann. Ich persönlich würde zwar weiterhin in Photoshop bleiben, da die Funktionalität noch immer etwas größer ist und zum Beispiel die Wirkungen von Farben oder Filtern jahrelang erprobt wurden und längst Industriestandard sind. Da wäre mir die Gefahr von farblichen Abweichungen und dergleichen in Affinity Photo zu groß. Aber ich kann das Programm jedem ans Herz legen, der sich nur nebenbei oder als Hobby mit der Bildbearbeitung auseinandersetzt oder vorhat, sich in das Thema zu vertiefen. Für einen relativ geringen Preis bekommt man eine Software mit einem riesigen Funktionsumfang, die bisher nah herankommt und es in ein paar Jahren vielleicht sogar mit Photoshop aufnehmen kann.

Hinweis: Ich wurde in keiner Weise von Serif gesponsert! Dieser Artikel spiegelt nur meine eigene Meinung in Bezug auf die Software wieder.

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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