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Kinokritik: Ich und Kaminski

Wir hatten das Vergnügen, uns „Ich und Kaminski“ zusammen mit dem Regisseur „Wolfgang Becker“ in der Vorpremiere anzusehen und bekamen so auch einen kleinen Einblick in den Dreh seines ersten Filmes nach dem großen Erfolg „Good bye, Lenin!“ von 2003.
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wir hatten das Vergnügen, uns „Ich und Kaminski“ zusammen mit dem Regisseur „Wolfgang Becker“ in der Vorpremiere anzusehen und bekamen so auch einen kleinen Einblick in den Dreh seines ersten Filmes nach dem großen Erfolg „Good bye, Lenin!“ von 2003.

„Ein Film über nicht eines, sondern gleich zwei Arschlöcher – also ich glaube schon, dass das jemand sehen möchte!“ So ganz Unrecht hat Wolfgang Becker mit dieser Kurzbeschreibung nicht. Es geht um Sebastian Zöllner (Daniel Brühl), einen Kunstjournalisten, der ebenso ehrgeizig wie egozentrisch daherkommt und mit seiner direkten Art, sowie seinem beißenden Humor überall aneckt. Er hat sich in den Kopf gesetzt, einen Bestseller über den erblindeten Maler „Manuel Kaminski“ (Jesper Christensen) zu schreiben, der abgeschottet von der Welt in den Alpen lebt. Dieser stellt sich jedoch als rüstiger und schlagfertiger alter Mann heraus, der mit normalen Menschen ebenfalls das eine oder andere Problem hat. Diese beiden Charakterköpfe treffen hier aufeinander und stürzen sich kopfüber in einen Roadtrip quer durch das ganze Land. Die Romanvorlage von Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt) liefert mit dieser Konstellation einen Aufhänger für unzählige Reibereien und schräge Verwicklungen zwischen den teilweise comichaft karikierten Figuren.

Einem Kammerspiel gleicht dieser Film – einem Theaterstück, denn man weicht den wenigen Darstellern nur selten von der Seite und erlebt die Geschichte vor allem in Gesprächen. Man bekommt dabei den Eindruck, der ganze Film ist eine einzige Bühne für Daniel Brühl, dem die häufiger werdenden Abstecher in die Big-Budget-Welt von Hollywood scheinbar gut getan haben, liefert er hier eine absolut großartige Performance ab. Vor allem die Nuancen des Charakters „Zöllner“ stechen hervor und es ist oft ein Vergnügen den genervten Blicken des Protagonisten insgeheim zuzustimmen.

Komödie oder Drama?

Eines ist bei diesem Film jedoch weniger gelungen, als das Schauspiel und die Charaktere. Leider ist man sich als Zuschauer oft nicht sicher, ob man gerade eine Komödie schaut, da der Film durchaus mit Slapstick-Momenten aufwarten kann, oder ein ernstes Drama. So schleichen sich ein paar Längen in den Film, sowie einige wenige nicht ganz durchdachte Handlungsstränge. Zum Glück sieht man darüber doch gnädig hinweg, denn auch in Sachen Effekte hat der Film, man würde es kaum glauben, einiges zu bieten. Manchmal wird fließend zwischen Film und Gemälde gewechselt und ab und zu erwachen gemalte Landschaften quasi zum Leben. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch noch mit einem guten Soundtrack unterlegt.

Der Film ist also für alle Liebhaber von ruhigen und intelligenten Comedy-Dramen sowie den Fans von guten deutschen Produktionen eine Empfehlung wert. Teilweise bemerkt man nicht einmal, dass man gerade einen Film aus Deutschland schaut und nicht aus Amerika oder Frankreich. Da fragen wir uns nur noch, warum es ganze zwölf Jahre gedauert hat, bis Wolfgang Becker wieder einen Film herausbrachte? Einer der Gründe, so sagt er selbst, sei, dass er nach seinem Erfolgsfilm „Good bye, Lenin!“ nicht einfach irgendeinen Film drehen wollte, nur des Geldes wegen. Stattdessen widmete er sich der mehrjährigen Vorstellung des Filmes in aller Welt, um danach die Produktionsfirma „X Filme“ vor dem Ruin zu bewahren. Erst Jahre später entdeckte er mit „Ich und Kaminski“ einen verfilmungswürdigen Stoff, der jedoch erst einmal als Drehbuch adaptiert werden musste. Aber trotz einer fast fünfjährigen Produktion mit ein paar Finanzierungsproblemen können wir uns nun über den Film freuen. Auf die Frage, ob es nun wieder zwölf Jahre bis zum nächsten Film dauern würde, antwortete der Regisseur, er hoffe, eines Tages einmal ein gutes und fertiges Drehbuch vorgesetzt zu bekommen. Denn so dauere es schon einige Jahre, aus einem Stoff das Beste herausgeholt zu haben.

 

 

Daniel [Brühl] wusste, ich würde den Film nur mit ihm machen… da blieb ihm gar nichts anderes übrig, als zuzusagen!“ Wolfgang Becker

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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