Kino & Serie / Kultur und Medien

Kinokritik: The Hateful Eight

Ein Kammerspiel mit Twist
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

©The Hateful Eight | The Weinstein Company

Ich habe jedes Mal so meine Zweifel, wenn ein neuer Film von Quentin Tarantino vorgestellt wird, aber stets schafft er es, mich zu überzeugen. Zurzeit läuft mit „The Hateful Eight“ der achte Film des Regisseurs in den Kinos und wir haben es uns nicht nehmen lassen, uns den Western anzuschauen.

Im Grunde weiß man schon im Vorfeld, was einen erwartet, wenn man bereits einen oder mehrere Tarantino-Filme gesehen hat. Ein menschliches Drama wird man hier genauso wenig finden, wie einen Science-Fiction- oder einen Fantasyfilm. Was man hingegen vorfinden wird, ist ein Western, der eher einem der früheren Gangsterfilme Tarantinos gleicht, und bei dem man mit pfiffigen Dialogen und auch einer Menge Blei rechnen muss. Ist das nun gut oder ist das schlecht?

Die Story

Während eines Schneesturms finden acht Menschen in einer Hütte in der amerikanischen Wildnis Zuflucht. Die Stimmung ist angespannt, denn es befinden sich nicht nur zwei Kopfgeldjäger sowie eine Gefangene unter ihnen, sondern auch ein Henker, ein Sheriff, ein Cowboy, ein Mexikaner und ein alter Mann. Niemand weiß so recht, was die anderen in die raue Gegend verschlagen hat und einige Personen scheinen nicht die zu sein, für die sie sich ausgeben.

Ein waschechter Western – oder?

Gleich zu Beginn des Filmes wird klar, dass es sich hier um einen waschechten Westernfilm handelt. Es ist in der Tat die Art von Film, in dem grimmige Männer mit Hüten und rauchenden Colts einander anstarren. Aber es wäre kein Film von Quentin Tarantino, wenn er nur das wäre. In „The Hateful Eight“ geht es weniger um Duelle und den Erhalt der Ehre, sondern um die Konflikte der Charaktere zueinander, wobei man eigentlich weiß, dass keine der Hauptpersonen zu den Guten gehört. Das macht die Geschichte interessant und das Setting in der Hütte, während draußen ein Schneesturm wütet, liefert ein glaubwürdiges Szenario. Was noch anzumerken wäre, ist, dass dieser Film im Gegensatz zu seinem Vorgänger Django Unchained mehr Rücksicht für das Genre mit sich bringt. Trotz einiger sprachlicher Ausrutscher passt der Film stilistisch in die Zeit der Bürgerkriege und Tarantino geht für seine Verhältnisse ruhig an den Film heran. Wir erleben keine ruckartigen Kameraschwenks, trashige Musik oder übertriebene Coolness. Die Musikauswahl ist von zwei kurzen Ausnahmen abgesehen klassisch – übrigens komponiert von Ennio Morricone, der mit „Spiel mir das Lied vom Tod“ eine Legende des Western ist – und der Film wirkt teilweise eher wie aus einer anderen Zeit gerissen.

Tolle Bilder und die Notbremse

Die Entscheidung, den Streifen auf echtem Film zu drehen und mittels 40 Jahre alter Panavision-Anamorphic-Objektive, die ein besonderes Breitbild liefern, hat dem Film mehr als gut getan, denn die Optik ist beeindruckend. Breite Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit klaustrophobischen Szenen in der Hütte ab. Der gesamte Film vermittelt ein Gefühl von Weite und ist verhältnismäßig ruhig geschnitten. Diese Ruhe zieht sich durch die erste Hälfte des Filmes, die fast komplett durch die schrulligen Charaktere und die perfekt in Szene gesetzten Dialoge glänzt. Wir werden Zeugen eines spannenden Kammerspiels, bei dem man die ganze Zeit rätselt, was hinter den Fassaden der Beteiligten vor sich geht. Dann irgendwann zieht Tarantino, und daran erkennt man sofort, dass der Film aus seiner Feder stammt, die Notbremse und durchtränkt die Szenerie in Blut. Mir persönlich hätte auch eine Fortführung des Filmes als Kammerspiel gereicht, aber das ist eben der Tarantino-Touch, den wir aus vielen weiteren Filmen kennen.

Oscars und Schauspieler

Aber kommen wir zum Punkt: Das Beste und das, wodurch dieser Film seine Lebendigkeit bekommt, sind die Darsteller. Wie immer wurde bei der Auswahl des Casts ein gutes Händchen bewiesen, wobei anzumerken ist, dass viele der Darsteller bereits früher mit dem Regisseur zusammenarbeiteten. Allen voran steht natürlich Samuel L. Jackson, der seine Rolle des Kopfgeldjägers, dem man eigentlich kein Wort glauben darf, wie immer gut macht. Kurt Russel spielt ebenfalls eindringlich und gerade bei seiner Rolle sind es Details, wie eine kleine goldene Lesebrille, welche den Charakter zum Leben erwecken. Besonders habe ich mich über Tim Roth gefreut, der nicht nur ein grandioser Schauspieler ist, sondern nach Pulp Fiction, Four Rooms und Reservoir Dogs nun zum vierten Mal in Tarantino-esquen Gefilden unterwegs ist. Auch seine Rolle gehört mit zu den coolsten in dem Stück, zumindest meiner Meinung nach. An die Wand gespielt werden jedoch alle Anwesenden von Jennifer Jason Leigh, die für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert ist und allein durch Mimik und Gestik ganze Geschichten erzählen kann. Umwerfend!

Weiterhin ist der Film bei den Academy Awards für seine Filmmusik und für die beste Kamera nominiert.

Fazit

Alles in allem habe ich bekommen, was ich mir vorgestellt habe – und noch ein bisschen mehr. Neben Reservoir Dogs könnte es sich hierbei um meinen Lieblings-Tarantino handeln. Nebenbei muss man jedoch auch sagen, dass der Film teilweise extrem brutal ist und man sich fragt, ob eine Freigabe ab 16 Jahren hier gerechtfertigt ist. Der Film geht in der „nomalen“ Kinofassung 160 Minuten. Von mir gibt es für alle Tarantino-Fans eine uneingeschränkte Empfehlung, sowie für alle, die einen interessanten Gangster-Western genießen wollen, Sinn für Kammerspiele haben und sich von einer Menge Blut und Gewalt nicht abschrecken lassen.

 

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

unbekannt

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