Buchkritik / Gesellschaft / Meinung

Buchrezension: Last Haven – Tödliche Geheimnisse (Lisbeth Jarosch)

Ein dystopischer Roman unter der Lupe
| Tamara Ossege-Fischer |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

„Ein dystopischer Roman voller Spannung und Gefühl“ – so beginnt die Buchrückseite des Jugendbuches von Lisbeth Jarosch. „Och nö, Gefühle!“, war mein erster Gedanke. Warum es hier mehr um Dystopie und Hinterfragen geht und wie ich den Roman letztendlich fand, erfahrt ihr hier.

Wir schreiben das Jahr 2335. Tod und Verderben in der ganzen Welt. Als einziger Rettungspol gilt „Last Haven“, der Staat, der vor mehr als 200 Jahren zur Lösung der Überbevölkerung gegründet wurde. Jeder hat hier seinen Beitrag zu leisten, um ein funktionierendes Glied der Gesellschaft zu sein. Es gibt für jeden einen Tätigkeitsbereich, der zum 8. Geburtstag bestimmt wird und in dem man – normalerweise – sein ganzes Leben lang arbeitet. Es gibt verschiedene „Ringe“, denen verschiedene Hauptaufgaben wie Landwirtschaft, Verteidigung oder Verwaltung zugeteilt sind.

Protagonistin ist die 18-jähride Aida, die in dem industriellen Ring C arbeitet. Für sie ist es selbstverständlich, vor Ort zu arbeiten und ihren Teil der Erhaltung zu erfüllen.

Alles läuft gut, bis sie sich bei einem Arbeitsunfall verletzt und in Ring A zur Operation gebracht wird. Als klar wird, dass sie nie wieder zu ihrem alten Arbeitsplatz zurückkehren wird, da sie von nun an körperlich eingeschränkt ist, beginnt ein neues, holpriges Leben in Ring A.

Ob sie den Anforderung ihres neuen Jobs gerecht wird, ist fraglich. Als der beliebte Präsident verstirbt, gerät scheinbar die ganze Regierung aus dem Lot.

Und dann ist da auch noch dieser Arzt, der seine volle Hoffnung in Aida setzt…

Nach ein paar Seiten wird es ziemlich schnell klar, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt. Die vorgestellten Antagonisten haben alle enorm typisch amerikanische Namen, die perfekt zum Nachnamen passen. Die Protagonistin ist jung, natürlich unschuldig und gehorcht dem System.

Nach ein paar Seiten bin ich mir aber auch sicher, dass ich dieses Buch ziemlich schnell beendet haben werde. Im positiven Sinne.

Von Anfang an baut die Autorin eine Spannung und eine Unberechenbarkeit auf, die sich über die ganze Geschichte zieht. Sie schafft es, die Story aufzubauen und trotzdem jetzt schon den Leser zu fesseln, weil zu keinem Zeitpunkt wirklich voraussehbar ist, was als nächstes passiert.

Sowohl die krasse Wendung des Protagonistencharakters als auch die Liebesgeschichte sind nicht durchschaubar. Man denkt, man weiß, wie sich alles wendet und dann geschieht doch was völlig anderes.

Die ersten beiden Drittel des Buches ist in diesem Stil geschrieben, sodass man im letzten Drittel selbst taxierbare Handlungen nicht erwartet werden und es nicht langweilig wird, im Gegenteil!

Mich beeindruckt, dass es trotz des Jugendbuch-Stempels flüssig lesbar ist. Leider hat man bei besagtem Stil oft kurze Sätze, wenig Nebensätze und schon gar nichts Verschachteltes, hier schafft es die Autorin aber, einen guten Mix aus allen drei Optionen zu erschaffen, sodass es einfach lesbar, aber nicht in sich zu simpel ist.

Unterm Strich bin ich fasziniert von der Geschichte und deren Wendungen. Ich persönlich mag dystopische Roman sehr gerne, weshalb ich mir auch diesen angeeignet habe. Die Liebesgeschichte ist hier Nebensache und entscheidet nicht wirklich den Fortlauf der Geschichte, was mir als Romanzen-Rejektor sehr zu Gute kommt.

Wie in allen Dystopien kann man sich eine Scheibe abschneiden, über die man sehr viel nachdenkt, da unsere Welt immer mehr ähnliche Zeichen hergibt. Die Parallelen zur heutigen Gesellschaft sind zwar ein wenig versteckt, jedoch wird sie nach jeder Seite deutlicher, vor allem zum Ende hin.

Kurz: Absolute Buchempfehlung, auch für „Erwachsene“ oder Buchliebhaber, die nichts mit Jugendromanen anfangen können. Ein Kauf ist es wert – auch, wenn das Cover eventuell zum Kitsch neigt – der Buchinhalt tut es nicht!

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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Tamara Ossege-Fischer

...man findet mich entweder auf matschigen Festivals oder in seltsam ausgerüsteten Hallen bzw. draußen beim Sport. Ansprechen ist zwecklos, die Musik ist so oder so zu laut. Nebenbei studiere ich auch noch Soziologie in Bielefeld.

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Oh nein, schon wieder Semesterferien!

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