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Technik der Zukunft – Die Zero DSR 2017 im Test

Lautlos über den Asphalt

Die Zukunft gehört den elektronisch betriebenen Fahrzeugen, da ist man sich ziemlich einig. Doch während sich Elektro-Automobile wie die von Tesla langsam immer größerer Popularität erfreuen und auch preislich erschwinglicher werden, ist eine andere Sparte der umweltfreundlicheren Fahrzeuge noch nahezu unangetastet: Die Elektro-Motorräder, lautlos und doch gefährlich schnell, erhalten erst seit kurzer Zeit Einzug in den Markt. Wir durften einer solchen Maschine, genauer der Zero DSR der Marke Zero Motorcycles*, einen Tag lang auf den Zahn fühlen und werden euch verraten: Lohnt sich ein Motorrad auch ohne Brummen und Knattern?

Es war ein ungewöhnlich stilles Aufeinandertreffen der beiden seitenwaelzer-Redakteure an jenem Donnerstag, an dem eine ganz sonderbare Maschine in ihre Hände fiel. Doch nicht etwa peinliches Schweigen oder Trauer lagen über Everswinkel an diesem Tage, vielmehr war es nur ein leichtes Surren und das Fahrzeug, das die Anwesenden in ihren Bann zog und faszinierte. Die Zukunft war auf einmal zum Greifen nah!

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Das lautlose Motorrad

So in etwa könnte man dramatisch formulieren, mit welcher Begeisterung wir an einem glücklicherweise sonnigen Tag die Zero DSR in Empfang nahmen. Ein rein elektronisch betriebenes und dennoch für puren Fahrspaß konzipiertes Fahrzeug, das kaum Geräusche verursacht. Die Marketing-Abteilung der Marke Zero Motorcycles hatte ganze Arbeit geleistet, schon der pure Anblick der Maschine erfreute. Und dann ging es los.

Eine kurze Einführung genügte: „Den Schlüssel umdrehen und den Seitenständer einklappen und schon ist der Motor scharf. Pass auf das Drehmoment auf, vor allem in der Kurve! Viel Spaß!“ hieß es. Und wir hatten unseren Spaß! Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in der Stadt wurde die Landstraße befahren und zum ersten Mal am Gas gezogen. Schnell war klar, dass Zero nicht zu Unrecht mit einer hohen Beschleunigung wirbt. Die Fahrt zum Drehort in Everswinkel ging erstaunlich schnell vorüber und bereitete noch mehr Freude als erwartet. Doch worum genau handelt es sich bei dieser Maschine eigentlich, was sind weitere Besonderheiten sowie Vor- und Nachteile?

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Das Team am Drehtag – der Zukunft auf den Zahn gefühlt

Die sportliche Geländemaschine von Zero

Zero Motorcycles stellt ausschließlich E-Motorräder her. Die Zero DSR gehört hierbei zu einem der beiden Topmodelle, die vertrieben werden. Neben der Zero SR, dem klassischen Naked-Bike der Marke, verfügt auch sie über ein Drehmoment von 144 NewtonMetern, bis zu 69 PS Nutzleistung und einen Lithium-Ionen-Akku mit bis zu 13 kw/h Kapazität. Die DSR besitzt einen etwas höheren Sattel, Gelände-Reifen und eine leicht angehauchte Reiseenduro-Optik, ist aber wie alle Motorräder der Marke noch immer sehr sportlich. Besonders an dem Fahrzeug ist, dass es mit dem normalen A2-Führerschein, also ab 18 Jahren, gefahren werden darf – trotz der eben genannten hohen Leistung.

Wir haben etwa 80 Kilometer mit der Maschine zurückgelegt und durften feststellen, was die Zero an Reichweite hergibt, wie schnell sie wirklich ist und vor allem, wie es sich mit dem Fahrspaß verhält. Und es ist kein Geheimnis mehr: Die DSR macht bereitet pure Freude! Der aufrechte Sitz und der breite Lenker sind komfortabel, die Bedienung denkbar simpel und das Gefühl der vollen Kontrolle permanent gegeben. Auch die Kurven lassen sich vor allem als Anfänger gut meistern. Gleichzeitig versteckt sich ein wahres Beschleunigungs-Biest in dem Gehäuse: Ohne jegliches Aufheulen eines klassischen Motors lässt die Maschine an der Ampel verwunderte Autofahrer weit hinter sich. Die angegebene Beschleunigung von 0 auf 100 km/h liegt bei 3,3 Sekunden, die deutlich spürbar sind. Und doch: Ohne Vibration entsteht nie das Gefühl, wirklich Geschwindigkeiten außerhalb der Begrenzung zu erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt übrigens bei knapp 160 km/h. Und der Sound? Kritikpunkt vieler eingefleischter Motorradfahrer ist das fehlende Knattern, das durch ein sanftes Surren ersetzt wurde. Darüber lässt sich ausgiebig streiten, uns fasziniert der leise Sound aber mehr, als dass etwas fehlt.

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Spaß auf dem Elektro-Wunder

Die Reichweite ließ sich aufgrund der begrenzten Zeit nur bedingt testen. Zero gibt etwa 200 Kilometer im Stadtverkehr und bis zu 150 Kilometer außerhalb an, der Händler konnte dies bestätigen. Mit der Akkuladung von knapp 66% konnten wir ungefähr 80 km fahren, waren aber auch die meiste Zeit im sportlichen Modus bei hohem Drehmoment unterwegs.

Um Akkukapazität bei Bedarf einsparen zu können, liefert Zero mit dem Motorrad drei verstellbare Modi mit: Im Eco-Modus fährt es sich entspannt, hohe Beschleunigung ist nicht gewollt. Der Sport-Modus bereitet am meisten Spaß. Das Drehmoment ist maximal, hier bekommt man die 69 PS tatsächlich zu spüren. Für uns am interessantesten ist allerdings der sogenannte „Custom-Modus“, der sich mittels der im App-Store oder bei Google Play herunterladbaren App nach Belieben einstellen lässt. Per Bluetooth wird das Smartphone mit dem Motorrad verbunden und neben ausführlichen Angaben wie Motor-Temperatur, verbleibender Kapazität oder damit verbundener Reichweite gibt es die Möglichkeit, die Maschine zu drosseln, das maximale Drehmoment zu modifizieren und die Stärke der Motor-Rekuperation einzustellen. Ein schönes Feature, das die Modernität des Motorrads noch einmal hervorhebt.

Um bei all den positiven Aspekten einmal zurück auf den Boden der Tatsachen zu kommen, mag das größte Manko des Elektro-Fahrzeugs erwähnt werden: Die unverbindliche Preisempfehlung einer neuen Zero DSR liegt bei knapp 16000 bis 18000 Euro – ein offensichtlich für den normalen Studenten nicht wirklich erschwingliches Vergnügen. Nichtsdestotrotz wirbt der Hersteller mit ungewöhnlich niedrigen Betriebskosten, die Investition könnte sich also lohnen. Die Ladezeit des Akkus beträgt mit zusätzlichem Schnellladegerät knapp 6 Stunden, mit der Maschine ist also anders umzugehen als mit klassischen Motorrädern. Vor allem von langen Touren ist wohl eher abzusehen.

Fazit

Die Zero DSR beeindruckt! Leichtes Handling, sanfte Kurvenlage und unvergleichliches Drehmoment sprechen für sich. Auch der Sound der Maschine ist etwas wirklich Besonderes. Wer ein echtes Motorrad ohne direkte Umweltverschmutzung sucht und keine allzu langen Strecken zu fahren gedenkt, sollte mit der Maschine liebäugeln. Der aktuell sehr hohe Verkaufspreis dürfte allerdings abschrecken und vor allem jüngere Fahranfänger als Kunden ausschließen. Davon einmal abgesehen bleibt ein durchweg positiver Eindruck, der auch durch die mittlerweile wirklich vorbildliche Reichweite und Akkukapazität nicht geschmälert wird.

Wir sind überzeugt: Zero Motorcycles geht einen bedeutenden Schritt Richtung Zukunft. Aktuell kann sich definitiv noch nicht jeder ein Elektro-Fahrzeug leisten, doch die Preise werden sinken – gleichzeitig mit steigender Qualität der Fahrzeuge. Laute Geräusche und Umweltverschmutzung werden entbehrlich und das ohne den Fahrspaß einzuschränken. Ein tolles, modernes und futuristisches Fahrzeug!

 

 

Vielen Dank an Zero Motorcycles und Zweirad Dahlhues in Warendorf für die Bereitstellung des Fahrzeugs!

 

*Dies ist ein vollkommen freier und ehrlicher Test aus Interesse der Redakteure. Weder Zero noch der Händler des Motorrades haben uns hierfür bezahlt.

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David Neite

Hey Leute! Ich bin David, lese und schreibe gerne, bin bekennender Fan guter Fantasyliteratur sowie (alter) Videospiele und habe vor, künftig viel zu reisen. Bei all dem könnt ihr mich, solltet ihr daran Interesse haben, hier auf seitenwaelzer begleiten.

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