Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Auf ins Studium / Bildung / Studium

Gruppenarbeit – Eher Fluch als Segen?

Eine Gruppe, die zusammen eine Gruppenarbeit machen muss, besteht in der Regel aus einem Vollidioten, der die ganze Arbeit macht, einem Chiller, der sowieso keine Ahnung hat, wie er überhaupt in dem Kurs gelandet ist, einem netten Blender, der beteuert, dass er auf jeden Fall hilft und es am Ende doch nicht tut und einem, der erst ganz am Ende wieder auftaucht. Das ist so das Hauptklischee, was über Gruppenarbeiten kursiert und unglücklicherweise war ich mal in einer Gruppe mit genau dieser Konstellation.

Diesen Artikel gibt es auch als Hörversion: Jetzt reinhören!

Person A war für sich genommen sehr nett und aufgeschlossen. Bei den Vorbesprechungen hat sie sich sehr kooperativ gezeigt und angeboten die Power-Point-Präsentation und die Handouts zu machen. Leider hatte sie auch noch anderweitige Verpflichtungen, hat aber beteuert, selbstverständlich ihren Beitrag zu leisten, wenn wir ihr einfach eine Aufgabe zuordnen. Müßig zu erklären, dass sie tatsächlich fast nichts zu dem Referat beisteuerte, außer einer zusammengestückelten Präsentation, die noch während des Vortrags fertiggestellt wurde.

Person B war für sich genommen nicht so sympathisch, aber sehr ambitioniert und gleichermaßen unentspannt. Weit vor dem Referat, genau genommen sofort nach der Themenvergabe, hatte sie schon eine Literaturliste angelegt und einige der Bücher vorbestellt und die anderen sofort ausgeliehen. Die Pfingstferien, die, anders als an anderen Unis, an unserer Uni eine Woche dauerten, nutzte sie für die Lektüre der Referatsliteratur und brachte bei den anderen Gruppenmitgliedern ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, dass sie nicht die komplette Liste von 20 Büchern hatte abarbeiten können.

Person C hatte wahrscheinlich tatsächlich keinen blassen Schimmer, warum sie sich jeden Donnerstag in diesem Raum einfinden musste, wo alle engagiert über irgendetwas diskutierten und fleißig Aufgaben bearbeiteten. Bis zum Ende des Semesters war sie kein einziges Mal pünktlich und ihr Verspätungsrekord lag einmal bei 35 Minuten. Einmal ist sie nicht gekommen, weil sie verschlafen hatte. Unser Seminar begann um 14h. Immerhin war sie bei allen Referatstreffen dabei gewesen, ob sie aber überhaupt wusste, über welches Thema wir referierten, sei dahingestellt. Außerdem war Person C ziemlich nett.

Person D war ein, man kann es nicht anders sagen, arroganter Schleimbeutel. Ich habe lange nach einer netteren Umschreibung gesucht, aber es gibt keine. Zum Glück mussten wir mit ihr nicht besonders viel Zeit verbringen, sie tauchte am Anfang einmal auf und beschwerte sich über die viel zu hohen Anforderungen. Dann stellte sie sich tot und war mehrere Wochen weder im Seminar, noch sonst zu erreichen. Am Tag des Referates tauchte sie dann wieder auf und war mit der Power-Point-Präsentation, die zugegeben nicht die beste war, so unzufrieden, dass sich ein anderes Gruppenmitglied schließlich erbarmte und die gesamte Präsentation änderte, während wir schon vortrugen.

Vor dieser Gruppenarbeit hatte ich eher kuschelige Referatsgruppen, in denen immer mindestens zwei Mitglieder dabei waren, die Kekse oder andere Süßigkeiten dabei hatten und in der man konstruktive Kritik mit einem Lob vorher ausgetauscht hat. Mit denen man dann nach dem Treffen noch einen Kaffee trinken gegangen ist und sich beteuerte, wie weit man gekommen sei. In diesen Gruppenarbeiten hat sich jeder um den größten Teil der Arbeit gerissen.

Deshalb bin ich nie davon ausgegangen, dass es solche Klischeegruppen überhaupt gibt – aber glaubt mir, es gibt sie!

Im Endeffekt hat bei dieser Gruppenarbeit jeder verloren. Person C wird irgendwann zu etwas wirklich wichtigem zu spät kommen, denn irgendwann muss man wissen, wohin man will. Und irgendwann wird sich auch Person A nicht mehr mit netten Beteuerungen drücken können, dann wird niemand mehr ihre Arbeit erledigen. Person D wird auch mal auf eigenen Füßen stehen müssen, ohne dass die Eltern im Zweifelsfall sauteure Nachhilfestunden bezahlen. Selbst Person B, die so brav war, wird wahrscheinlich irgendwann in ihrem späteren Leben einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie sich weiterhin so stresst, falls sie nicht schon unmittelbar nach dem Referat einen bekommen hat.

In dieser Konstellation ist eine Gruppenarbeit wirklich das Schlimmste, was es gibt. Aber es muss nicht so bleiben. Wenn jeder sich ein bisschen kooperativer zeigt, stirbt niemand an einem Herzinfarkt und man muss auch keine Nachtschicht einlegen. Wenn man also eine gute Gruppenarbeit haben möchte, muss man selbst etwas dafür geben und das ist nicht nur Fleiß, sondern auch Kommunikation.

Aus Rücksicht auf ihre persönliche Reputation und die anderen Gruppenmitglieder hält die Autorin geheim, welchen Platz sie in dieser illustren Referatsgruppe einnahm.

Teilen

June Fontaine

Ich heiße June, bin 22 Jahre und studiere in Essen Geschichte und Evangelische Religionslehre auf Lehramt. Neben meinem Studium entdecke ich NRW, probiere mich im Backen und schreibe für seitenwaelzer.

Weitere Beiträge

Der schlechteste Vortrag aller Zeiten

Me, Hightech and I – Wie finde ich den richtigen Laptop für mich?

Endlich gewählt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies, mit der Nutzung unserer Webseite erklärst du dich damit einverstanden. Hier gibt's weitere Infos.