Kino & Serie / Kultur und Medien

Kinokritik: Logan – The Wolverine

Ein finsteres Ende
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Haben wir nicht langsam genug von X-Men-Comic-Filmen? Haben wir nicht genug von knallig bunten Spektakeln, in denen die Handlung zugunsten von Action und Effekten weichen muss? In denen blasse Charaktere gegen noch blassere Bösewichte antreten? Und jetzt kommt der Film „Logan“ und hat uns überzeugt: Dieser eine Film musste noch gedreht werden!

Zugegeben, dieser Streifen hat mich anfangs nicht besonders interessiert. Ich habe mich durch den Vorgänger „The Wolverine“ gequält und der letzte Film der X-Men-Reihe „X-Men: Apocalypse“ war ebenfalls ziemlich mies. Dann wurde also ein weiterer Film über den Superhelden angekündigt, der schon seit Teil 1 der Serie mit im Team war: Wolverine. Was gibt es dieser Geschichte noch hinzuzufügen? Das habe ich mich gefragt und der erste Trailer ließ bereits erkennen: Dieser Film könnte in eine andere Richtung gehen, denn hier geht es nicht um Superhelden, nicht einmal um Helden, es geht um die Menschen dahinter. Daher trägt der Film auch passenderweise nur den Titel „Logan“.

Die Story

Der Film spielt im Jahr 2029 und damit lange nach den vorherigen Teilen der Reihe (die man hierfür jedoch nicht gesehen haben muss). Logan, der unter dem Namen „Wolverine“ Teil des X-Men-Teams war, wir erinnern uns: er kann sich selbst heilen und hat messerscharfe Klauen an den Händen, ist alt geworden. Zurückgezogen lebt er an der mexikanischen Grenze und kümmert sich um seinen Freund und Mentor Professor Charles Xavier. Er hat viele Freunde verloren, ist verbittert, trinkt und sieht im Leben kaum noch einen Sinn. Als eine Organisation ein junges Mädchen, ebenfalls eine Mutantin, verfolgt, gerät er mitten ins Kreuzfeuer und muss ein letztes Mal den Kampf aufnehmen.

Ein letztes Mal

17 Jahre ist es her, dass Hugh Jackman in die Rolle des Wolverine schlüpfte und er ist mit ihr gealtert. Das Make-up hat hier etwas nachgeholfen aber wir bekommen einen Logan zu sehen, wie noch nie zuvor: Mit tiefen Falten im Gesicht, grauen Haaren und tiefsitzenden seelischen Traumata lebt er sein Leben und hat kaum mehr etwas für die Welt übrig. Sein Körper gibt den Geist auf und es scheint keine Hoffnung zu geben. Hugh Jackman spielt den menschgewordenen Verfall mit voller Hingabe und wird dabei passend unterstützt von Sir Patrick Steward, den wir bereits zum siebten Mal in der Rolle des Charles Xavier erleben dürfen – und ihn kaum wiedererkennen werden. Die dritte wirklich gute schauspielerische Leistung des Filmes bietet Dafne Keen als junge Mutantin, die tatsächlich die meiste Zeit des Filmes kein Wort spricht.

No Country for old men

Neben den bekannten Gesichtern erinnert aber nicht viel an die verwandten Comicfilme. Logan ist finster, düster, dreckig und hat keinerlei Hochglanz, wie wir ihn gewohnt sind. Es handelt sich auch nicht um eine typische Geschichte mit einem Bösewicht, sondern vielmehr um ein Roadmovie. Mehr „No Country for old men“ als „X-Men“! All dies tut dem Film jedoch unglaublich gut. James Mangold, der Regisseur und Autor, inszenierte das letzte Abenteuer von Logan mit viel Realismus und in düsteren Tönen, ohne dabei zu oft ins Klischee abzurutschen. Wer also einen Superheldenfilm erwartet ist hier falsch: Wie bereits erwähnt gibt es keine Helden, sondern nur Menschen, die zufällig besondere Kräfte haben und daran zugrunde gehen. Ungewohnt ruhig kommt der Film daher und entlädt dann eine gewaltige Energie und Brutalität in den Actionszenen, die noch einmal besonderer Erwähnung bedürfen. Logan ist sehr blutig und sehr brutal! Die Freigabe ab 16 Jahren ist gerechtfertigt und man kann an einigen Stellen durchaus diskutieren, ob man die Szenen so explizit hätte gestalten müssen oder ob eine Elfjährige Menschen die Köpfe abschneiden sollte. Aber die Gewalt ist keineswegs zum Selbstzweck eingesetzt. Logan bzw. Wolverine war stets ein Charakter, der sich nicht an den Ehrenkodex anderer Helden hält und der oft eine Spur aus Leichen zurücklässt. Der Ton passt also und an einigen Stellen wird man als Zuschauer überrascht, wie der Film von kompromissloser Brutalität zu sehr emotionalen Szenen springt.

Starkes Kino

Ich finde „Logan“ ist ein ungewöhnlicher Film, der mir wirklich gut gefallen hat. Gerade, weil er so anders ist und vieles richtigmacht, was mich an aktuellen Comicverfilmungen nervt, weil er so real und ehrlich ist, weil er gut gespielt ist und technisch wunderbar umgesetzt wurde. Wem der Trailer gefällt, egal ob Fan der X-Men oder nicht, sollte einen Blick riskieren. Euch erwartet ein düsteres, grandioses und trauriges Charakterdrama, welches das Genre für mich gerettet hat: Auch Comicfilme können starkes Kino sein.

 

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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