Auf ins Studium / Bildung

Philosophiestudium in Münster – nimm dir doch ‘nen Kaffee

| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Das Philosophiestudium, das in Münster sowieso nur als Bestandteil des Zweifach-Bachelor angeboten wird, ist mein zweites Fach neben Biologie. Auch hier ist die erste Woche geschafft, und auffällig sind dabei die Unterschiede im Studium zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften.

Biologie und Philosophie: Diese Kombination ist eher ungewöhnlich, bietet aber sehr viel Potential, wie ich finde. Allerdings muss man, wenn man zwei Fächer studiert, oft Kompromisse machen, wenn Veranstaltungen gleichzeitig laufen. Das stellte mich gleich am ersten Tag vor die Frage: Biologie oder Philosophie, da beide Einführungsveranstaltungen parallel begannen. Ich entschied mich für Bio und so kam es, dass ich mit einem Tag Verspätung vor dem Fürstenberghaus in Münster stand und den Raum suchte, der (natürlich) als einziger im Haus nicht ausgeschildert zu sein schien. Zum Glück traf ich nach einer Weile auf zwei weitere Philo-Neulinge und gemeinsam (und mit Hilfe eines Hausmeisters) fanden wir den Raum.

Meine Erwartungen waren dieselben wie in Biologie: Ein Hörsaal, der zum Bersten mit knapp 400 Leuten gefüllt ist. Was ich stattdessen erlebte, war doch eine Überraschung: ein mittelgroßer Raum mit Gruppentischen, einem Frühstücksbuffet und den Worten „Hey, kommt rein, nehmt euch ‘nen Kaffee, oder ein Brötchen.“

Hier stellt man zum ersten Mal fest, wie unterschiedlich die Studiengänge, die Menschen, die Inhalte und überhaupt das ganze Studium zu sein scheint – und das nicht nur, wenn es um Info-Veranstaltungen geht.

Denn in diesem Informations-Frühstück erklärten uns die netten Tutoren der Fachschaft alles Wissenswerte über das Studium, die Wahl der Kurse und andere Kleinigkeiten, welche der Organisation des Studiums das Chaos nehmen. Alles lief in angenehmer Atmosphäre ab und die Gruppentische eigneten sich deutlich besser zum Kennenlernen der Kommilitonen, als ein überfüllter Hörsaal. Ergebnisse der Gespräche:

1. Eine beliebte Fächerkombination ist Philosophie + Geschichte

2. Es gibt zwei Gruppen von Philosophie-Studenten. Die Einen wählen das Fach aus Interesse, die Anderen, weil sie ihr Wunschfach nicht bekommen haben und Philo zulassungsfrei war.

3. Viele neuen Studenten wohnen nicht in Münster, sondern pendeln mit dem Zug/Bus jeden Morgen etwa 15-40 km.

4. Die Tatsache, dass man, wenn man Philosophie auf Lehramt studieren möchte, das Latinum benötigt, löst bei fast allen Anwesenden Entsetzen aus.

In Münster gehören die Fahrräder zum Studium einfach dazu, wie sonst soll man die Institute erreichen, die über die ganze Stadt verteilt sind?
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In Münster gehören die Fahrräder zum Studium einfach dazu, wie sonst soll man die Institute erreichen, die über die ganze Stadt verteilt sind?

Zum Aufbau des Studiums

Das Philosophiestudium ist in Münster sehr locker aufgebaut. Es gibt eine bestimmte Anzahl von Modulen, die aus jeweils einer Vorlesung und verschiedenen Seminaren bestehen. Diese Module müssen belegt werden, in welcher Reihenfolge und in welchem Umfang bleibt den Studenten überlassen. Das bietet die Freiheit, anders als in Biologie, nach Interesse zu studieren, anstatt nach Plan. Ich entschied mich allerdings für die für Erstsemester empfohlenen Module zur Kompetenzlegung: Logik & Argumentationstheorie, sowie Sprachphilosophie.

In der Philosophie war das Programm der Orientierungswoche nicht so umfangreich, wie bei den Biologen, doch zwei Termine hatte es noch zu bieten. Zum Einen den sehr lustigen und unterhaltsamen Vortrag „Was ist Philosophie“, der wie die bekannte Quizshow „Wer wird Millionär“ aufgebaut war und zu aktiver Mitdiskussion einlud, sowie eine Führung durch die Fachbibliothek. Das geplante Grillen an der Aa fiel dagegen wegen Dauerregens buchstäblich ins Wasser.

Interessanter Fakt: Die Philosophische Bibliothek in Münster ist zum Teil chronologisch aufgebaut – nach den Sterbedaten der Philosophen.

Um wieder zu den Unterschieden zu kommen, die Biologie und Philosophie auszeichnen: Die deutlich geringere Anzahl der Studenten im Studiengang (etwa. 140, von denen nicht immer alle da sind) und die deutlich familiäreren Treffen sorgen für eine ganz andere Kontaktfreudigkeit und Aufgeschlossenheit der anderen „Erstis“. Außerdem scheinen die Lehrenden deutlich lockerer zu sein, was die Anwesenheit in und die Wahl von Kursen, sowie die Klausuren angeht:

„Nichts ist schlimmer, als eine philosophische Arbeit, die nach einem Schema angefertigt wird, nach dem Motto „Einleitung, Hauptteil, Fazit“. Ihr schreibt mir ein Essay über irgendein interessantes Thema.“

So der Dozent in meinem ersten Seminar. Über die Vorlesungen kann man sagen, dass sie nicht nur gut besucht sind und, soweit ich das bisher einschätzen kann, auch sehr spannende Themen behandeln, sondern auch, dass es von Vorteil ist, wenn lauter nette und kontaktfreudige Menschen sie besuchen. Da die Hörsäle hier deutlich enger sind und man 90 Minuten lang eingequetscht auf unbequemen Stühlen sitzt, hilft das schon ziemlich, das Sardinen-in-der-Dose-Gefühl loszuwerden.

Über alles Weitere werde ich euch auf dem Laufenden halten, wenn die Seminare nächste Woche richtig starten und das eigentliche Studium losgeht. Bisher war alles nur Kennenlernen, Organisationschaos und Orientierung.

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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