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kurzwEilig / Reportage

Schwer zu ertragen – Das Yulin-Hundefleisch-Festival

Nein, die Rede ist hier nicht von dem sprichwörtlichen Sack Reis, sondern von einem Thema, welches Tierschützer in China und auf der ganzen Welt aktuell bewegt: Das jährliche Hundefleisch-Festival im chinesischen Yulin.

Hintergrund der Debatte stellt eine Tradition dar, bei der in Yulin, in der Region Guangxi im Süden Chinas gelegen, große Mengen Hundefleisch im Rahmen einer Feierlichkeit zur Sommersonnenwende verzehrt werden. Dies soll Glück und ein erfolgreiches weiteres Jahr bringen und ist fest in der Kultur der Region verwurzelt.

Während allein die Tatsache, Hunde zu essen, vielen europäischen Tierliebhabern den Magen umdreht, so muss man sich jedoch vor Augen halten, dass die Speisegewohnheiten in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich sind und beispielsweise in südamerikanischen Ländern Meerschweinchen auf der Speisekarte stehen, oder im Mittelmeerraum der Verzehr von Schweinefleisch, oder in Indien von Kühen undenkbar wäre.

Neben kulturellen Gewohnheiten und Vorlieben gerät das Hundefleisch-Festival jedoch auch aus weiteren Gründen in berechtigte Kritik. Offizielle Meldungen sprechen von 10.000 Hunden, die in wenigen Tagen geschlachtet und gegessen werden, während viele Quellen von bis zu 40.000 Tieren sprechen. Die hohe Dunkelziffer komme zustande, da die Herkunft der Hunde keineswegs aus Zuchten stamme, oder etwa freilebende Tiere eingefangen würden, sondern schon lange im Voraus Hundefänger umherziehen würden, welche unter anderem Haushunde stehlen und einfangen, die teilweise sogar noch Halsbänder tragen würden. Auch aus China regt sich immer mehr Kritik zu diesem Punkt, da sich viele Familien Hunde anschaffen und nun um die Sicherheit ihrer Haustiere bangen.

Ferner sind Bild- und Filmaufnahmen im Umlauf, die tierquälerische Praktiken dokumentieren, bei denen mehrere Hunde in winzigen, scharfkantigen Drahtkäfigen umhergeworfen werden, dort eingepfercht verbleiben und in Teilen sogar geschlagen werden (angeblich mache das Adrenalin der Hunde das Fleisch zarter). Auch das Häuten von Hunden bei lebendigem Leibe sei gängige Praxis.

Hier stellt sich wie immer der Konflikt zwischen dem Erhalt von Traditionen und dem Tierschutz, welcher, zumindest nach meiner Ansicht, hier den Vorrang genießen muss. Der Verzehr von Tieren ist die eine Sache, aber die Behandlung von den Hunden, sowie die Tatsache, dass diese vielfach gestohlen werden, sind Punkte, über die man sich nicht unter dem Deckmantel einer „Tradition“ verstecken darf und die einfach nicht gehen! Obwohl China weit weg ist und uns diese Thematik nicht direkt berührt, muss über derartige Zustände berichtet werden und man darf nicht einfach wegsehen.

[Eine Warnung, in diesem kurzen Filmbeitrag werden teilweise sehr drastische Bilder von misshandelten Hunden gezeigt.]

 


 

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Yulin_%28Guangxi%29
https://farm3.staticflickr.com/2916/14256092878_09ce835000_o.jpg
http://www.20min.ch/panorama/news/story/22134120
http://www.independent.co.uk/news/world/asia/chinese-yulin-dog-meat-festival-activists-fight-back-in-support-of-event-which-will-see-10000-cats-and-dogs-slaughtered-10326736.html

 

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Robin Thier
Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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2 Antworten zu “Schwer zu ertragen – Das Yulin-Hundefleisch-Festival”

  1. Die Initiative gegen diese Grausamkeiten finde ich natürlich unterstützenswert. Aber wie steht es bei uns mit der ganz regulären Massentierhaltung? Wie würden wir es auffassen, wenn z.B. Araber oder Inder über unsere Handhabung protestieren würden?

    1. Ich kann hier nur meine Meinung widergeben, wenn ich sage, dass ich es sogar begrüßen würde, wenn auch mal Menschen aus anderen Ländern den Mund aufmachen würden. Viele Deutsche wissen ja durch die Medien, was in der Massentierhaltung für Bedingungen herrschen und so wirklich kümmert es sie nicht (genug). Wie im Artikel gesagt, man darf (auch in Deutschland) bei solchen Themen nicht einfach wegsehen.
      Auf der anderen Seite kann ich mir die Reaktionen gut vorstellen, wenn jemand etwa aus Indien gegen die deutsche Massentierhaltung protestieren würde… es will sich ja niemand in seine Werte reinreden lassen, nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht“.

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