Buchkritik / Meinung

Buchempfehlung: Das Paket – Sebastian Fitzek

Es ist nicht möglich, etwas zu beobachten, ohne es zu verändern
| Tamara Ossege-Fischer |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Sobald man im Moment eine Buchhandlung betritt, stolpert man früher oder später über den Namen “Fitzek”. Bestseller, Top 10. In der Thriller- und Krimi-Abteilung finden sich mehrere Bücher unter seinem Namen, da Fitzek immerhin schon seit 10 Jahren als Autor aktiv ist. Wir haben uns genauer mit dem neuen Psychothriller “Das Paket” auseinandergesetzt. Wenn du auch schon davon gehört, aber noch nicht zugegriffen hast, oder einfach was Neues zum Lesen brauchst, dann bist du hier richtig.

Das Buch startet mit einem mehrseitigen Prolog, in dem es um die Kindheit der Protagonistin Emma Stein geht. Der Leser erfährt von einer Art imaginärem Freund, der aus ihrem Schrank unerkannt mit ihr spricht, wenn ihre Eltern nicht zuhören. Er ist bis zum 6. Lebensjahr ihr täglicher Begleiter, bis er eines Nachts aus dem Schrank steigt und einmalig in Aktion tritt.

Mittlerweile ist Emma Psychologin, verheiratet und schwanger. Sie hegt eine blühende Phantasie und ist deshalb zum Lügen geneigt – zumindest will man ihr das weißmachen. Nach einem wichtigen Kongress verbringt sie die Nacht im vorgeschlagenen Hotel und wird vergewaltigt – verliert ihr ungeborenes Kind. Niemand glaubt ihr, obwohl zu der Zeit wirklich ein Vergewaltiger sein Unwesen treibt, der seinen Opfern (genauso wie Emma) die Haare schert. Da dieser seine Wahl jedoch brutal tötet, wird von Emmas Fall schnell abgelassen.

Sie schließt sich nach der Tat ein, verbarrikadiert das Haus und spricht mit niemandem. Die einzigen Vertrauten sind ihr Mann Philipp und der Postbote, der ihr die online bestellten Lebensmittel liefert. Jeder Mann kann in ihren Augen der “Friseur” sein, sie wird zum völligen Wrack.

Eines Tages bittet sie der Postbote, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen.  Ein Nachbar, dessen Namen Emma noch nie gehört hat, und an dessen Adresse eigentlich eine ältere alleinstehende Frau wohnt. Seitdem ist alles anders. Das Paket verschwindet, taucht wieder auf, treibt Emma in den Wahnsinn. Und dann bekommt sie auch noch Warnungen…

Trotz seiner jahrelangen Karriere ist Fitzek an mir vorbeigegangen, was sich zum Glück ab jetzt ändert.

Er schafft es, den Leser in die Protagonistin hereinzuversetzen und ihren ganzen “Wirrwarr” im Kopf zu verstehen, obwohl sie alles und jeden verdächtigt. Man versucht selbst herauszufinden, wer der Peiniger sein könnte und überdenkt – genauso wie Emma – jede Person. Zu Beginn hat man unglaublich Mitleid und leidet stark mit. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr empfindet man die Psychologin als ziemlich nervig. Genau dann greift Fitzek ein und wendet die Geschichte so sehr, dass man nicht mehr weiß, was man eigentlich denken und vor allem wen man beschuldigen soll. Eine Wendung jagt die nächste, aber erst, wenn man die erste schon mehrmals überdacht und analysiert hat.

Der Autor schreibt unglaublich fesselnd und spannend, sodass man das Buch nicht weglegen kann, bis man die letzte Seite gelesen hat. Trotz vieler Personen im Handlungsstrang versteht man schnell, wer zu wem gehört und wie dieser Jemand zur Protagonistin steht.

Ich empfehle diesen Fitzek-Roman auf jeden Fall weiter und habe mittlerweile schon mehrere weitere von ihm im Bücherregal stehen. Er schreibt unter anderem auch unter dem Decknahmen “Max Rohde” – ein Blick in die Werke schadet auf keinen Fall!

Anmerkung: Fitzek hat eine sehr, sehr gute Art zu schreiben, jedoch kann es durchaus sein, dass man, sobald man mehrere seiner Bücher in sehr kurzem Abstand hintereinander liest, die Wendungen versteht und teilweise nicht ernst nimmt, weil es letztendlich sowieso anders kommt. Mein Tipp deshalb: Gönnt euch zwischen zwei Werken ruhig ein oder zwei andere Bücher, vielleicht sogar eines anderen Genres, um euch dann dem nächsten Fitzek zu widmen.

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http://daspaket-thriller.de/das-buch/

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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Tamara Ossege-Fischer

...man findet mich entweder auf matschigen Festivals oder in seltsam ausgerüsteten Hallen bzw. draußen beim Sport. Ansprechen ist zwecklos, die Musik ist so oder so zu laut. Nebenbei studiere ich auch noch Soziologie in Bielefeld.

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