Studium

Die geheime Welt der Stipendien

Ein Interview mit dem Team von Stipendiumbewerbung.de
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Zur Finanzierung des Studiums bietet ein Stipendium den entscheidenden Vorteil, dass man Geld bekommt und vom Ruf des Stipendiumsprogramms profitieren kann. Aber trotzdem glauben viele Studierende nicht, dass sie für ein Stipendium in Betracht kommen. Wir haben bei dem Kollegen von Stipendiumbewerbung.de nachgefragt, wie es in der Realität aussieht.

Der Klassiker: Sind Stipendien nicht nur etwas für Einserkandidaten und die Studiengangbesten?

Dieser Klassiker hält sich tatsächlich am hartnäckigsten, ist aber ein absoluter Mythos und entspricht nicht der Wahrheit. Bei den meisten Stiftungen sind Noten erst das zweite oder sogar dritte Auswahlkriterium, davor stehen das persönliche Engagement (wie im sozialen, politischen oder gesellschaftlichen Bereich), sowie auch die persönliche Eignung und Passung für die jeweilige Stiftung.

Noten sind zwar auch wichtig, aber erstens braucht man keinen Einserschnitt und zweitens sind andere Kriterien deutlich wichtiger.

Was bringt ein Stipendium? Zum Geldverdienen kann man auch jobben gehen.

Beim Jobben muss man aber auch einige Zeit aufbringen (Schmunzeln).

Nein, im Ernst. Ein Stipendium hat meistens einen finanziellen Anreiz, aber nicht immer. So unterscheiden sich Stipendien in Sachstipendien- und ideelle Stipendien. Die großen Stiftungen koppeln das aber aneinander. Der finanzielle Aspekt ist gerade auch hinsichtlich von Auslandssemestern von Vorteil, weil Studiengebühren oder Reisekosten übernommen werden. Da spart man im Auslandssemester an einer teuren Uni wie Oxford, Harvard und Co. schnell mal 10 000 – 12 000 Euro, weil die Stiftung die Kosten übernimmt. Für diese Summe müsste man ordentlich lange arbeiten gehen.

Doch ist vor allem auch der ideelle Teil bei Stipendien nicht zu unterschätzen. Hier haben die meisten Stiftungen ein eigenes (Weiter-)Bildungsnetzwerk mit einem spannenden und facettenreichen Seminarangebot. Ebenso bietet ein Stipendium ein wahnsinnig gutes Netzwerk zu Altstipendiaten, über die man von tollen Praktika bis zu klasse Jobangebote bei großen Firmen, in der Politik u.v.m. bekommen kann.

Dieser ideelle Aspekt ist auch das, was später bei Bewerbungen eine große Rolle spielen kann. Denn einerseits hat man eine spezielle Weiterbildung über die Stiftungen genossen, die nicht alle haben, andererseits wissen die Unternehmen natürlich um die Vorzüge von Stipendien und haben deshalb ebenso ein großes Interesse daran Stipendiaten einzustellen.

 

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Die Zahlen dreier großer Stipendien in den letzten Jahren.

 

Woher wisst ihr so viel über das Thema?

Wir von stipendiumbewerbung.de sind alle selbst Stipendiaten mehrerer Förderwerke und unsere Erfahrung speist sich zudem v.a. durch den Gründer und Stipendiencoach Korbinian Breu. Korbinian hat während seiner Studienzeit selbst sieben Stipendien im Wert von knapp 50 000 Euro erhalten und hat mit seiner Expertise und seinem Stipendienratgeber in den letzten Jahren schon knapp 1 000 potentielle Bewerber zum Stipendium gecoacht.

Gleichzeitig halten wir Kontakt zu vielen Stipendiaten und Stiftungen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben und um neue Trends im Auswahlverfahren zu analysieren und für potentielle Bewerber aufzuarbeiten, damit jeder seine Bewerbung zum Erfolg führen kann.

Gibt es so etwas wie den „Masterplan“, ist nicht jedes Stipendium anders und abhängig von den Institutionen? Wenn die Institutionen wissen, dass man ihre Auswahlen quasi beeinflussen kann, ändern sie dann nicht ständig ihre Auswahlmethoden?

Ganz ehrlich? Natürlich ist jede Stiftung ein bisschen anders und die Auswahlverfahren unterscheiden sich hier und da. Aber ja, es gibt die Möglichkeit auf einen Masterplan, denn die Eckpunkte bei der Bewerbung sind immer die gleichen.

Das fängt schon mit der schriftlichen Bewerbung und dem Motivationsschreiben an. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, doch man kann sich von anderen Bewerbern abheben, indem man sich präziser darstellt, typische Muster anspricht und vermeidbare Fehler ausspart. Im Auswahlgespräch sieht es nicht anders aus. Denn letztlich muss man einen möglichen Stipendiengeber auch von sich überzeugen – ähnlich wie bei einem normalen Bewerbungsgespräch oder einem Assessment Center. Hier gibt es auch typische Abläufe, die zwar ab und an von den Stiftungen verändert werden, allerdings nicht so grundlegend, dass man sich nicht mit unserer Erfahrung darauf vorbereiten kann. Gleichzeitig bleiben wir eben immer auf dem Laufenden, um gerade auf einschneidende Veränderungen zu reagieren und uns weiterhin kompetent aufzustellen.

Letztlich gilt für die Stiftungen einerseits, dass sich ihre Auswahlmethoden bewährt haben und es eigentlich keinen Bedarf für Veränderungen gibt und andererseits wissen diese natürlich um solche Hilfsmuster wie unseren Ratgeber. Doch darin besteht eigentlich kein Problem. Wer sich beraten lässt, ist ja kein Betrüger, sondern lässt sich nur dabei helfen sich optimal zu präsentieren – sprich man bleibt immer noch die gleiche Person und schönt nicht einfach den eigenen Lebenslauf. Deshalb ist diese Beratung auch auf keinen Fall verboten oder ein Problem für die eigene Bewerbung.

Für die Stiftungen kann dies sogar von Vorteil sein, weil sich so einige Bewerber noch prägnanter vorstellen können und nicht wegen eventueller Unsicherheiten vor dem unbekannten Auswahlablauf plötzlich ein unnatürliches Gespräch mit der Auswahlkommission führen und sich komplett verstellen.

Bei einer Bewerbung kommt es eben auch auf Authentizität an, welche bei bestmöglicher Vorbereitung auf die Auswahl am ehesten gewahrt bleibt – denn wie bei einer Prüfung ist man natürlich nervös und weiß nicht genau, wie man auf die unbekannten Situationen reagieren soll. Wer vorab über typische Abläufe informiert ist, kann da natürlich viel entspannter rangehen und natürlicher bleiben.

 Man hat manchmal das Gefühl, die meisten Stipendien wären entweder politisch oder religiös. Muss ich politisch aktiv oder religiös sein?

Kurz und knapp – weder noch.

Es gibt politische Stiftungen und es gibt religiöse und es gibt auch noch ganz andere. Für keines davon muss ich zwingend Parteimitglied, Oberministrant oder sonst etwas sein. Viel eher geht es darum, dass ich mich für etwas engagiere und mich einsetze. Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung kenne ich zum Beispiel viele, die sich bei den Pfadfindern oder bei Jugendfreizeiten engagieren, aber eben nicht Mitglied der CDU oder JU sind.

Wichtig ist, dass ich der Stiftung, bei der ich mich bewerben will, in irgendeiner Weise nahe stehe, weil man soll ja zueinander passen. Die Art des Engagements spielt dabei eben nicht die Hauptrolle, sondern allein die Tatsache, dass man sich für etwas engagiert. Denn wie eingangs erwähnt, ist dies das wichtigste Kriterium.

Was muss man mitbringen um ein Stipendium zu ergattern? – Ich habe ja noch gar keine Referenzen.

  1. Man muss sich irgendwo und irgendwie engagieren: Hochschulpolitik, Jugendfreizeit, Sportverein, Altenpflege und und und. Dem Ganzen sind da keine Grenzen gesetzt, Hauptsache ich kann zeigen, dass ich mich auch in der und für die Gesellschaft einsetze.
  2. Wie gut passt man zur Wunschstiftung: als eher linksorientiertes Juso-Mitglied werde ich mich bei der KAS nicht wohlfühlen und andersherum. Also sollte man sich auf Stipendien bewerben, die zu den eigenen Lebensvorstellungen passen – da gibt es aber aus Erfahrung mindestens drei Stipendien der großen Stiftungen für jeden. Sprich eine Auswahl ist da.
  3. Natürlich spielen die Noten eine Rolle, aber eben nur eine untergeordnete. Wer überall durchfällt, hat es auch schwer. Aber beim Durchschnitt oder auch noch wenig dahinter zu liegen, sollte meist genügen.
  4. Passen Person und Lebenslauf zusammen – man sollte schon wissen, was man mit seinem Studium und seinem Leben erreichen möchte und auch über persönliche Ziele sprechen können.

Oft ist es auch sehr undurchsichtig, wie die Auswahlkommissionen vorgehen: Dort heißt es oft „alles ist wichtig“ aber bei einigen Stipendien zählt doch die Leistung und bei anderen geht es eher um Soziales.

Hier gibt es tatsächlich Unterschiede in der Gewichtung, aber bei allen ist es eine Mischung aus den vorherig genannten Voraussetzungen. Wir versuchen da auch Licht ins Dunkel zu bringen, indem wir bei stipendiumbewerbung.de Erfahrungsberichte zur Verfügung stellen, wo jeder einen Eindruck darüber gewinnen kann, wer welche Gewichtung wünscht.

Generell muss man eine Bewerbung einfach auch gut strukturieren, um nicht im Irrgarten des „alles ist wichtig“ das Wesentliche aus den Augen zu verlieren, sondern sich optimal in seiner Bewerbung und beim Gespräch zu präsentieren.

Geht man mit einem Stipendium nicht auch Verpflichtungen ein?

Ich würde es nicht Verpflichtung nennen, weil das doch sehr hart klingt. Die Stiftungen erwarten natürlich auch, dass man etwas an sie zurückgibt. Dies bedeutet im Normalfall, dass man zu Treffen mit anderen Stipendiaten am Hochschulort kommt und am Seminarprogramm der Stiftungen teilnimmt. Beides sind aber Dinge, die mehr als nur gewinnbringend sind und kein Laster darstellen, sondern sogar noch zur eigenen Profilstärkung beitragen.

Selbst wer das als Verpflichtung empfindet, wird aus einem Stipendium tausendfach mehr Vorteile als Nachteile ziehen.

Wo kann man sich informieren und findet Stipendien, die zu einem passen?

Das Netz ist natürlich voll mit Informationsmöglichkeiten und oft auch eher undurchsichtig. Unser Ziel ist es hier ganz gezielt und prägnant Aufklärung zu leisten, indem wir die erwähnten Erfahrungsberichte anbieten oder auch unsere Stipendien-für-… Seiten, die die besten Stipendien von A bis Z aufzeigen.

Ebenso informieren wir über unsere Facebookseite regelmäßig über Interessantes und Wissenswertes aus der Welt der Stipendien. Seit Neuestem findet man bei Facebook auch unsere Stipendienfrist- und Recruiting-Events Gruppe. Diese Gruppe ist v.a. deswegen ein super Service, weil man hier auf einen schnellen Blick und immer up to date über die anstehenden nächsten Bewerbungsfristen informiert wird und gleichzeitig auch etwas über tolle Recruiting-Events erfährt. Diese werden immer zahlreicher und man wird selten wirklich gut über diese informiert – wir verschaffen nun einen Überblick über beides.

Für die passende Stipendienbewerbung muss man sich allgemein aber auch einfach selbst darüber klarwerden, was man für ein Typ ist und welche Stiftung man selbst gut findet, dann weiß man schnell, welches das richtige Stipendium ist. Dabei helfen wir natürlich auch gern.

Wie sind die Chancen? Wie viele Leute in etwa bekommen auch wirklich ein Stipendium?

Die Chancen auf ein Stipendium sind sehr unterschiedlich. Bei den großen Stiftungen beträgt die Annahmequote circa. 10 – 20 Prozent, dies kann aber auch dort von Bewerberrunde zu Bewerberrunde eben sehr unterschiedlich sein.

Bei einigen spezielleren Stiftungen hingegen gibt es auch öfter weniger Bewerber als zu vergebende Stipendien, wodurch die Chance bis zu 100 Prozent betragen kann.

Das sind aber nüchterne Zahlen und man kann seinen eigenen Chancen mit drei einfachen Tricks auf die Sprünge helfen und sich von anderen Bewerbern abheben.

  1. Klar und strukturiert an die Stipendiensuche rangehen, wissen welches Stipendium man will und sich auf die drei passenden Stipendien bewerben. Viele bewerben sich auf Stipendien, die nicht zu ihnen passen, was natürlich die Ablehnungsquote erhöht.
  2. Eine prägnante und authentische schriftliche Bewerbung zusammenstellen, in der man nicht versucht sich mit großem und falschem Aufbauschen als Superman darzustellen – denn das durchschauen die Stiftungen sofort und man fliegt raus.
  3. Vorbereitet und entspannt ins Auswahlgespräch gehen und erneut authentisch bleiben.

Wer seine Chancen wirklich erhöhen will, der kann sich von unserem Team bei stipendiumbewerbung.de auf verschiedene Art helfen lassen und von unseren Services und Erfahrungen bei der eigenen Bewerbung profitieren.

Vielen Dank für das Interview!

 

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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