Kultur und Medien / Musik

Die Peppers sind zurück: “The Getaway”

Flucht zu den Anfängen der Bandgeschichte?
| Nelly Langelüddecke |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Free-Photos | Pixabay

In Zahlen sind sie ziemlich beeindruckend. Seit circa dreißig Jahren im Geschäft, über achtzig Millionen verkaufte Tonträger, sechs Grammys: Längst sind die Red Hot Chili Peppers eine feste Größe im Rock-Himmel. Coolness in Reinkultur, spektakuläre Shows und mittlerweile 11 Studioalben zeigen, dass die Band über den Dingen steht. Umso wichtiger ist es da, einen Blick auf das vergangenen Freitag erschienene Album „The Getaway“ (dt: Flucht) zu werfen.

Was haben uns die Peppers nicht schon vor die Füße gesetzt: Vom Legendenwerk „Blood Sugar Sex Magic“ über den Topseller „Californication“ bis zum grammygeschwängten Album „Stadium Arcadium“. Zwischen den vielen Hymnen, die Generationen geprägt haben, war aber auch mal das eine oder andere schwächere Album. Mittlerweile sind die Peppers rund um Sänger Anthony Kiedis über jegliche Kritik erhaben und können es sich leisten, zwischen zwei Alben Zeit ins Land gehen zu lassen. Fünf Jahre ist die Veröffentlichung des letzten Albums her.

Auf Wiedersehen, Rubin!

Insbesondere hinter den Kulissen hat sich einiges getan. Nach 25 Jahren Zusammenarbeit ist nicht mehr Produzentenmythos Rick Rubin für den Klang und die Färbung des Albums verantwortlich. Stattdessen nahm sich mit Danger Mouse, wie sich Brian Burton mit Künstlernamen nennt, der Arbeit an „The Getaway“ an. Der 36-Jährige, der in der Vergangenheit unter anderem Werke von den Gorillaz, Gnarls Barkley und den Black Keys produziert hat, hat ebenfalls schon einige Auszeichnungen zwischen Bad und Wohnzimmer stehen.

Im SZ-Interview formuliert es Bassist Flea so: Rubin liebe “Effekte” und “manipulierte Sounds” nicht so sehr. Bei ihm habe man im Studio aufgenommen, was vorher im Proberaum entwickelt wurde. Danger Mouse war dagegen quasi ins Songwriting involviert, man habe die Tracks mit ihm im Studio erarbeitet. Demnach sei mehr als bisher experimentiert worden. Das Ganze sei immer weiter gewachsen und habe eine gewisse Eigendynamik entwickelt.

Dieser strukturelle Wechsel macht sich erstaunlich bemerkbar. Auf der neuen Platte hören wir mehr Funk und Seventies-Flair als gewohnt. Die atmosphärische Färbung erinnert an die Anfänge der Peppers. Eine Rolle rückwärts oder ein „back to the roots“? Immerhin lassen sich sogar Soul-Anleihen wie bei “Dark Necessities”, das schon vorab veröffentlicht wurde, finden. Elektronische Extravaganzen wie bei “Go Robot”, das mit viel Synthieunterstützung auskommt, sind ein absolutes Novum. Im Kontrast dazu stehen die zärtliche Klänge des Klaviers – für „Sick Love“ ließ sich kein Geringerer als Elton John hinter die Tastatur verpflichten. Letztere Single ist in einem Sinne bezeichnend für „The Getaway“. Die Scheibe ist sanfter und mystischer als seine Vorgänger. Die Songs drängen ihre Hörer nicht wie beispielsweise „Give it away“ auf die Tanzflächen der Indie-Clubs und Hausparties.

 

 

Etwas funkrockig-brachialer, und damit so, wie man die Peppers kennt, wird es erst im letzten Drittel der Platte, bis zu “This Ticonderoga”. Vorher lullt einen Kiedis mit seiner bewährten Ohrschmeichler-Stimme, die einfach nicht zu altern scheint und in den 80er Jahren genauso klang wie heute, über weite Strecken gefällig ein. “The Getaway” ist gut verdaulich. Keine Rebellion, kein ausschweifender Drogenkonsum, handzahm. Vielleicht, weil die Peppers unter dem neuen Produzenten einfach mal danach war. Oder vielleicht, weil das den mittlerweile Mitfünfzigern besser zu Gesicht steht, als musikalisch-fetzige Durchdreh-Attacken. Es werden keine Erinnerungen an alte Zeiten wach, in denen das Quartett – damals in anderer Besetzung – nur mit ein paar Socken über ihren Genitalien für Wirbel sorgte.

Ein Über-Hit, wie es damals „Under the bridge“ oder „Californication“ waren, findet man diesmal nicht. Stilistische Abwechslung dafür allemal.

Das letzte Woche erschienene Album wird trotz allem von der Kritik nahezu durchweg positiv aufgenommen. Allerdings reicht „The Getaway“ nicht an den Erfolg vergangener Tage heran. Die Peppers muss es nicht stören. Wer so lange im Showgeschäft ist, ist einfach über jede Kritik erhaben.

 

Hier gibt’s das Album (*Produktlink)

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Nelly Langelüddecke

Studiert in Münster, liebt ihre Ehrenämter, turnt nebenbei in der Weltgeschichte herum und hat stets mit hochphilosophischen Gedanken zu kämpfen. Mal sehen, was sich davon in ihren Artikeln niederschlägt.

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