Bildung / Gesellschaft

Dieses Wissen muss sein

Serie: 15 Minuten am Tag ...
| Jasmin Larisch |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ich mache es täglich, jeden Abend beim Zähneputzen und Abschminken: Seit einem Jahr habe ich mir angewöhnt, mindestens einmal täglich die Tagesschau zu gucken. Meistens nicht zur Prime-Time, sondern später mit der Tagesschau-App, in der die Sendungen abrufbar sind. Damit habe ich nicht nur meinen Schweinehund überwunden, sondern auch auf langfristige Sicht mein Allgemeinwissen und zeitliches Gedächtnis erheblich verbessert. Warum du das auch machen solltest:

Es hat angefangen, als ich im Sommer letzten Jahres für einige Wochen in der Schweiz in einem Sporthotel gearbeitet habe. Keine kleine Almhütte, aber auch kein großes Dorf. Es gab eine Wochenzeitung auf Französisch. Kein TV, keine Tageszeitung, kein Radio und dazu nicht immer verfügbares WLAN — meist nur nahe der Rezeption — waren die Gründe für die Umstellung. Diese brachten mich dazu, mir ein regelmäßiges Ritual anzueignen, um nicht völlig das Gefühl zu haben, uninformiert zu sein. Ich möchte zu einem gewissen Grad über Neuigkeiten, Weltgeschehen, kulturelle Events, Gesetzesänderungen und wissenschaftlichen Errungenschaften frequentiert Bescheid wissen.

Vor dieser Zeit bekam ich diese Infos in erster Linie aus anderen Quellen. Denn Radio läuft bei mir gerne und lange (Hallo 1live!). Als ich noch bei meinen Eltern lebte, lauschte ich ab und zu mit einem Ohr auf die Tagesschau. Wir bezogen eine Tageszeitung und online folgte ich der Zeit Online. Fernab von diesen Möglichkeiten merkte ich aber, wie mir dieses Wissen fehlte und wie sich eine kleine, aber bemerkbare Wissenslücke bildete. Eine, die mit einer intensiveren Wochenrecherche zwar aufgefüllt werden konnte, aber was bringt es dann, wenn ein Ereignis am Montag die Welt zerrüttet oder etwas angekündigt wird, was an diesem Tag schon vorüber ist. Mehr oder minder bekam ich „wichtige“ News ja sowieso mit, dachte ich. Doch die Kontinuität fehlte mir enorm.

Ich dachte seitdem öfter über Folgendes nach: die Ironie der Medien, des Auf-Dem-Laufenden-Seins und die Frage: Brauche ich das überhaupt? Vor allem in Zeiten von täglichen Schreckensmeldungen: Muss das sein, tut mir das gut? Und reicht eine tägliche Zeitspanne von 15 Minuten aus, um auf dem neuesten Stand zu sein? Nein und Ja.
Nein, da es natürlich für gründliche Hintergrundinfos zu wenig ist. Ja, da man sich eine Basis schafft, von der aus man weiter recherchieren und forschen kann, z.B. in der praktischen App, die man dank Smartphone abrufen kann.

Zuerst waren es bei mir gar die Nachrichten in 100 Sekunden, die ich mir abends nach Schichtende oder morgens beim Frühstück abrief. Schnell, knackig, übersichtlich. Dann folgte das abendliche Ritual. Ein Tipp, den ich jedem an die Hand geben kann, der effizienter und regelmäßiger seinen Wissensstand aufpolieren möchte. Morgens in der Bahn auf dem Weg zur Uni, beim Frühstück, beim Abendbrot, in der Mittagspause. Nach einigen Tagen schaltet man dann automatisch ein und das lästige „Sich-Erinnern“ ist auch vom Tisch.

Was sich für mich geändert hat? Ich habe eine gewisse Angst verloren. Das hört sich vielleicht komisch an. Aber besonders vor meinem Studium war ich ein Muffel, was diese Themen anging.

Klar war ich auf einem gewissen Niveau gebildet, ich benutze wie erwähnt andere Medien, um mal hier mal da den Weltstand abrufen zu können, ich interessierte mich für gesellschaftliche Themen. Das Outcome davon war dann schließlich ein gesellschaftswissenschaftliches Studium. Und dafür ist es selbstverständlich notwendig, ein fundiertes Wissen zu haben, um im Dschungel von Theorien, Analysen und Statistiken den Blick in die Realität abgleichen zu können. Durch das Ausprobieren verschiedener Medien habe ich gelernt, wie man sich Filter setzt, wann man was wie mitbekommen möchte.

Mein Fazit aus dieser neuen Gewohnheit: Man muss nicht immer alles und überall wissen. Ich will nicht 24/7 erreichbar, informiert und bombardiert mit Nachrichten sein. Wer will das schon? Es kann anstrengend und frustrierend sein, wenn man zu viel auf sich einprasseln lässt. 15 Minuten am Tag, das ist meine Dosis. Die Eilmeldungen von Zeit Online bleiben, ich überfliege sie meist. Ob gesellschaftliches Studium oder journalistische Tätigkeit, beides prägte mich wohl in der Entscheidung, das Ritual anzutreten. Doch einmal über einen längeren Zeitraum ausprobiert, wird es sicherlich auch „Fachfremden” Vorteile und Einfachheit bringen.

 

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Jasmin Larisch

Hej! Ich bin Jasmin, von meinen Freunden meist 'Mini' genannt, bin 21 Jahre alt und studiere seit Herbst 2015, Soziologie und Kultur-und Sozialanthropologie (=KuSA) an der WWU. Münster hat es mir sehr angetan- Unileben, Kultur, Kunst, junge interessante Leute überall! Das Leben als Studierender ist aufregend, bunt, vielseitig und manchmal echt tricky- so hoffe ich, zusammen mit meinem Team, euch ein paar Tipps und Anstöße geben zu können. Seit 2015 bin ich deshalb als freie Autorin bei seitenwaelzer.de und habe nach wie vor viel Freude daran. Viel Spaß beim Lesen!

Ich mach‘ dir mal kurz ne Memo…

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Rote Linsensuppe aus der Türkei

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