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DunkleSeiten: Kinder und Metal

Kinder sind im Metal ein schwieriges Thema. Wer sich selbst zur fiesesten aller Musikrichtungen aufschwingt, sollte nichts mit Kindern zu tun haben. Oder?
| Michael Cremann |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Metal-Teddy

Was hören eigentlich die Kinder des Metalheads?

Kinder sind im Metal immer wieder ein sehr schwieriges Thema. Wer sich selbst zur fiesesten aller Musikrichtungen aufschwingt und alles tut, um so böse wie möglich rüber zu kommen, der sollte besser nichts mit Kindern zu tun haben. So zumindest die einhellige Meinung. Doch stimmt das?

Die Musiker selbst scheinen keine so großen Probleme damit zu haben, Kinder in ihrer Fangemeinde zu begrüßen. Jeder größere Metal Band verfügt mittlerweile über eine Kollektion von Shirts für Kinder. Einige – zugegeben besonders geldgeile und durchaus eher auf den Metal Vater oder die Metal Mutter abzielende – Bands haben sogar Strampler oder Schnuller im Sortiment, um die Kleinen schon bevor sie laufen können zum Headbangen zu bewegen. Sabaton lässt sogar mit gewisser Regelmäßigkeit Kinder von der Bühne aus beim Konzert Finale zuschauen.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob ein Sechsjähriger wirklich auf ein Konzert einer Band gehört, die über den zweiten Weltkrieg singt. Die Texte des Metal – und Sabaton ist noch eher harmlos – sind nicht für Kinderohren geschrieben und mögen verstören, wenn man nicht genau darauf achtet, was die lieben Kleinen da hören.

Ich möchte nicht wissen, was unter den Erziehern, Lehrern und Eltern los ist, wenn die Vierjährige im Kindergarten fröhlich Rammsteins “Ich Tu Dir Weh” zitiert oder der Drittklässler bei der alljährlichen Vorstellung des Lieblingsliedes im Musikunterricht Slayer auflegt.

In gewissem Rahmen aber sollte man Kinder durchaus hören lassen, was sie wollen. Klar muss man immer abwägen, ob der Text nicht zu krass (Rammstein), der Sound zu unmenschlich (Cradle of Filth) oder auch nur die Bühnenshow zu blutig (nochmal Rammstein) ist, bevor man dem Kind eine Band empfiehlt oder sie gar auf ein Konzert mitnimmt. Gefällt einem Kind aber AC/DC im Radio, warum sollte es dann nicht auch mal in Blind Guardian oder Edguy hinein hören dürfen. Gerade Powermetal eignet sich mit seinen meist epischen Fantasytexten wunderbar für Kinder. Kein böses Gegrowle, keine fiesen Texte und am Ende gewinnen meist die strahlenden Helden – was will man mehr.

Und wenn man wirklich ganz besonders kindgerecht sein möchte, bieten die Finnen von Heavisaurus mittlerweile unter dem Namen Heavysaurus Kindermetal auf deutsch an:

Klar, das ist jetzt nicht das Gelbe vom Ei, aber dafür ist es in der Tonhöhe begrenzt und hat wirklich kindgerechte Texte und die Konzerte sind nachmittags. Also falls ihr Kinder, aber keinen Bock mehr auf Rolf Zuckowski habt: Heavysaurus.

Wenn du kein Kind mehr bist, aber ordentlich in den Metal einsteigen willst, lies einfach hier nach, wie man das macht.

Konzerte: Das ist noch so ein Thema, das wichtigere, um ehrlich zu sein. Falls ein Kind mal aus Versehen ein Lied von Arch Enemy gehört hat, wird es davon keine bleibenden Schäden bekommen. Maximal wird es die Eltern mit seinen Fragen im Stile von “Geht’s der gut?” und “Will der Lautsprecher mich fressen?” nerven. Problematisch wird es aber, wenn zu junge Menschen auf Konzerten aufschlagen.

Damit meine ich nicht, dass 16-jährige auf einem Konzert von Rammstein vielleicht Dinge hören und sehen, die sie zuvor nicht gehört und gesehen haben. Ich meine damit, dass es ein Problem ist, wenn ein Neunjähriger auf dem Wacken steht. Ich habe selbst erlebt, wie ein Kind sich allein durch die Reihen nach vorn drängelte, um seine Lieblingsband zu sehen. Das Kind hat nichts gesehen, es ist halb so hoch wie alle anderen. Das ist gefährlich. Das Kind hatte keinen Gehörschutz angelegt. Das ist wirklich dumm. Wie gesagt, wenn ein Kind mal was Fieses gehört hat, wird es das nicht mögen und eventuell nervige Fragen stellen. Wenn ein Kind aber auf einem Konzert ohne Gehörschutz unterwegs ist, wird es von da an viel weniger hören. Das geht gar nicht.

Kinder auf Konzerten sind nur so lange OK, wie sie einen vernünftigen Gehörschutz (so ein Ding wie man auf dem Bau trägt) tragen und auf den Schultern ihrer Eltern sitzen. Und selbst dann sollte man sich sehr gut überlegen, auf welches Konzert man ein Kind mitbringen möchte!

Halten wir also fest, dass Metal durchaus etwas für Kinder sein kann. Lasst eure Kurzen mal in den einen oder anderen Song reinhören oder erfreut befreundete Eltern mit einer CD! Und falls sich jetzt Eltern Sorgen machen: Keine Angst, dass ich die Gorillaz und Scooter gehört habe, war auch nur ne Phase!

Diese Playlist bietet Musik, die auch den jüngeren Hörern gefallen dürfte. Weder Text noch Sound sind allzu böse:

 

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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Michael Cremann

Ist meist dort zu finden wo die laute Musik für andere klingt wie ein Autounfall. Hängt hinter der Kinokasse herum oder gibt Führungen durch Münsters Ruine Nummer eins. Dazu wird noch getanzt und wenn dann noch Zeit ist, Geschichte und Archäologie studiert.

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