Gesellschaft / Karriere

Generation Y – Was erwarten wir von unseren zukünftigen Arbeitgebern?

Wir haben nach eurer Meinung gefragt!
| Amelie Haupt |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Du hast bald den Bachelor oder Master in der Tasche und willst ins Berufsleben starten? Was hast du für Erwartungen an deine zukünftigen Arbeitgeber? Ich habe mit Studierenden und frischen Absolvent*innen gesprochen, was sie sich für den Berufseinstieg wünschen.

Was will die Gen Y?

Wer heute in den Chefetagen oder auf Posten mit Verantwortung sitzt, gehört vermutlich der Generation X oder den “Boomern” an. Sie sind über 30 und sind in einer anderen Welt groß geworden, in der es kein Internet gab und andere Werte gelebt wurden. Deswegen haben sie auch manchmal ihre Probleme mit uns, der Generation Y. Wir wollen uns nicht festlegen, heißt es. Es geht uns um Spaß und Selbstverwirklichung und wir wollen möglichst alles erleben und alle Länder dieser Welt bereisen. Ein ziemlich extremes Bild und da kaum jemand aus meinem Freundeskreis all diese Aspekte erfüllt, zeigt, dass dieses Generationskonzept doch ein wenig zu einseitig ist.

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ABSOLVENTEN 2015 UNTER DIE LUPE GENOMMEN: Ziele, Wertvorstellungen und Karriereorientierung der Generation Y – eine Studie des Kienbaum Instituts

Das Kienbaum Institut hat sich mit der Generation Y wissenschaftlich auseinandergesetzt und das Mindset in seine einzelnen Bestandteile zerlegt. Nun habe ich mich gefragt: Stimmt das? Möchte meine Generation ausreichend Freizeit, Zeit für Familie und Freund*innen haben, sich beruflichen Herausforderungen stellen? Also habe ich einigen Leuten die Frage gestellt: „Was erwartest du von deinem zukünftigen Arbeitgebern für den Berufseinstieg und die ersten Jahre in der Berufstätigkeit?“

Nele, Studium: Biochemie

So wie ich mir meinen zukünftigen Beruf vorstelle, erträumt es sich vermutlich jeder: interessante Tätigkeitsfelder bei einer angemessenen Bezahlung, am besten in einer unbefristeten Stelle mit fairen Arbeitszeiten. Ich weiß, dass nicht jeder das Glück hat, einen solchen Beruf zu finden. Jedoch erwarte ich nach etwa acht Jahren Studium, dass meine Anstrengungen entsprechend entlohnt werden. Von meinem Arbeitgeber erhoffe ich mir einen freundlichen und respektvollen Umgang, der meine Qualifikation anerkennt und mich meiner Kompetenz entsprechend in das berufliche Umfeld integriert. Klar ist das Studium nicht mit der Berufswelt vergleichbar, weswegen ich auch erwarte, dass mein zukünftiger Arbeitgeber mich ein Stück weit an die Hand nimmt, so dass ich schnell und gut im Beruf angenommen werde.

Cassy, Studium: Tourismus und Eventmanagement

Ich erhoffe und erwarte, von den Mitarbeitern eingebunden zu werden – natürlich muss man sich dafür auch einbringen. Von älteren Mitarbeiter*innen respektiert zu werden und als Chance der Innovation gesehen zu werden. Wie heißt es so schön: “Wir sind die (Kauf-)Generation von morgen und heute”. Daher wissen wir, was die Kundschaft möchte. Gepaart mit dem Know-How des Arbeitgebers und des Personals, kann unser Beitrag dem Unternehmen nur Erfolg bringen.
Weiterhin wünsche ich mir eine Kantine mit leckerem Essen und eine gute Work-Life-Balance. Hier ist mir der Aspekt der Mutterschaft besonders wichtig. Ich möchte, dass ich nach der Schwangerschaft wieder zurück in meinen Job kann, auch mit der Möglichkeit einer Teilzeitstelle. Außerdem sollte das Arbeitsklima angenehm sein, dann kommt man natürlich noch viel lieber zur Arbeit, ist motiviert und produktiv. Mit der Zeit würde ich gerne mehr Verantwortung erhalten: Ich wünsche mir Aufstiegsmöglichkeiten und dass meine Arbeit honoriert wird. Und ganz klar: Gehaltssteigerungen – jährlich!

Timo, Studium: Soziologie

Für mich ist besonders wichtig, dass ich Weiterbildungsmöglichkeiten geboten bekomme. Ich möchte immer auf dem neuesten Stand sein und es macht mir Spaß zu lernen. Darin möchte ich in jedem Fall unterstützt werden! Unterstützung ist überhaupt das Stichwort: Frisch in einen Beruf einsteigen und in das Berufsleben generell, wird kein einfacher Wechsel nach dem süßen Studentenleben. Ich wünsche mir eine Ansprechperson, die mir vor allem in den ersten Monaten, im Idealfall auch danach, zur Seite steht.

Nico, Studium: Sport- und Gesundheitsmanagement

Ich kann mich Timo nur anschließen: Ich möchte viele Möglichkeiten zur Weiter- und Fortbildung genießen können. Davon profitiert schließlich auch das Unternehmen! Ich hoffe ebenfalls auf eine gute Einarbeitung und ein kollegiales Verhalten, statt autoritäre Strukturen. Ich möchte mit meinen Kolleg*innen und Vorgesetzten auf Augenhöhe sein. Damit einher geht für mich auch, dass mir Vertrauen in meine Leistungen geschenkt wird und eine Offenheit für Veränderungsvorschläge besteht. Ich bringe schließlich eine neue Perspektive in das Unternehmen ein und biete Innovationschancen. Das sollte respektiert und befürwortet werden.

Vincent, Studium: Kunstwissenschaften

Das allerwichtigste ist für mich, flexibel arbeiten zu können. Ich möchte meine kreativen Hochphasen nutzen können und kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich gerade einfach nichts Produktives auf die Kette bekomme. Das soll mein zukünftiger Arbeitgeber verstehen und mir die entsprechenden Freiheiten geben.

Lies auch: Warum Die Generation Y kein Bock mehr auf 9 to 5 hat: “Studierende wollen nicht von 9 bis 17 Uhr im Büro sitzen”

Michaela, Studium: Geschichte und Archäologie

Ich brauche eine sichere Beschäftigung und Planungssicherheit. Ich weiß, dass die (Arbeits-)Welt gerade im Wandel ist und alles immer schneller und agiler sein soll, aber ich sehe den Trend sehr kritisch. Dieses ewige “flexibel sein müssen” ist Gift für das soziale Gefüge und Dünger für Stress und Burn-out. Ich weiß, dass ein unbefristeter Vertrag beinahe utopisch ist, aber ein eine Frist von 5 Jahren zum Bespiel würde mir ein gutes Gefühl der Sicherheit geben. In der wissenschaftlichen Mitarbeit an der Uni hangelt man sich normalerweise durch Halbjahres-Verträge. Damit komme ich einfach nicht zurecht.
Außerdem wünsche ich mir Verständnis für familiäre Probleme. Zu sehen, wie meine Kollegin dafür gescholten wird, dass sie zu Hause bleiben möchte, wenn ihre 1-jährige Tochter eine Grippe hat, macht mich wütend. Ich möchte die Arbeit nicht als höchste Priorität in meinem Leben haben. Dafür sind mir meine Familie, meine Freund*innen und meine Freizeit viel zu heilig.

Fazit

Das Klischee der Generation Y wurde nur teilweise erfüllt. Zu meiner Überraschung wurde das Wort „Selbstverwirklichung“ nicht einmal genannt und auch die „totale Herausforderung“ im Job wurde von niemanden gewünscht. Dafür stehen die Work-Life-Balance, ein respektvoller Umgang miteinander und die Möglichkeit des flexiblen Arbeitens viel mehr im Vordergrund. Meine Generation scheint gar nicht so heiß darauf zu sein, Karriere zu machen und sich in den Burn-out zu ackern. Stattdessen möchten wir ausreichend Zeit für Familie und uns selbst haben. Interessant finde ich, dass der Wunsch nach Entwicklungsmöglichkeiten sehr groß zu sein scheint. Unsere Generation scheint die Redewendung „Man lernt nie aus.“ bestens verinnerlicht zu haben. Hoffentlich werden unsere zukünftigen Arbeitgeber unser Potential nutzen!

 

GenY-Mindset: ABSOLVENTEN 2015 UNTER DIE LUPE GENOMMEN: Ziele, Wertvorstellungen und Karriereorientierung der Generation Y – eine Studie des Kienbaum Instituts (http://www.kienbauminstitut-ism.de/fileadmin/user_data/veroeffentlichungen/kienbaum_institut_ism_studie_absolventen_08_2015.pdf)

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