Bildung und Karriere / Studium

Gestohlene Zeit – und sechs Tipps, wie Schüler und Studenten mehr Zeit finden

Immer dann, wenn sich etwas optimieren lässt, optimieren wir: Spülmaschinen, die „grüne Welle“ auf der Straße, Smartphones, Terminplanung und noch vieles mehr bestimmen unser Leben – und dennoch scheint es, als hätte man nicht mehr, sondern eher weniger Zeit.
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Immer dann, wenn sich etwas optimieren lässt, optimieren wir: Spülmaschinen, die „grüne Welle“ auf der Straße, Smartphones, Terminplanung und noch vieles mehr bestimmen unser Leben – und dennoch scheint es, als hätte man nicht mehr, sondern eher weniger Zeit.

Auch Schüler und Studenten bekommen dieses Phänomen zu spüren, wenn man trotz der Möglichkeiten, die einem die Technik und die heutige Entwicklung bietet, einfach keine Zeit mehr für irgendetwas hat. Busfahren und vor allem das Warten auf den Bus oder Zug wird zur Qual. Zwar ist eine stetige Erreichbarkeit schön, aber möchte man wirklich alle paar Minuten von irgendjemandem einen Text bekommen? Diesem Thema widmen sich jedes Jahr unzählige Bücher, Ratgeber und Dokumentationen – einige besser, als andere – doch noch immer ist der sogenannte „Burn-out“ eine der häufigsten Ursachen für ein Ausscheiden aus dem Beruf. Dass selbst bei Schülern oder Studenten bereits Burn-out-Syndrom diagnostiziert wird, kann so nicht richtig sein.

Studenten sind faul und tun nichts.

Genau das wird häufig von Studenten und Schülern behauptet, doch geschieht dies immer aus Perspektive der Erwachsenen. In ihren Augen könnte und müsste man viel mehr für die Schule tun, um im täglichen Wettbewerb der Leistungssteigerung zu überleben. Doch was diese Menschen oft vergessen: Es ist von Generation zu Generation schwieriger, sich in dem Überangebot der Welt des Wissens und der Einflüsse zurecht zu finden. Zehnjährige kennen sich bereits in der Smartphone-Welt bestens aus, und ich selbst hatte einmal ein entsprechendes Erlebnis im Bus, als sich einige Fünftklässler über das Abrufen von E-Mails auf ihren iPhones unterhielten. Wer vor 20 Jahren noch auf einem Gameboy herumdrückte, oder vor 40 Jahren die Technik hinter einem Walkman bewunderte, der staunt nicht schlecht, wenn man den Kindern heutzutage kleine Computer für 800€ pro Stück in die Hand drückt und diese ihr Leben bestimmen lässt. Also nein, liebe Lehrer, wir tun schon Einiges, aber sich in einer Welt zurecht zu finden, in der man im Supermarkt die Auswahl aus 60 verschiedenen Marmeladen hat oder im Internet einem Überfluss an Informationen gegenübersteht, erfordert einiges an Aufmerksamkeit.

Diese Entwicklung ist auf keinen Fall schlecht, denn Informationen, die unabhängig von Alter oder Einkommen für jeden zur Verfügung stehen, sind etwas, wovon viele Länder nur träumen können. Doch dieser Überfluss kann verwirren und ablenken. Wie viel einfacher wäre es, auf eine Suchanfrage bei Google nur einige Seiten mit ein paar Infos zu bekommen. Aber stattdessen stehen wir einigen Millionen Treffern gegenüber, aus denen wir uns dann den richtigen heraussuchen dürfen. Wir finden immer einen Weg, aus der eigentlichen Verbesserung der Situation doch wieder Zeit irgendwo anders zu lassen, in dem wir Überangebote herstellen, die verwirren und uns jeden Tag aufs Neue zu Hunderten von kleinen Entscheidungen zwingen. Als Reaktion darauf den Leistungsdruck auf die Schüler und Studenten zu erhöhen und den Wettbewerb zwischen ihnen noch zu verstärken ist in meinen Augen nicht richtig. Stattdessen sollte ihnen geholfen werden, sich in dem Informations-Überangebot und der komplizierten technischen Welt zurecht zu finden. An einigen Stellen ist das schon ganz gut gelungen, manche Fächer und Lehrer bzw. Dozenten nehmen jedoch keinerlei Rücksicht, und bekämpfen Feuer mit Feuer, Überlastung mit noch mehr Arbeit.

Es wird zugleich verbessert und verschlechtert: Der Vorgang des Wäsche-Waschens zum Beispiel hat sich in den letzten hundert Jahren kaum verkürzt. Sicher, wir benutzen Waschmaschinen und Trockner, aber dafür wechseln wir auch nahezu täglich unsere Wäsche, was man vor hundert Jahren vielleicht alle paar Tage einmal gemacht hat. Genauso verhält es sich mit dem Kochen und den Verkehrsmitteln. Wenn man angeblich schneller von A nach B kommt, sei es durch die grüne Welle oder eine neue Zugverbindung, nehmen das so viele Menschen in Anspruch, dass die Straßen verstopfen, die Züge überlastet sind und Verspätung haben. Es ist immer wieder erstaunlich, wie man manchmal mit dem Fahrrad doppelt so schnell ans Ziel kommt, wie mit dem Bus. Es ist ein Fluch der heutigen Zeit, dass man sich ewig im Kreis dreht, zwischen den angeblichen Zeitersparnissen, die uns Handys, Autos und schnellere Computer und Systeme liefern sollen, und den Nachteilen, die das wieder mit sich bringt, die wir dann erneut mit noch besseren und schnelleren Dingen bekämpfen. Einen Ausweg sehe ich auch nicht, doch vielleicht würde es helfen, sich einfach mal dem Druck zu entziehen: Die Dinge etwas locker angehen zu lassen, zu Fuß zu gehen, Notizen handschriftlich zu machen, anstatt am Computer.

Für mehr Zeit: 6 Tipps für Studenten

1. Arbeitsgruppen, in denen man Aufgaben gemeinsam löst, sind oft eben nicht schneller, sondern langsamer, da man viel Zeit z.B. durch das Diskutieren verliert.

2. Es gibt eifrige Studenten, die jede Vorlesung nachbereiten, d.h. sie machen zu jeder Vorlesung eine Zusammenfassung. Das kostet viel Zeit, ist aber wenig sinnvoll. Stattdessen sollte man gleich in der Vorlesung die wichtigen Dinge mitschreiben, und dann direkt vor der Klausur zusammenfassen (denn sonst fasst man die Zusammenfassung noch einmal zusammen). Nachbereitung sollte man eher anhand von praktischen Beispielen betreiben, und Vorlesungen vorzubereiten vielleicht gänzlich lassen. Bei Seminaren ist die Vorbereitung jedoch erwünscht und wichtig.

3. Schon beim Stundenplan beginnt eine sinnvolle Planung: Zum Beispiel sollte man sich seine Kurse (sofern möglich) so legen, dass man die optimale Ausnutzung des Tages hat. Das bedeutet: keine übertrieben langen Pausen, aber auch nicht 5 Veranstaltungen in Folge. Auf die Mischung kommt es hierbei an.

4. Diesen Tipp hatten wir schon einmal, doch viele Studenten vernachlässigen ihn: Vorlesungen, die sich nicht lohnen und in denen man das Gefühl hat, nur die Zeit abzusitzen, die sollte man (sofern keine Anwesenheitspflicht besteht) nicht besuchen, sondern sich den Stoff anderweitig besorgen. Dann hat man mehr Motivation und schafft effektiv in derselben der Zeit, mehr zu lernen.

5. Genauso verhält es sich mit Tutorien, in denen zu viel geredet wird und nicht vernünftig gelernt werden kann. Sofern keine Anwesenheitspflicht besteht, kann man die Zeit besser in eine gründliche Nachbereitung der Materialien aus diesen Tutorien nutzen.

6. Früh aufstehen! Das klingt hart, gerade für Studenten, welche erst einmal vom frühen Aufstehen aus der Schulzeit genug haben, doch man schafft deutlich mehr am Tag, wenn man die Uni lediglich als „Teil“ des Tages sieht und sie nicht zusammen mit Lerngruppen etc. den Tagesablauf dominiert. Und für Morgenmuffel: So kann man zumindest ausgedehnt frühstücken, bevor es wieder hektisch wird.

 

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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