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Gott und die Welt – Ab in die Hölle

Wohin geht es nach dem Leben? Und warum kann Glaube manchmal ein ziemliches Dilemma sein?
| December |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wohin geht es für uns nach dem Leben?

Für mich als Christin ist die Antwort auf diese Frage so einfach, dass sie schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Ich komme in den Himmel und jeder andere Mensch auf dieser Welt auch. Was genau der Himmel ist, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur: Der Himmel wird so viel schöner als das Leben. In der Bibel gibt es einige Beschreibungen des Himmelreichs, besonders bekannt sind die Gleichnisse in den Evangelien, in denen Jesus seinen Zuhörern erklärt, wie es dort sein wird. Der Himmel ist demnach ein Ort oder ein Zustand, in dem alle Menschen sich verstehen, friedlich miteinander sind und sich vergeben. Als Protestantin glaube ich außerdem, dass auch Gott uns Menschen im Himmel vergeben wird für die Fehler, die wir auf der Erde begehen. Diese Vorstellung ist für mich sehr tröstlich und ein Leben ohne den Gedanken an einen Himmel wäre für mich sehr schwierig.

Jetzt gibt es natürlich auch Religionen, in denen es neben dem Himmel auch eine Hölle gibt. Ich bin Protestantin, Protestantismus ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für Religionsgemeinschaften, die sich aus der Reformation gebildet haben. Diese Definition ist natürlich sehr rudimentär – wichtig ist, dass es sehr liberale Protestanten gibt, aber auch sehr strenge Protestanten und zwar solche, die tatsächlich glauben, die Welt sei an sieben Tagen erschaffen worden und der Teufel habe Dinosaurierknochen in der Erde vergraben, um uns zu verwirren.

Ich selbst gehöre der Evangelischen Kirche in Deutschland an, der größten protestantischen Gruppe in Deutschland, die man als “eher liberal” bezeichnen könnte. Wenn jemand sagt, er/sie sei evangelisch und konfirmiert, dann meint sie/er in der Regel genau das. In unserer Glaubensgemeinschaft glaubt man eigentlich nicht an die Hölle, sondern in der Regel nur an einen Himmel. Diese Einschätzung passt am besten zu meinem persönlichen Glauben, denn ich glaube nicht, dass ein Gott, der als „liebender Vater“ charakterisiert wird und den ich auch so kennengelernt habe, uns Menschen, die er liebt, einem anderen Ort als dem Himmel preisgeben würde.

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Und hier liegt eigentlich schon das Kernproblem, ein riesiges Dilemma, in dem ich mich befinde. Ich verstehe gut, dass es Menschen gibt, die nicht an Gott glauben, ich finde das auch nicht problematisch und versuche nicht, Atheisten zu bekehren. Nicht an Gott zu glauben ist für mich genau so legitim, wie an Gott zu glauben. Meinen Glauben greift das nicht an und ich möchte auch nicht so arrogant sein, anderen Leuten etwas aufzuzwingen, was ich selbst für mich als Wahrheit sehe. Ich würde auch nicht ungefragt Beziehungstipps geben, obwohl ich eine wirklich tolle Beziehung führe. Denn ich glaube, jeder Mensch ist individuell und lebt seine Beziehungen so, wie es für ihn (den Menschen) richtig ist. Und jeder Mensch lebt seine Beziehung zu Gott so, wie es für ihn richtig ist.

Aber obwohl ich niemandem meine Meinung aufzwinge, gehe ich natürlich stillschweigend davon aus, dass es Gott gibt und dass auch Atheisten nach dem Leben in den Himmel kommen. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass das unglaublich hochnäsig ist, denn ich kann mir gut vorstellen, dass es für einen Atheisten keine schöne Vorstellung ist, in einen Himmel zu kommen, an den er nie geglaubt hat. Genauso ist für mich die Vorstellung furchtbar, einfach zu sterben, in der Erde zu verrotten und tot zu sein. Und für einen Buddhisten ist es vielleicht auch nicht schön, nicht wiedergeboren zu werden und Fehler aus einem vorherigen Leben wieder gut machen zu können, sondern stattdessen für immer in einem Himmel zu sein.

Im Katholizismus gibt es außerdem eine Hölle, die einen Zustand beschreibt, in dem sich ein Mensch gegen Gott entschieden hat und ohne Gottes Gegenwart lebt und im ersten Moment hört sich das wie ein toller Kompromiss an: Atheisten gehen in die Hölle, Christen in den Himmel. In dieser Vorstellung würden sich natürlich Atheisten gegen Gott entscheiden. Aber diese Vorstellung, dass man sich gegen Gott entscheiden kann, setzt ja wieder voraus, dass es überhaupt einen Gott gibt, denn man kann sich zwar gegen ihn entscheiden, aber seine Existenz ist dadurch natürlich trotzdem nicht berührt. Weiterhin ist es natürlich sehr problematisch, wenn ein Atheist in die Hölle kommt, einfach weil er nicht an Gott glaubt, selbst wenn er sich freiwillig dazu entschieden hat. Außerdem wäre da ja noch das Problem mit den vielen anderen Religionsgemeinschaften, die vielleicht an einen Gott oder mehrer Götter glauben, aber nicht an den Gott, an den ich glaube. Sollten die dann ihren eigenen Himmel, ihr eigenes Leben nach dem Tod bekommen? Aber das würde dann ja wieder zwangsläufig bedeuten, dass es mehrere Götter gibt. Letztendlich musste ich bei diesen Überlegungen feststellen, dass sich alle Vorstellungen vom Leben nach dem Tod gegenseitig ausschließen.

Wie löst sich nun dieses Dilemma? Ich fürchte gar nicht, denn ich finde, jeder Mensch hat das Recht auf seine eigenen Vorstellungen von Gott und der Welt und dem Tod und dem Leben und diese Vorstellungen schließen sich oft gegenseitig aus. Deshalb können wir eigentlich nur eins tun: Nett zueinander sein und uns gegenseitig respektvoll behandeln, egal, welche Vorstellungen wir haben.

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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Hallo, ich heiße December. Ok, ich heiße eigentlich nicht wirklich December, sondern... ganz ähnlich. Ich bin irgendwo zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt, wohne in einer Großstadt und absolviere eine Ausbildung im Büro - und ich bin Christin.

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