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“Der Trick ist, den Lesern zu geben, was sie wollen, ohne, dass sie es erwartet hätten.” Ein Interview mit Jasper Fforde

Anlässlich des deutschen Verkaufsstartes des Romans „Wo ist Thursday Next?“ von Jasper Fforde, der am 1.August erscheint, möchten wir einen Blick auf den Mann hinter den genialen Geschichten werfen. In einem exklusiven Kurzinterview äußert sich der walisische Autor persönlich zu seinen Werken.
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Cover: One of Our Thursdays is Missing | Hodder & Stoughton

Anlässlich des deutschen Verkaufsstartes des Romans „Wo ist Thursday Next?“ von Jasper Fforde, der am 1.August erscheint, möchten wir einen Blick auf den Mann hinter den genialen Geschichten werfen. In einem exklusiven Kurzinterview äußert sich der walisische Autor persönlich zu seinen Werken.

Der walisische Autor Jasper Fforde wurde 1961 geboren. Er war 19 Jahre lang als Kameramann bei verschiedenen Filmproduktionen beschäftigt, unter anderem bei dem James Bond-Film „Golden Eye“, bevor er sich seit 2001 ganz dem Schreiben widmen konnte. Seitdem hat er elf Romane geschrieben. 2004 wurde er aufgrund seiner literarischen Verdienste zum zeitweiligen Ehrenbürgermeister der walisischen Stadt Swindon ernannt, in welcher auch die Romanreihe „Thursday Next“ spielt.

Liste der Veröffentlichungen des Autors:

2001    The Eyre Affair (Der Fall Jane Eyre)

2002    Lost in a good book (In einem anderen Buch)

2003    The well of Lost Plots (Im Brunnen der Manuskripte)

2004    Something rotten (Es ist was faul)

2005    The big over easy

2006    The fourth bear

2007    First among sequels (Irgendwo ganz anders)

2009    Shades of grey (Grau)

2010    The last Dragonslayer

2011    One of our Thursdays is missing (Wo ist Thursday Next?)

2011    Song of the Quarkbeast

Die Bücher von Jasper Fforde zeichnen sich durch Humor, seltsame Situationen, Sarkasmus und Welten aus, deren Aufbau meist sehr originell oder teilweise gänzlich neu ist. So lebt die Protagonistin des, bereits auf seitenwaelzer vorgestellten Buches „Der Fall Jane Eyre“ in einer Welt, in der Literatur und Kunst den höchsten gesellschaftlichen Stellenwert haben. Es ist ein Paralleluniversum, in dem das Klonen von Mammuts als ebenso normal angesehen wird wie das Reisen durch die Zeit oder das Springen in Bücher. Ein anderes Beispiel ist die dystopische Welt des Eddie Russett in „Grau“. Das Staatsmodell in dieser ein wenig an die tragische Liebe von Shakespeares „Romeo und Julia“ erinnernden Geschichte zeichnet sich durch ein Ständesystem aus, bei dem die Farbsicht des Menschen für seinen gesellschaftlichen Status ausschlaggebend ist. Je mehr Farben die Personen aus dem Buch wahrnehmen können, desto höher stehen sie in diesem System.

Häufig machen unzählige literarische Anspielungen einen besonderen Wortwitz aus, der sich erst nach mehrmaligem Lesen der Bücher vollends erschließt.

5 Fragen an Jasper Fforde

seitenwaelzer
Dies ist bereits das sechste Buch der Thursday Next-Reihe, die inzwischen auch international sehr bekannt ist. Hat sich bei ihrer Art zu schreiben und zu denken etwas verändert, angesichts der hohen Erwartungen einer großen Leserschaft und in wie weit unterscheidet sich das Buch von den vorherigen?

Jasper Fforde
Ich hoffe natürlich jedes Mal etwas besser zu schreiben, je mehr Erfahrung ich habe. Ich denke, es ist für einen Autor wichtig auf frühere Bücher zurück zu blicken und sich zu fragen, wie man sie besser machen könnte – besonders dadurch gewinnt man auch an Erfahrung. Erwartungen an den Autor? Nicht wirklich. Es ist sehr viel besser nur für sich selbst zu schreiben, auf diesem Wege bleibt es ganz mein eigenes Buch. Der Trick dabei ist, den Lesern zu geben, was sie wollen, ohne, dass sie es erwartet hätten.

seitenwaelzer
In einem Youtube-Video gaben sie an, bald ein Buch über die Welt von Grau zu schreiben. Damit erschufen sie neben der Buchwelt aus Thursday Next und den Dragonslayer-Büchern, die leider noch nicht auf Deutsch erschienen sind, ein weiteres fiktives Universum. Welche dieser Welten würden sie bevorzugen, wenn sie die Wahl hätten dort zu leben?

Jasper Fforde
Das wäre wahrscheinlich die Welt von Thursday Next in all ihren Facetten. Was sollte man an einer Welt auszusetzen haben, in welcher man in Bücher reisen kann?

seitenwaelzer
Zu ihren Büchern gibt es eine Menge Zusatzmaterial auf ihrer Homepage, sodass die Welten ihrer Bücher noch realitätsnaher werden. Sehen sie darin die Zukunft des Buches, eine Zukunft, in welcher die Handlung nicht bloß auf dem Papier bleibt, sondern in Form von „Special Features“ Einfluss auf die Wirklichkeit nimmt?

Jasper Fforde
Das denke ich nicht. Trotz der Statistiken, die Unheil und Verderben verkünden, kaufen Menschen weiterhin Bücher. Ich schreibe diese „Special Features“ zum Spaß, wirklich, und als Labor um meine Ideen oder Reden zu testen, bevor ich sie dann wirklich halte. So seltsam es auch scheinen mag, eine klare Vorstellung davon, was man geschrieben hat, und warum, ist nicht immer der Fall. Das Schreiben ist sehr intuitiv.

seitenwaelzer
War von vorn herein geplant, dass das Thursday Next-Universum mit sechs Bänden und inzwischen zwei Ablegern ein derart großen Umfang erreichen würde und können wir weitere Teile der Serie erwarten?

Jasper Fforde
„The eyre affair“ war ursprünglich ein Einzelwerk und wurde dann zu einer Reihe von vier Bänden ausgeweitet. Nachdem Nummer fünf gefragt war, habe ich erst richtig begonnen die Ableger in dieser Welt zu schreiben – alle Bücher nach Nummer vier sind wieder Einzelwerke, die in Thursdays Welt spielen. Es gibt also keine Grenze Bücher über Geschichten zu schreiben – was genau das ist, was ich mache. Es ist wie ein umfassendes Gemälde.

seitenwaelzer
Sie schreiben über britische Klassiker und wecken damit die Lust die Werke von Shakespeare oder Dickens einmal zu lesen. Steckt dahinter ein pädagogischer Anspruch oder lediglich eine stilvolle Parodie der genannten Werke?

Jasper Fforde
Das bin nur ich, der mit wichtigen Ikonen der Literatur seinen Spaß hat. Diese Klassiker sollen ernst genommen werden. Ich tue das nicht, und genau darin liegt der Witz. Meine Bücher sind für die Menschen, die sich lächelnd an ihren Englisch Unterricht erinnern, wo sie eigentlich hätten aufpassen sollen.

Vielen Dank. Wir wünschen ihnen noch alles Gute und viel Kreativität für die Zukunft und hoffen, dass bald noch weitere ihrer genialen Bücher die Wege in die deutschen Buchläden finden werden.

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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