Bildung und Karriere

Kreativ – eine Starthilfe

Ziele und Ansatzpunkte, mit kreativen Tätigkeiten zu beginnen
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Dieser Artikel richtet sich an alle, die eine Ausbildung oder ein Studium im kreativen Bereich anstreben oder bereits dabei sind, sowie an alle, die einfach nur so kreativ sein möchten. Ihr seid motiviert, wisst aber nicht, wo ihr anfangen und in das Thema einsteigen könnt? Hier möchte ich euch ein paar Tipps für den erfolgreichen Start geben.

Man kann sich auf so vielen Wegen kreativ ausdrücken, dass man zum einen nicht unbedingt weiß, wo man anfangen soll und es zum anderen viele Bereiche gibt, die ich in diesem Artikel nicht abdecken kann, da ich mich hier vor allem auf meine eigenen Erfahrungen stütze. Ich kann gleich schon sagen, dass es hier nicht um Handarbeit gehen wird und auch eher nicht um das Thema „ein Instrument spielen“. Stattdessen wird sich dieser Artikel mit Fotografie, Film, Gestaltung, digitaler und Kunst, 3D-Animation, Webdesign und der Schriftstellerei befassen. Lasst uns also gleich loslegen.

Aller Anfang ist schwer. Ein großes Problem bei den oben genannten Bereichen, in denen ihr eure Kreativität ausleben könnt, ist, dass man sich nicht einfach hinsetzen kann und eine Minute später die größten Kunstwerke erschaffen. Zugegeben, manchen Menschen fallen einige der Tätigkeiten leichter, aber eine Lernkurve gibt es immer. Das führt natürlich zu einem Problem: Man hat bestimmte Vorstellungen von einer Sache, hat zum Beispiel im Internet ein tolles Bild eines bekannten Fotografen entdeckt, und realisiert in dem Moment, dass man nicht so gut ist, diese Vorstellungen zu erreichen. Der amerikanische Fernsehmoderator „Ira Glass“ beschrieb dieses Phänomen mit den folgenden Worten:

“Niemand sagt es Anfängern, ich wünschte man hätte es mir erzählt: Alle von uns, die etwas Kreatives machen, tun dies, weil sie einen guten Geschmack haben. Aber es gibt diese Lücke. Die ersten paar Jahre machst du Kram, der nicht so wirklich gut ist. Er versucht gut zu sein, er hat Potential, aber er ist nicht gut. Doch dein Geschmack, der dich erst in diese Richtung führte, ist noch immer top. Und aufgrund deines Geschmacks, enttäuscht dich deine Arbeit. Einige Menschen kommen nie über diese Phase hinweg, sie schmeißen einfach alles hin. Die meisten Menschen, die ich kenne, die interessante und kreative Arbeit machen, mussten durch Jahre dieser Enttäuschung. […] Und wenn du gerade anfängst und gerade in dieser Phase feststeckst, dann musst du wissen, dass es völlig normal ist und das Wichtigste, was du tun kannst, ist, viel zu machen. Setz dir Deadlines, sodass du [zum Beispiel] jede Woche eine Story beendest. Nur wenn du dich weiter hocharbeitest, wirst du diese Lücke schließen und deine Arbeit wird so gut sein, wie deine Ambitionen. […] Es wird eine Weile dauern. Es ist normal, dass es eine Weile dauern wird. Du musst dir nur deinen Weg erkämpfen!”

 

 

Nach dieser großen Portion Motivation, wie fängt man an?

Fotografie
In der Fotografie ist es wichtig, dass man weiß, wie man die Kamera bedient und wie man welche „Effekte“ erzeugen bzw. vermeiden kann. Das klingt schlimmer, als es ist, denn ihr braucht dazu nur eine Kamera und könnt loslegen und ausprobieren. Ein paar Basics gibt es dazu aber auch auf YouTube, die Plattform ist sowieso sehr gut zum Erlernen verschiedenster Dinge geeignet. Vielleicht stellt ihr irgendwann fest, dass ihr euch speziell für Landschafts- oder Portraitfotografie, beziehungsweise einen anderen der vielen unterschiedlichen Bereiche interessiert? Dann geht es daran, eure Fähigkeiten in dem Bereich zu erweitern: YouTube-Tutorials können auch hier helfen, aber auch in Büchern oder Fotozeitschriften stehen oft hilfreiche Tipps. Da ihr nun die Kamera beherrscht, geht es jetzt an das Erlernen von Kompositionsregeln, Lichtführung und Farbtheorie. Hier kann es auch immer mal helfen, in den Bereich „Kunst“ zu blicken, denn viele Stilmittel nutzten schon die alten Meister. An Inspiration mangelt es hier auf jeden Fall nicht: Pinterest, Instagram oder 500px sind tolle Anlaufstellen in Sachen Fotografie.

 

Bildbearbeitung / digital Art
Gerade, wenn man selbst fotografiert, möchte man seine Bilder natürlich noch bearbeiten um auch das letzte bisschen aus ihnen herauszuholen. Oder man möchte schnell mal ein Selfie aufpolieren. Andere möchten am Computer digitale Gemälde oder vielleicht auch Comics entstehen lassen. Ich für meinen Teil glaube, dass man bei der Bildbearbeitung um Photoshop nicht herumkommt und kostenfreie Programme wie „Gimp“ nur in geringem Maße Freude bereiten; zudem ist Photoshop Indusriestandard und sollte beherrscht werden, wenn man vorhat irgendetwas Professionelles zu machen. Aber bei beiden Programmen gilt, dass man klein anfangen sollte. Wie bei jeder neuen Software steht zunächst im Vordergrund, einmal auf alle Buttons zu klicken um zu schauen, was passiert. Später weiß man dann schon ungefähr, was man wo findet und kann entweder selbst anfangen herumzuprobieren, oder sich in Einsteigertutorials stürzen.

Für Anfänger, im digitalen Zeichnen und Malen empfiehlt sich vor allem das analoge Üben. Wer auf dem Papier nicht zeichnen kann, wird am Computer nicht viel besser abschneiden. Danach bedarf es noch eines günstigen Graphic-Tablet und schon kann es losgehen. Versucht euch hier vor allem in klassisch künstlerischen Bereichen wie Perspektive, Farblehre, Proportionen, Linienführung usw. Photoshop ist hier nicht zwingend vonnöten, eine kostenlose Alternative heißt „Krita“. Eine gute Anlaufstelle für Inspiration und Vorlagen aller Art sind DeviantArt oder Pinterest.

 

Giraffen Kopie
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Bildbearbeitung oder digitales Malen? Manche Bilder entstehen fast komplett am Computer.

 

Film
Das problematische beim Filmen ist, dass im Vergleich zur Fotografie dutzende weitere Bereiche hinzukommen, die einen erst einmal erschlagen. Es könnte helfen, sich am Anfang auf einen oder zwei davon zu konzentrieren: Lernt, wie man die Kamera bedient, oder führt Regie und lasst andere den Kram mit der Kamera machen. Stummfilme bieten Gelegenheit, den Sound außen vor zu lassen usw. Über jeden Aspekt des Bereiches „Film“ lassen sich Bücher füllen, aber um anzufangen reichen schon eine (Handy-)Kamera, sowie ein paar Freunde als Darsteller. Dreht einfach drauf los und schaut mal, was funktioniert und was nicht. Für den Schnitt gibt es durchaus kostenlose Programme wie die Software „HitFilm“. Zu diesen, wie zu professionellerer Software wie „Adobe Premiere“ gibt es online unzählige Tutorials. Hier noch ein paar Links (leider fast alle englischsprachig) mit Einsteigertutorials aus den verschiedenen Bereichen des Filmes:

Film allgemein: Film Riot
Filmen mit geringem Budget: Indy Mogul, Ugly McGregor
Kamera: Guide to Basic Cinematography
Ton: Curtis Judd
Regie: DSLR Guide, Seth Worley
Drehbuch und Story: Heroes Journey
Schnitt: How to cut a Film, Cuts & Transitions 101
Color-Grading: Miesner Media
Effekte: Andrew Kramer’s Video Copilot

 

Gestaltung

Auch bei Gestaltung und Design gibt es viele Möglichkeiten sich zu spezialisieren. Ich finde, es hilft, sich ein Projekt zu suchen und sich daran die Zähne auszubeißen. Ein Logo für einen Bekannten erstellen, oder einen Flyer für den Sportverein – all diese Tätigkeiten schulen den Umgang mit der Software, sowie das eigene Auge. Adobe Illustrator und Adobe InDesign sind im Bereich Gestaltung und Design die Tools der Wahl und gerade bei Illustrator empfehle ich Tutorials für den Einstieg. Ansonsten gibt es in diesen Bereichen ganze Bibliotheken voller Bücher, sowie unzählige Materialien online. Dribbble und Designinspiration dienen zur Inspiration und zum Lernen empfehle ich die Plattform Video2Brain. Diese ist kostenpflichtig, aber schaut doch mal hier, ob eure Uni oder sonstige Bildungseinrichtung einen kostenlosen Education-Zugang hat. Wer sich für Motion-Graphics interessiert, und das ist nochmal ein Thema für sich, ist bei diesem YouTuber in guten Händen: Mt Mograph.

 

3D-Animation

Im Bereich der 3D-Animation kann man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Es gibt so viele Bereiche und Aufgabenfelder, dass man sich erst einmal selbst klarwerden sollte, was man erstellen möchte: Games, Bilder, Filme oder Effekte? Je nach Bereich unterscheiden sich die Programme und auch die Lernfelder. Es gibt jedoch ein paar Basics im 3D-Bereich, die immer gleich sind und das betrifft die Funktionsweise von 3D-Koordinatensystemen, 3D-Objekten, Polygonen, sowie Partikelsystemen. Einen ersten Einblick in alle Bereiche bietet die kostenlose Software „Blender“, für die es eine sehr aktive Community und unzählige Tutorials im Netz gibt. Versucht einmal am Anfang simple Objekte zu modellieren und die Denkweise der 3D-Animation zu verstehen. Wer sich hier direkt an komplexe Strukturen heranwagt, übernimmt sich häufig.

 

Webdesign

Wie ich angefangen habe? Ich habe mir eine fertige Seite angeschaut und nach und nach die Werte für Schriftgröße, Farben usw geändert, bis ich wusste, welcher Wert was steuert. Ich spreche hierbei von der Umsetzung einer Seite. Das reine Design sollte am besten den gängigen UX und UI Regeln folgen: „User Experience“ und „User Interface“. Hierzu gibt es Bücher und Lehrmaterialien/Videos im Netz. Hat man den Grundaufbau seiner Seite festgelegt, folgt die Umsetzung. Hier empfiehlt es sich vorab etwas HTML und CSS zu lernen, die beiden gängigsten Gestaltungssprachen im Webdesign. Später, wenn es dann komplexer wird, kommen noch PHP und JavaScript dazu. Aber lasst Euch nicht abschrecken von so viel Code: Meistens sind die Anwendungsbereiche nicht so schwierig zu durchschauen und Seiten wie selfhtml und CSS-Tricks helfen enorm. Das Tolle am Webdesign ist, dass man sich jede andere Webseite anschauen kann und herausfinden, wie bestimmte Dinge dort umgesetzt sind. Man benötigt nicht einmal besondere Software dafür: Wenn ihr Chrome oder Firefox als Browser nutzt, drückt doch einfach mal die Tastenkombination „strg + shift + c“, dann kommt ihr in den sog. „Inspektor-Modus“, mit dem ihr Webseiten unter die Lupe nehmen könnt. Wer hier viel ausprobiert, legt schon einen guten Start hin.

 

Schreiben

Hier hilft wohl am ehesten der Tipp von weiter oben: Setzt euch Deadlines und schreibt einfach drauf los, ohne euch große Gedanken um Charakterentwicklung oder Stilmittel zu machen. Dann holt euch unbedingt Kritik von anderen und zieht Hilfreiches heraus. Nach und nach kann man sich dann den Feinheiten der Stilmittel oder Storyentwicklung nähern – vieles wird man aber schon intuitiv anwenden. Manchmal kann man sich gute Tipps von bekannten Autoren holen. Ein weiterer Tipp: Viel lesen! Gerade, wer viel liest und sich dadurch ständig mit der Sprache beschäftigt, wird feststellen, dass einem das Schreiben deutlich leichter gelingt. Wer nicht weiß, worüber er schreiben soll oder keine Ideen hat, könnte etwa einen Blog starten und sich damit selbst motivieren. So begann ja auch seitenwaelzer.de. Mehr aus einer Laune heraus beschloss ich, mit dem Schreiben anzufangen – ohne darüber nachzudenken, ob diese Texte auch jemand lesen würde. Rückblickend betrachtet sind dabei nicht immer literarische oder sprachliche Meisterwerke herausgekommen, aber es war ein toller Vorwand dranzubleiben. Inzwischen konnte ich auch eine ganze Reihe anderer Menschen dazu inspirieren, hier mitzuschreiben. Na wenn das keine Motivation ist…

 

Diese Startpunkte sind natürlich nur winzige Auszüge aus den diversen kreativen Bereichen und ich habe extra versucht, mich möglichst kurz zu fassen. Wenn Ihr über bestimmte Bereiche oder Aufgabenfelder weitere Artikel oder Tipps/Hinweise lesen möchtet, hinterlasst mir doch einfach einen Kommentar.


Quellen
https://www.goodreads.com/quotes/309485-nobody-tells-this-to-people-who-are-beginners-i-wish

Noch mehr Stories? Folge seitenwaelzer:

Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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