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Fernweh – Mein Zuhause im Ausland

Anna S. tat noch während ihrer Schulzeit das, wovon viele andere träumen und traf die mutige Entscheidung, für eine längere […]
| Isabella Vormund |

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Anna S. und ihre Freundinnen in grünen Roben beim High School AbschlussAnna Sass

Annas High School Abschluss

Anna S. tat noch während ihrer Schulzeit das, wovon viele andere träumen und traf die mutige Entscheidung, für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen. Zwei Jahre lebte die damals 16-Jährige in den USA bei einer Gastfamilie, ging auf eine amerikanische Schule und fand dort ein zweites Zuhause. In dem folgenden Interview spricht Anna mit mir über ihre Erfahrungen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen?

Darauf aufmerksam geworden bin ich unter anderem durch Freunde und Bekannte, die diese Erfahrung bereits machen durften. Ein weiterer großer Einfluss waren aber auch die sozialen Medien, auf denen viele Austauschschüler*innen ihre Erlebnisse geteilt haben. Hier habe ich mir bestimmt zwei Jahre lang immer wieder Videos und Berichte angeschaut, bevor ich mich endgültig für ein Auslandsjahr entschieden hatte. Letztendlich waren es auch genau diese Erfahrungsberichte, die mich am meisten dazu motiviert haben.

Mit welcher Austausch-Organisation bist du gereist?

Ich bin mit Global Horizons (GLH) verreist. Dass es eine eher kleinere Organisation ist, fand ich überhaupt nicht schlimm – im Gegenteil. Hier war ich nicht nur eine Nummer unter Tausenden, hatte immer einen Ansprechpartner und das Gefühl, verstanden zu werden. Ich kann sie also empfehlen. Was man allerdings über GLH wissen sollte ist, dass sie sich auf kleinere Privatschulen und Internate spezialisiert hat. Man reist also nicht in Gesellschaft von vielen weiteren Austauschschüler*innen, sondern ist an einer Schule unter Umständen sogar die oder der einzige.

Wann ging es los? Wo hast du gelebt? Wie lange warst du weg?

Mein Auslandsaufenthalt begann im Sommer 2018 in Virginia Beach. Aus verschiedenen Gründen ging es aber für mich schon drei Monate später nochmal weiter nach Billings, eine Stadt in Montana. Hier fühlte ich mich in der Schule und in meiner Gastfamilie dermaßen wohl, dass mir das eine geplante Jahr nicht genug war. Ich verlängerte also meinen Auslandaufenthalt. Insgesamt habe ich zwei Jahre lang in den USA gelebt und absolvierte dort sogar meinen High School-Abschluss. Es war eine wunderschöne Zeit. Unglaublich, wie schnell sie vorbeiging! Zwischendurch besuchte ich ab und zu meine Familie in Deutschland – etwa zu Weihnachten oder in meinen Sommerferien –, was mir das Heimweh ein Stückchen erleichterte.

Welche Reiseziele standen dir zur Auswahl? Was waren deine Favoriten?

Wirklich aussuchen durfte ich meinen Standort nicht. Wünsche durften zwar geäußert werden, wurden aber nicht zwangsläufig erfüllt. Oberste Priorität liegt bei GLH darauf, eine passende Schule für dich und deine Ansprüche zu finden. Anschließend darf man dann aus einigen Vorschlägen seinen Favoriten auswählen. Natürlich träumt man immer davon, nach New York, Florida oder Kalifornien zu reisen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass die Region nicht das Wichtigste ist. Ich war also auch in Montana, ein Bundesstaat, für den ich mich selbst wahrscheinlich nie entschieden hätte, sehr happy! 

Was waren deine größten Ängste, bevor es losging? Haben sie sich im Nachhinein bestätigt?

Meine absolut größte Angst war es, nicht mit der Fremdsprache klarzukommen und deshalb keinen Anschluss zu finden. Ob sich diese Sorge bestätigt hat, kann ich aber verneinen. Natürlich gibt es anfangs ein paar Verständigungsprobleme, denn die Amerikaner sprechen nicht so, wie es in der deutschen Schule beigebracht wird. Dieses Problem legt sich allerdings schnell, da man ja quasi dazu gezwungen wird, die Fremdsprache täglich zu sprechen. Du hast gar keine andere Möglichkeit, als dich der Herausforderung zu stellen und dadurch verbesserst du dich schnell. Auch Freunde zu finden war überhaupt nicht so schwer wie ich befürchtet hatte. Auf die anderen Schüler*innen zuzugehen kostet zwar zunächst etwas Überwindung, lohnt sich aber total. Zumindest bei mir waren alle sehr aufgeschlossen und freundlich. Sie waren alle sehr interessiert an mir als Austauschschülerin und wollten mich daher auch von sich aus kennenlernen. Da ich an der Schule zu einigen wenigen ausländischen Schüler*innen gehörte, ist mir das besonders aufgefallen.

Was spricht deiner Meinung nach für einen Auslandsaufenthalt?

Die wesentlichen Vorteile liegen auf der Hand: verbringst du einen längeren Zeitraum im Ausland, wirst du mit einer ganz neuen Kultur konfrontiert, darfst darin eintauchen und sie kennenlernen. Du stellst dich einer Fremdsprache und verbesserst deine Kenntnisse darin beinahe mühelos, indem du sie jeden Tag sprichst. Außerdem lernst du einen Haufen neuer Leute kennen, einige werden vielleicht sogar zu Freunden fürs ganze Leben. Insgesamt erweiterst du mit einem Auslandsaufenthalt deinen persönlichen Horizont, lernst dich selbst besser kennen und gewinnst durch die Erfahrung viel neues Selbstbewusstsein und -vertrauen. 

Was sind Hürden, die gegen einen Auslandsaufenthalt sprechen könnten?

Nun ja, im Ausland ist man natürlich viele Kilometer von Zuhause entfernt – weit weg von Familie, Freunde und all dem Bekannten. Du bist erstmal auf dich allein gestellt. Hinzu kommt ein gewisses Risiko, in einer Gastfamilie oder Schule zu landen, in der du dich nicht wohlfühlen kannst. Wirklich gegen einen Auslandsaufenthalt sprechen diese Punkte allerdings nicht. Man wächst an seinen Aufgaben und im Notfall steht dir die Reise-Organisation oft mit Rat und Tat beiseite. Wenn du dich von Anfang an darauf einstellst, dass nicht alles perfekt laufen und Heimweh garantiert ab und zu mal aufkommen wird, dann bist du auf das Schlimmste vorbereitet.

Hast du abschließend Tipps für all diejenigen, die ebenfalls überlegen ins Ausland zu gehen?

Vieles steht und fällt mit der richtigen Organisation. Du solltest dir also bei der Auswahl viel Zeit lassen und nach einer suchen, mit der du dich und deine Ansprüche identifizieren kannst. Außerdem ist es wichtig, eine offene, kommunikative Art an den Tag zu legen, auch wenn du sonst eher schüchtern bist. Die richtigen Freunde erleichtern dir viele schwierige Momente und das Ganze macht in Gesellschaft deutlich mehr Spaß. Habe des Weiteren nicht allzu hohe Erwartungen. Natürlich darfst du dich auf eine besondere Zeit voller schöner Momente freuen, rechne aber auch damit, dass du auf Hürden und Probleme stoßen wirst. Versuche durch die Fehler zu lernen, die dir zwangsläufig passieren werden. Im Endeffekt kannst du aus einem Auslandsaufenthalt nur Gewinne schöpfen, auch wenn nicht alles rundum fehlerlos abläuft.

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Isabella Vormund

Als Person mit großer Klappe und einer Vorliebe fürs Diskutieren bin ich im Kommunikationswissenschaftsstudium wohl bestens aufgehoben. Wer seine Ruhe vor mir und meinen Kommentaren braucht, der versucht es bei mir am besten mit italienischem Essen – denn da fehlen mir auch oft einfach mal die Worte!

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