Bildung und Karriere / Studium

Philosophiestudium in Münster II – mit Ziggy, dem Zebra

Was ich im Artikel über das Biologie-Studium schrieb, dass man nicht wisse, was auf einen zukommt, gilt auch, wie ich […]
| Robin Thier |

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Robin Thier

Was ich im Artikel über das Biologie-Studium schrieb, dass man nicht wisse, was auf einen zukommt, gilt auch, wie ich inzwischen weiß, für das Fach Philosophie. Schlecht ist das nicht, nur – ungewöhnlich.

Philosophie zu studieren bedeutet, sich mit großen (und meistens schon sehr toten) Philosophen auseinander zu setzen, aber bedeutet es auch, sich philosophische Fragen zu stellen, Methoden anzuwenden oder einfach über etwas nachzudenken? Das kommt natürlich auch irgendwann vor, aber was an der Universität (und wie uns gesagt wurde: An jeder Universität des Landes!) als Erstes gelehrt wird, haut einen um. Auf den ersten Blick sieht es aus wie Mathematik, und im Grunde ist es auch nicht viel anders, nur ohne Zahlen: Logik, genauer gesagt Aussagenlogik. Wer sich darunter nichts vorstellen kann – so sieht das Ganze aus:

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Alles klar? Hat irgendwer irgendwas verstanden? Aber die Enttäuschung darüber, dass die Philosophen noch warten müssen, ist schnell verflogen, denn Logik kann durchaus Spaß machen, und nach einiger Zeit erfährt man auch, wozu das alles gedacht ist und was man damit Spannendes machen kann. Dennoch ist es erst einmal ein Haufen Arbeit, sich diese neue Art zu denken, die sich so sehr von der Schulphilosophie unterscheidet, anzueignen.

Geholfen hat dabei die lockere Atmosphäre in den Vorlesungen und dem Tutorium, wenn der Professor zum Beispiel ein Zebra an die Tafel malt (dessen Name, wie er betonte, übrigens Ziggy ist), um daran zu veranschaulichen, wie etwas zugleich sein und nicht sein kann.

Derartiges hört man in der Philosophie oft, daher sollte man dieser merkwürdigen Ausdrucksweise freundlich gesinnt sein. Ein Satz wie

„Pegasus existiert, also gibt es ein Ding, das pegasiert.“ (Willard van Orman Quine)

in einer Power-Point-Präsentation während der Vorlesung ist keine Seltenheit. Wenigstens nimmt es der Professor mit Humor und spielt einen Comic von Asterix und Obelix ein. Die spinnen die Philosophen? Vielleicht, aber das ist auch gut so! Denn nur so kann man auf all die netten und sehr individuellen Menschen treffen, die einem in der Philosophie begegnen.

Etwas lästig ist dabei, dass es das Institut für Philosophie in Münster im Moment nicht wirklich gibt, an seiner Stelle befinden sich eine große Baustelle und ein Haufen Schutt, und dies bedeutet nun für uns Studis, dass man in verschiedenen Gebäuden seine Kurse hat und zu Gast in den unterschiedlichsten Fachbereichen ist. Die Universität errichtet einen Neubau, das „Philosophikum“, bis zu dessen Vollendung wir vermutlich alle unser Studium abgeschlossen haben werden.

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Hat man den Seminarraum erst einmal gefunden, können die Diskussionen losgehen, denn das macht einen großen Bestandteil des Studiums aus: Mit Anderen diskutieren, beobachten, debattieren, sich Meinungen bilden und Vieles mehr. Was dabei enorm hilft ist, dass die meisten Kommilitonen/innen auf derselben Wellenlänge schwimmen und man sich sofort in Gesprächen zusammen findet, oft auch dieselben Interessen teilt. Philosophie studiert man also am besten nach Interesse, denn so groß sind die Berufschancen nicht (es ist ohne hin nur als Nebenfach zugelassen), da sollte eher der Spaß im Vordergrund stehen, so wie bei mir. Immerhin: In Philosophie scheinen die meisten zufrieden mit ihrer Wahl zu sein, denn während sich z.B. in Mathematik bereits jetzt Viele entschließen, das Fach zu wechseln, nimmt man diesen Trend in Philosophie nicht oder nur vereinzelt wahr.

Neben den aktiv Studierenden im Fach Philosophie gibt es noch eine Menge „Parkstudenten“, die sich nur für das (übrigens zulassungsfreie) Fach eingetragen haben, aber eigentlich etwas Anderes machen (oder gar nichts). Daher sollte man sich von den teilweise sehr hohen Einschreibezahlen nicht abschrecken lassen, denn eigentlich kommt nur die Hälfte der angemeldeten Teilnehmer tatsächlich zu den Seminaren, und bei den Vorlesungen ohne Anwesenheitspflicht kann es dann passieren, dass nur noch ein Viertel der Angemeldeten die Sitzbänke drückt.

Was mich besonders an der Philosophie und der Art, wie sie unterrichtet wird, reizt, ist die Verknüpfung mit anderen Fächern. Immer wieder schneiden sich Themen zwischen Philosophie und Germanistik (Sprachphilosophie), Philosophie und Naturwissenschaften (z.B. Bioethik), Philosophie und Jura (Rechtsphilosophie und Logik). Daher ist es ein ideales Zweitfach, in dem man lernt, über das, was man da studiert, nachzudenken, und Methoden lernt, die ergänzend und erweiternd unterstützen können. Und das Beste: Spaß macht es auch noch.

 

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Das Innere des Hörsaalgebäudes

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Quellen:
http://www.darkleo.com/darkleo/informatik/mitschriften/FAQ/logik/alauivalenz.gif
http://de.wikipedia.org/wiki/Was_es_gibt

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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