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Auf ins Studium

Philosophiestudium in Münster III – Mit Beethoven in den Tag starten

Während sich im Biologiestudium schon eine Klausur an die andere reiht, kommt auch Philosophie langsam in Fahrt. Dennoch kommen auch Humor und tolle Vorlesungsgestaltungen nicht zu kurz.

Am Ende dieses Semesters stehen die Klausuren in den Vorlesungen und Seminaren an, und das Tempo steigerte sich bereits. Während die ersten paar Wochen noch Kennenlernen und Reinschnuppern bedeuteten, wird, vor allem in Logik, nun ein paar Zähne zugelegt. Neben der einfachsten Form, der Aussagenlogik, führt der Professor auch in die zweite formale Sprache ein: Die Prädikatenlogik. Die Vorlesung dazu war wie immer recht unterhaltsam und wird daher auch immer gut besucht. Ein Beispiel:

Vorne ist ein Tisch aufgebaut, auf dem ein Rucksack liegt. Nun soll der Tisch als Redebereich genutzt werden. Es wird also über alles geredet, was auf dem Tisch liegt. Über bloß eine Sache zu reden (Rucksack) ist aber langweilig, daher, so der Professor gutgelaunt, werde er noch eine weitere Sache hinzufügen. Dieser Gegenstand liege bereits seit Jahren unter dem Rednerpult im Hörsaal und es sei ein Mysterium, warum er das tue.

„Wäre ich Phänomenologe, würde ich jetzt einen Essay über die Beständigkeit der Dinge schreiben.“

Und dann zieht er mit einer Geste, die eines Bühnenmagiers würdig wäre, eine elektrische Schreibmaschine hervor. Was sie dort zu suchen hat, wird wohl immer ein Rätsel bleiben, aber  sie eignete sich gut zum „darüber reden“.

Noch deutlich amüsanter geht es allerdings in Sprachphilosophie zu. Dort beginnen die Vorlesungen auch mal mit (sehr) lauter, klassischer Musik

(Ich habe eines der Stücke einmal herausgesucht – zum Nachvollziehen!)

https://www.youtube.com/watch?v=5adV402rg38

und enden damit, dass der Professor eine Lesestunde veranstaltet und einen ganzen Abschnitt aus Wittgensteins Werk zitiert, um uns ein „Feeling für dessen Schreibstil“ zu geben. An einem anderen Tag kommen Flüstertüten zum Einsatz, und dann war da noch die Sitzung über den Philosophen und Theoretiker Willard Van Orman Quine und dessen Gavagai-Beispiel. Ohne es an dieser Stelle erläutern zu wollen, wurde uns die Hauptthese erst hinterher klar: Lasse niemals einen Philosophen definieren, was ein Hase ist.

Hier die verschiedenen Ansätze, die man haben kann.

Doch genug davon, die letzten Wochen hatten noch ein wenig mehr zu bieten: Auch im Tutorium in Philosophie gab es Schokolade gegen Leistung und eine sehr lustige Vorweihnachtsstunde, und in dem Seminar Filmphilosophie sind wir nun von der eher trägen Theorie zur Praxis (also dem richtigen Anschauen von Filmen) übergegangen.

Ansonsten wurde man auch hier nicht von sinkenden Teilnehmerzahlen verschont, je näher die Weihnachtsferien rückten, und einer Reihe krankheitsbedingter Ausfälle. Natürlich wurde man über diese erst durch einen Zettel an der Tür informiert „Kurs XY fällt heute aus“. Und ich hatte gedacht, da sei die Uni organisierter als die Schule. Aber gut, zu den ausgefallenen Stunden werden Extratermine angeboten, denn sonst bekäme man den Lernstoff wohl nicht durch, denn dieser ist in Teilen deutlich enger gepackt, als man es aus den Abiturvorbereitungen kennt und das Semester (zumindest die Vorlesungszeit) ist fast vorüber.

Und ich möchte diesen Artikel mit den Worten beenden, die auch der Professor am Ende der Vorlesung zitierte. Es sind die letzten Worte aus Wittgensteins Frühwerk:

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ (Ludwig Wittgenstein)

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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