Kultur und Medien / Musik

Retro#1 – Musik

Die letzten Jahrzehnte waren eine Zeit der stark elektronisch geprägten Musik. Das Aufkommen von Synthesizern und Computern ließ ganze Armeen […]
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Die letzten Jahrzehnte waren eine Zeit der stark elektronisch geprägten Musik. Das Aufkommen von Synthesizern und Computern ließ ganze Armeen von “elektronischen” Musikern auf die Welt los. Der Sound der 80er und 90er Jahre ist davon stark geprägt. Doch es scheint mir, als hätten sich in den letzten Jahren mindestens zwei Konsumentengruppen heraus kristallisiert: Die Einen, die noch immer auf dem Elektro-Zug fahren und die elektronische Musik auf immer neue Arten erfahren wollen, und die Anderen, denen es bei Musik um etwas grundlegend Anderes geht.

„Musik von früher“

„Musik sollte wieder von Hand gemacht werden, und die Musiker sollen wieder zu echten Menschen hinter Mikrofonen und Instrumenten werden“.

Dieses Statement geben zurzeit viele Künstler verschiedenster Musikrichtung ab. Die Musik selbst orientiert sich dabei an Vergangenem, sowohl an den 20er Jahren, als auch an den 60er- bis 80er Jahren. Um einmal ein paar Beispiele zu geben:

Ein Versuch, die Stilrichtung der damaligen Zeit in die Moderne zu befördern, zieht interessante Ergebnisse nach sich. Nehmen wir als Beispiel das Genre „Elektro-Swing“: Hier werden Swing und Jazz, wie sie um 1920 aufkamen, mit elektronisch verstärkten Instrumenten umgesetzt. Beispiele dafür sind Caravan Palace, deren Musikvideo sich ebenfalls an diese Zeit anlehnt, und Caro Emerald.

 

Nicht nur, dass hierbei wieder brauchbare klassische Tanzmusik entsteht, sondern dieser Stil läutet eine weitere Entwicklung ein: Schallplatten werden wieder modern. Wer sich im einschlägigen Fachhandel einmal umsieht, wird zu seinem Erstaunen feststellen, dass viele aktuelle Bands ihre Musik auf Vinyl heraus bringen. Warum das, wo auf eine CD doch deutlich mehr Songs passen? (Zum Vergleich: Eine Schallplatte fasst maximal zwischen 6 und 8 Songs). Für Schallplattenliebhaber stellt das Hören nicht nur ein nebensächliches Ereignis dar. Sie wollen die Musik in echter, handwerklicher Qualität hören, und dieses Image verkörperte der Plattenspieler über viele Jahrzehnte. In dieses Bild passt auch, dass man Musik des Genres „Dubstep“ nur in Sonderpressungen auf Schallplatte bekommt. Das passt einfach nicht zusammen, denn „Retro“ lässt Gegensätze entstehen: In einer Zeit des Musik-Massenkonsums, in der jeder Song nur Klicks von uns entfernt ist, wollen Fans der Schallplatte der Musik wieder einen Wert zuweisen. Das bewusste Hören spielt eine große Rolle, zumal tatsächlich belegt ist, dass bei Schallplatten deutlich mehr Tonfrequenzen zu hören sind, als bei komprimierter, elektronisch abgetasteter Musik. Doch es ist in den Albumcharts 2013 nicht nur ein Revival der zwanziger Jahre zu finden, auch viele andere Genres und Bands sind im Grunde Wiedergeburten aus vergangenen Jahrzehnten:

Mit Adele, Norah Jones, Schmidt und Amy Winehouse zum Beispiel bekamen Jazz, Blues und Soul wieder bessere Plätze in den CD-Läden. Nicht umsonst sagt man, der neue James-Bond-Titelsong klinge wie die alten Bond-Songs aus den frühen 70er Jahren. Dieses Image vertreten auch die Künstler mit ihrem Auftreten, sowie bei der Gestaltung der Musikvideos. Viele Gegenstände, die heutzutage mit dem Begriff „Retro“ umschrieben werden, finden hier Verwendung.

http://www.youtube.com/watch?v=U9iYfamfByA

Doch erstaunlicherweise findet auch der Sound der 80er Jahre Einzug in die heutige Popkultur. Sowohl das neue Album von Daft-Punk, „Random Access Memories“, das 2013 riesige Erfolge verbuchen konnte, bedient sich dieses Sounds, wie auch des Looks (Siehe Musikvideo). Auch die Band „Broken Bells“, deren Album Mitte Januar 2014 erscheint, nimmt musikalisch Bezug auf die 80er. Der Stil erinnert an die „Bee Gees“ und das Video an die Science-Fiction-Filme der 60er bis 80er Jahre. Man könnte es für ein Relikt der Diskowelle halten, wenn man nicht wüsste, dass der Song keine drei Monate alt ist.

http://www.myvideo.de/watch/9319762/Broken_Bells_Holding_On_for_Life

http://www.myvideo.de/watch/5633737/Bee_Gees_Night_Fever?pnv=ppl&apl=true#display

Als letztes Beispiel zum Thema Musik: Erlebt man das Video und die Musik von Jake Bugg,

dann braucht man sich hinterher kaum noch eine Beatles-Platte anzuhören, derart ähnelt sich der Sound. Erklärte Musikspezialisten mögen mir jetzt vielleicht widersprechen, das sei ihnen gegönnt, aber hört selbst:

Zu erwähnen wären neben vielen weiteren noch die Band Kitty Daisy and Lewis, sowie Robbie Williams, dessen neustes Album „Swing both ways“ ebenfalls auf der Retrowelle schwimmt.

Einleitung

Teil 1: Musik

Teil 2: Unterhaltungsmedien und Kino

Teil 3: Design

Teil 4: Mode

Teil 5: Persönlichkeiten und Fazit.

Komplette pdf-Version der Serie

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Quellen:
Infos: Retrowelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Retrowelle
Infos: Retrowelle: http://www.sueddeutsche.de/stil/retro-trend-gefuehl-von-freiheit-und-jugend-1.1316371
Infos: Retrowelle: http://www.petra.de/mode/designer/artikel/retro-trend
Nivea-Doku ü. Retrotrend: http://www.youtube.com/watch?v=coGh8Oy8EsQ
Caravan Palace – Rock it for me: http://vimeo.com/39208155
Adele – Skyfall: http://www.youtube.com/watch?v=U9iYfamfByA
Broken Bells-  Holding on for life: http://www.myvideo.de/watch/9319762/Broken_Bells_Holding_On_for_Life
Jake Bugg – Lightning Bolt: https://www.youtube.com/watch?v=fY0oPg1h8fQ
The Beatles: https://www.youtube.com/watch?v=Yn3YqoRDTQo
Django Unchained Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=0RjoVdtE2nk
Der große Gatsby Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=p1o_bdKdGkU
Bee Gees – Night Fever: http://www.myvideo.de/watch/5633737/Bee_Gees_Night_Fever?pnv=ppl&apl=true#display
Kostenlose EP von Caro Emerald    http://www.caroemerald.com/free-ep/
Daft Punk – Lose yourself to dance: http://www.myvideo.de/watch/9231811/Daft_Punk_Lose_Yourself_To_Dance
Bildquelle: Kamera von 2013: http://www.fotomagazin.de/news/detail.php?objectID=7371&class=6
 http://de.wikipedia.org/wiki/Art_d%C3%A9co
Mad Men Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=i4s9GgMTQZc
Boardwalk Empire: http://www.youtube.com/watch?v=_2iwWrWLXFw
Schallplattendoku: http://www.spiegel.tv/filme/comeback-der-schallplatten/
Everything is a Remix: Teil 1:http://vimeo.com/14912890
Frühstück bei Tiffany: http://img.welt.de/img/kultur/crop101311716/0600719723-ci3x2l-w580-aoriginal-h386-l0/tiffany-mit-schmuck-pfeife-DW-Vermischtes-Daytona-Beach.jpg
Sky Captain and the World…:        http://ia.media-imdb.com/images/M/MV5BMTM0NDQzMDA1NF5BMl5BanBnXkFtZTcwNTU3ODAzMw@@._V1_SX640_SY720_.jpg
Google Musik Timeline: http://research.google.com/bigpicture/music/#
Kitty Daysie & Lewis: http://www.tape.tv/musikvideos/Kitty-Daisy-Lewis/Dont-Make-A-Fool-Out-Of-Me
Evolution of a Hipster: http://www.pastemagazine.com/
(Fotograf: http://www.joshmeisterphoto.com/blog/?p=234)
Toaster 2013: http://ecx.images-amazon.com/images/I/711kZnRD3uL._SL1500_.jpg
Toaster 1950: http://neatdesigns.net/1950s-20-fabulous-ads-from-the-golden-era-part-4/
Jennifer Lawrence: http://i.telegraph.co.uk/multimedia/archive/02740/jennifer_lawrence1_2740930b.jpg
Alle weiteren Bildquellen befinden sich, soweit nicht anderweitig gekennzeichnet, im Privatbesitz.

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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