Kultur und Medien

Texte und ihre Tücken

über die Angst vor einem körperlosen Wesen
| Lena Hortian |

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Lena Hortian

Einst dacht’ ich so bei mir:
Ein Gedicht wär’ auch mal wieder was,
dabei kenn’ ich der Reime nur vier,
und hab’ auch an Versmaß wenig Spaß;

drum seht dies hier lediglich als Denkanstoß,
dass auch and’re Schriften und Gedanken bloß
ihr eig’ner Schall im Kopfe ihrer Schöpfer waren
bevor –
Moment, das gilt natürlich für mich
und für meine naive Lyrik nicht!

Zeitgenössisch wären jetzt ein paar Zeilen,
die entweder wissenschaftlich urteilen
oder frei sind von jeder Orthographie,
wie sie in jedem Chat zu finden sind – Iiih!

Dazwischen liegt nun alles ohne Anhang,
stets sorgfältig lektoriert,
thematisch unorientiert,
hangelt sich an allem was lockt entlang;

Wenn so ein Text jedoch
auch als Solcher wertgeschätzt werden soll,
so muss er im Land der Bürokratie – ganz toll
eine Mindestlänge erfüllen; des Autors Joch.

All’ die armen Einkaufszettel,
Notizen, gleich wieder da zu sein,
und was nachts so Manchem fällt ein,
sind demnach kein Text, eher ‘ne Vettel.

Doch auch unter solch Geächteten
sind nicht nur Stilblüten wie “NT, tiefgefroren” dabei,
sondern manchmal anstelle der Henne eben das Ei.

Weil nun ein Magazin, wie wir eines sind,
jedoch – sei es aus eig’nem Ehrgeiz –
zum Teil nach solchen Vorgaben spinnt,
entsteht manche Schrift auch aus diesem Reiz.

Doch so ein Text lebt nicht nur von seinem Status allein,
er lädt auch gerne Dritte mit ein,
Teil einer anderen Welt zu sein.

Damit das Thema auch and’re packt,
muss es äußerlich interessant,
aufmerksamkeitsheischend, fast nackt,
oder in der Masse ein Demonstrant unter vielen sein.

Eigenständigkeit und des Autors Rückgrat
wird jedoch am besten gestützt,
wenn er auch Lust auf das Thema hat
und ihm der Text selbst etwas nützt.

Ob das hier auch der Fall ist,
sei mal dahingestellt,
es gilt jedoch, wie immer:
Erlaubt ist, was gefällt.

(*Und was Andere in ihrer Freiheit und körperlichen Unversehrtheit nicht beeinträchtigt.)

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Lena Hortian

Ich mag gutes Essen und treibe gern Sport, obwohl mein Schweinehund da auch noch ein Wörtchen mitzureden hat. Zeitgleich studiere ich Germanistik und Kunstgeschichte. Meine Wahlheimat Münster ist für das alles und noch viel mehr zum Glück bestens geeignet, auch, wenn ich mir als geborene Rheinländerin hier noch ein paar Berge wünsche.

Lena Hortian

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