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Ausland / Ernährung

Von frittierter Butter und Curly Fries

Kulinarische Geheimtipps aus den USA

Wir schreiben das Jahr 2012. Starbucks hat sich bisher nur in den Hipster-Metropolen Deutschlands etabliert und mein 15-jähriges Ich aus Warendorf durchlebte somit einige Kulturschocks im Land der „Chocolate and Vanilla Glazed and Sprinkled Donuts“ – den USA. Besonders aus dem Bereich „Ernährung“ – wie könnte es in Amerika anders sein, fragt ihr euch – stammen die lustigsten und lehrreichsten Geschichten und auch einige kulinarische Geheimtipps, die ich selbst heute noch gerne teile.

Mein Austauschjahr verbrachte ich in einer ziemlich normalen amerikanischen Familie, die aus Protest Obama-Wahlplakate klaute, jeden Sonntag zur Kirche ging und mit der Shotgun im riesigen Garten auf Kürbisse und gelegentlich auch im Wald auf Tiere schoss. Womit wir beim Thema wären: Eines Abends nach ungefähr sechs Monaten, die ich bereits mit der Familie verbracht hatte, wurde ich gebeten, aus der ominösen Tiefkühltruhe im Keller ein Stück selbst erlegtes Rind zu holen. Ich begab mich in die Tiefe und mit dem Öffnen der Kühlschranktür scheinbar in das Reich eines gestörten Massenmörders mit einer Vorliebe für blutige Steaks. Überall lagen eingeschweißte, für mich als typische „Im-Supermarkt-Fleisch-Käuferin“ nicht identifizierbare Fleischstücke. Letztendlich eigentlich kein Problem, ich war nur etwas überrascht. Und die Tiefkühltruhe sollte nicht die letzte Überraschung bleiben.

Es eröffneten sich mir in Indiana, dem Staat, in dem es eigentlich außer Maisfeldern nicht viel gibt, nämlich auch völlig neue Horizonte der Fast-Food-Branche. Dairy Queen, Taco Bell und Wendy’s: Heute kenne ich sie aus BuzzFeed-Videos oder amerikanischen Serien, aber damals dachte ich bei Blizzards (einer Art Eis) noch an Unwetter und bei Curly Fries vielleicht an frittierte Locken und keine Pommes in Kringelform. Ich rollte wöchentlich, zum Glück nicht mich, sondern meinen Einkaufwagen mit einigen Früchten, Haferflocken (die meine Gastfamilie bisher sonst eigentlich nur an ihre Hühner verfüttert hatten) und Phänomenen wie Vollkorn-Brot („Oh, what’s that?“) durch die endlosen Gänge des Wallmarts und verwandelte den Einkauf zu einem spannenden Familien-Event.

Positiv zu erwähnen sind dennoch einige Feste, wie zum Beispiel Thanksgiving, an denen sich die Kochkünste der gesamten Familie vereinten: Shrimps frisch aus New Orleans, kleine süße Brötchen hauptsächlich aus Mais und Butter – wenn das nicht sogar die einzigen Zutaten waren – und Grandma‘s selbstgemachter Truthahn. Und natürlich nicht zu vergessen – der „American“ Pie, der übrigens nicht so genannt wird (Austauschschüler-Fettnäpfchen-Alarm!).

Nach einigen Jahren habe ich nun wieder Mountain Dew – einen sehr süßer Softdrink – probiert. Aus dem kulinarischen Zusammenhang gerissen, war dieses ehemalige Lieblingsgetränk leider eher ein Griff ins falsche Kühlregal. Ich denke, auch wenn die US-Amerikaner für eben diese verstörend süßen oder fettigen Speisen bekannt sind (frittierte Oreos waren eine traumatisierende, aber schmackhafte Erfahrung. Bei frittierten Snickers und frittierter Butter hörte der Spaß dann auf), kann man auch in den USA eine landeseigene Kochkultur entdecken. Zu meiner eigenen Überraschung bestätigte sich somit nicht jedes Klischee über die US-amerikanische Küche. Erlegtes Rind und der bereits erwähnte Truthahn sind nur einige Beispiele für landestypische Speisen, die sich im Gegensatz zu anderen Gerichten wirklich zu probieren lohnen. Letztendlich kann man sich nämlich auch in den USA lecker und gesund ernähren. Es erfordert nur mehr Disziplin und Bewusstsein für den eigenen Körper, als zum Beispiel die Ernährung in Deutschland. Aber einmal unter uns gesagt: Der ein oder andere Donut hat noch niemandem geschadet!

 

Dies ist ein Gastbeitrag von Elena Morawin

 

Hier gibt es noch mehr Artikel aus dem seitenwaelzer-Ernährungs-Special

 

Titelbild: https://www.flickr.com/photos/twohungrydudes/6932415251

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