Abi - und dann? / Studium

Was soll ich nach dem Abi machen?

Hilfreiche Tipps für das Leben nach der Schule
| Amelie Haupt |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

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Nichts ist schlimmer als die ständig nagende Frage: “Na, was machst du denn nach dem Abi?”. Eltern, Nachbarn, Tanten, Onkel, Großeltern und so gefühlt jeder Mensch stellt sie, sobald du sagst, dass du schon in einem Jahr Abitur machen wirst. Während dir noch der Kopf von Ableitungen und Goethes Iphigenie auf Tauris schwirrt, hast du eigentlich wenig Zeit oder Lust oder Ahnung, diese Frage zu beantworten. Kommt dir das bekannt vor? Been there, done that.
In diesem Artikel soll es um Hilfestellungen bei der schwierigen Entscheidungsfindung „Was kommt nach dem Abi?“ gehen.

„Was für Probleme möchte ich lösen?“

Kürzlich habe ich auf 9Gag einen guten Rat von der netten Advice Mallard bekommen:
Anstatt zu fragen, was man später mal werden möchte oder als was man arbeiten möchte, sollte man sich lieber fragen „Was für Probleme möchte ich lösen?“. Möchtest du Menschen in medizinischer Not helfen? Möchtest du Maschinen bauen, die den Alltag erleichtern? Möchtest du Langeweile vertreiben? Möchtest du die politische Lage dieser Welt mitbestimmen? Und so weiter und so fort.
Als ich damals auf den Studiengang Wirtschaftspsychologie gestoßen bin, habe ich mich nicht tiefer über die genauen Inhalte informiert. Um ehrlich zu sein, konnte ich bis zum dritten Semester nicht sagen, was zum Teufel eigentlich Mikro- und Makroökonomie sein sollen.
Aber ich konnte mir genau vorstellen, wie ich später mal in einem Büro sitze und menschliche Konflikte löse, wie etwa Streitereien im Büro oder Nervenzusammenbrüche, oder wie ich die Mitarbeiter nach ihren Stärken und Schwächen beurteile. Diese Aufgaben und natürlich noch viele weitere fallen in den Bereich Human Ressource Management. Was das war, davon hatte ich damals natürlich auch keinen blassen Schimmer…

Löse dich von Schulfächern

Was wir in der Schule lernen, ist sehr begrenzt. Wie viele Fächer hat man in der Oberstufe? Vielleicht zehn? Und wie viele Studiengänge gibt es? Hunderte. Der Fehler dabei ist, dass viele SchülerInnen glauben, man würde im Studium das Gleiche wie in der Schule machen. Weit gefehlt! Wer reine Mathematik studiert, macht so abstrakten Kram, wie zu beweisen, dass 1×1 gleich 1 ist. In BWL jedoch ist die Mathematik nichts weiter als ein Instrument. Man rechnet aus, wie hoch der Preis einer einzelnen Schraube sein muss, damit sowohl die Produktionskosten, als auch alle Verwaltungskosten gedeckt sind. Beim Maschinenbau werden die Berechnungen schon komplizierter und man macht das Ganze, um hinterher einzelne Teile perfekt ineinanderzufügen, damit diese dann je nach Wunsch ein Auto oder eine Brotschneidemaschine ergeben – und zwar möglichst eine Funktionstüchtige.
Was man in der Schule also lernt, sind die Grundlagen. Überlege dir, was dein Lieblingsfach ist und vor allem, WARUM es dein Lieblingsfach ist.

Löse dich von Berufsbildern

Als meine Mama Politikwissenschaften studierte, lag Deutschland noch im tiefen Sumpf des Patriarchismus. Nach abgeschlossenem Studium machte sich meine Mutter nun auf die Jobsuche und bekam kurzerhand ein Angebot von der Stadtverwaltung Münster. Eine Frauenbeauftragte wird gesucht, heute heißt der Titel „Gleichstellungsbeauftragte“ und es geht dabei darum, eine faire Behandlung von Mann und Frau in allen Lebenslagen zu gewährleisten.
Wenn du Medizin studieren möchtest, ist es wahrscheinlich, dass du als Arzt oder Ärztin arbeiten möchtest, aber bei vielen anderen Studiengängen ist das Berufsbild nicht so eindeutig. Die Gesellschaft sowie der Arbeitsmarkt sind sehr dynamisch und manche Berufe, die es noch bis vor Kurzem gab, sterben nun aus und manch andere werden neu geschaffen. Versteif dich also nicht auf ein Berufsbild, sondern frage dich lieber, in welchem Feld du arbeiten oder was für Probleme du lösen möchtest.

Chill’ mal

Jetzt haben wir die ganze Zeit von Studium gesprochen und dabei das Wichtigste vergessen: Ein Studium ist kein Muss und schon gar nicht jetzt sofort. Mach mal ‘ne Pause. Chill’ mal. Du hast jetzt 12 Jahre lang in der Schule gehockt, willst du wirklich sofort wieder die Schulbank drücken? Ein Gap-Year, ein Überbrückungsjahr, bietet so viele Möglichkeiten, dich selbst neu kennenzulernen, eine Pause von deinen Eltern zu bekommen und dich auszuprobieren. Als Au Pair ins Ausland, Work&Travel in Australien oder ein FSJ oder ÖSJ oder wie sie alle heißen, sind eine gute Möglichkeit einfach mal aus dieser Schulumgebung raus zu kommen. Und keine Sorge: Nur, weil du ein Jahr aussetzt, bist du nicht zu „alt“ wenn du den Arbeitsmarkt betrittst. Ich habe mit 18 Abitur gemacht, ein Jahr in Spanien gearbeitet und werde mit 22 oder evtl. 23 meinen Bachelor haben. Die Campusleiterin meiner Uni sagte mir vor ein paar Tagen, dass sie von vielen Firmen in den USA oder UK hörte, dass sie so junge Leute gar nicht einstellen, weil die sich erst einmal „die Hörner abstoßen sollen“.
Einen Fehler solltest du dabei jedoch nicht machen: Wenn du noch nicht weißt, was du studieren möchtest, dann rechne nicht damit, dass du nach deinem Gap-Year erleuchtet bist! Wenn man ein halbes Jahr in Málaga am Strand gechillt hat und nebenbei auf seine Au-Pair-Kinder aufpassen musste, dann kommt man höchstens zu der Erkenntnis: „Bloß nichts mit Kindern.“ Aber das ist noch immer kein konkreter Plan, wie es weitergehen soll. Außerdem benötigt das Bewerbungsverfahren einiges an Aufwand und je nachdem, wo auf der Welt man sich befindet und ob man unterwegs ist oder nicht, kann es ein wenig unbequem werden, wenn man plötzlich feststellt, dass einem jede Menge Dokumente für die Bewerbungen fehlen.

Viele Wege führen nach Rom

Hab keine Angst davor, eine falsche Entscheidung zu treffen. Du verpflichtest dich zu nichts! Wenn du in den ersten beiden Semestern merkst, dass das Fach echt nicht rockt, dann wechsle eben! Finde heraus, was dich stört und welcher Studiengang besser zu dir passt. Aber Achtung: den Studiengang und -ort wechseln ist nervenaufreibend und mit Kosten verbunden. Überlege dir das also gut!
Besonders wenn du schon in einem höheren Semester bist. Wenn du im dritten Semester steckst, willst du jetzt wirklich aufgeben? Irgendwas muss dir ja so gut gefallen haben, dass du es bis hierher geschafft hast. Aber nur, weil du einen Bachelor in diesem Studiengang hast, heißt das längst nicht, dass du hier auch weiter machen musst. Vielleicht kannst du dir einen Master suchen mit einer anderen Spezialisierung. Oder du machst eine Ausbildung. Oder du suchst dir einfach einen Job, der dich anspricht, und schaust, wo dich das Berufsleben so hinführt.

Auch, wenn Eltern und all die anderen Menschen nerven: Take it easy. Es ist keine leichte Entscheidung und sie sollte auch nicht leichtfertig getroffen werden. Aber es ist dennoch kein unwiderrufliches Todesurteil.
Das Beste, aber auch irgendwie das Erschreckendste an dieser Entscheidung ist ganz einfach, dass es die erste eigene große Entscheidung ist, die man als junger Mensch trifft. Bisher haben vermutlich deine Eltern die meisten Entscheidungen für dich getroffen oder hatten einen sehr starken Einfluss. Doch jetzt hast du das letzte Wort: Du kannst endlich deine eigene Entscheidung treffen. Viel Spaß und choose wisely!

Titelbild: https://pixabay.com/static/uploads/photo/2014/08/01/16/58/decisions-407750_960_720.jpg

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Eine Antwort zu “Was soll ich nach dem Abi machen?”

  1. Auch ich stelle mir die Frage, was ich nun nach dem Abitur machen soll. So richtig Lust auf lernen oder Schule habe ich eigentlich nicht mehr. Ich finde den Vorschlag gut sich selbst zu fragen, was für ein Problem man denn gerne lösen möchte. Ich möchte gerne Kranken Menschen oder Menschen in Not helfen. Bevor ich mich aber entscheide, werde ich mich ein bisschen ausprobieren und in die Welt der Medizin schnuppern.

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