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„Wenn ich’s jetzt nicht probiere, dann nie“ – Stand-Up-Comedian Luca Jonjic im Interview

Comedian Luca Jonjic steht seit über einem Jahr auf der Bühne und bringt ganz Münster und Umgebung zum Lachen. Inga hat ihn zum Interview getroffen.
| Inga Nelges |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Bild zeigt Luca auf der BühneDavid Hinkel

Ein volles Publikum, Applaus und lautes Lachen. So verbringt Luca Jonjic am liebsten seine Abende. Seit über einem Jahr steht er nun mit Stand-up-Programmen auf der Bühne und bringt ganz Münster und Umgebung zum Lachen. Im Mai 2023 rief er seine eigene Open-Mic-Show „Zukunft Comedy“ ins Leben, welche seitdem einmal im Monat in der Zukunftswerkstatt im Kreuzviertel stattfindet. Wie Luca in der Comedy-Szene gelandet ist und was er macht, wenn ein Gag nicht funktioniert, erfahrt ihr im folgenden Interview.

Wann hast du für dich erkannt, dass du gerne auf der Bühne stehst?

„Schon früh! Als kleines Kind habe ich immer zu den Musikvideos von meinen Lieblingsbands getanzt und mir vor dem Fernseher vorgestellt, ich stehe auf der Bühne. Dann hatte ich im Abi einen Theaterkurs und der hat mich richtig angefixt. Ein Kumpel aus der Uni hat mich irgendwann mal gefragt, ob wir zusammen ein bisschen Musik machen wollen. Wir haben ein paar Mal gejammt und sind dann ein Jahr lang in Bars und auf Partys aufgetreten, das hat auch mega Spaß gemacht.“

Wie bist du in der Comedy-Szene gelandet?

„Eine gute Freundin aus dem Studium hat mir von ihrem Mitbewohner erzählt und dass er Comedy-Newcomer ist. Ich hab davor schon immer mal mit dem Gedanken gespielt, auch Comedy auszuprobieren. Meine Poetry-Slam-Texte zum Beispiel waren auch immer eher humorvoll als ernst. Und als die Freundin mir dann von ihrem Mitbewohner erzählt hat, dachte ich: ‚Okay, wenn ich’s jetzt nicht probiere, dann nie.'“

Was zählt alles zu deiner Arbeit? Wie sieht eine typische Woche für dich aus?

„Ich bin bei weitem noch nicht da, wo ich sein will, was Stand-up-Comedy betrifft, sowohl künstlerisch als auch finanziell. Deshalb sieht meine Woche vor allem so aus, dass ich dreimal die Woche bei meinem Werkstudentenjob arbeite und noch die letzten Unikurse fertigmache. Die restliche Zeit versuche ich so viel es geht zu schreiben und zu brainstormen, was neue Jokes angeht. Das passiert aber auch viel in Alltagssituationen, die einem passieren und über die man dann in Ruhe nachdenkt oder anderen Leuten davon erzählt. So eine richtige Struktur will ich mir in der Hinsicht noch aufbauen, aber Kreativität ist halt nicht wirklich gut zu timen.“

Du veranstaltest deine eigene Comedy-Show namens „Zukunft Comedy“ in Münster. Was erwartet jemanden, wenn man deine Show besucht?

„Gute Stimmung erst mal, mein Publikum ist die geilste Crowd der Stadt. Die Show ist ein Open Mic, das heißt, jeder darf an sich auftreten und neue Jokes ausprobieren. Das heißt, dass auch mal Witze – von den Comedians oder auch von mir als Host – daneben gehen können. Das gehört aber immer dazu. Meistens treten bei mir pro Abend so 5-6 Künstler*innen auf und jeder hat gut 10 Minuten auf der Bühne. Zwischen den Acts mache ich selbst auch den ein oder anderen Gag und erzähle Storys, aber der Fokus liegt auf den anderen Comedians.“

Was macht dir am meisten Spaß bei deiner Arbeit?

„Das Performen auf der Bühne eindeutig. Es gibt fast kein schöneres Gefühl, als das Publikum lachen zu sehen, wenn man eine witzige Story erzählt. Beim Auftreten selbst macht es mir besonders viel Spaß, zwischen den vorbereiteten Jokes auch Crowdwork zu machen und zu improvisieren. Ist natürlich ein hohes Risiko, das kann auch ins Leere gehen, aber wenn’s klappt, ist es umso lustiger.“

Jede Woche stehst du mehrmals auf der Bühne. Gehen dir manchmal die Ideen für Texte aus?

„Momentan hab ich eher das Problem, dass ich zu viele Ideen habe und sie nicht zu Ende schreibe. Ich habe ohne zu übertreiben 100 Notizen und Sprachnachrichten an mich selbst herumliegen, die schon den ein oder anderen Joke enthalten, aber eben nicht so geschliffen sind, dass man sie schon auf die Bühne bringen kann.“

Wie findest du Inspiration für deine Texte?

„Unterschiedlich. Ich würde sagen, die meisten Dinge sind einfach Geschichten, die mir so oder so ähnlich passiert sind, die ich im Alltag erlebe und bei denen ich dann erkenne: ‚Das kann man auf die Bühne bringen.'“

Was macht einen guten Text für dich aus?

„Also ein gutes Set ist für mich eins, bei dem ich die ganze Zeit das Gefühl habe, der Comedian erzählt es gerade zum ersten Mal. Das ist natürlich nicht so, das wissen auch alle, aber es gehört eben zum Skillset auf der Bühne, es so zu präsentieren, damit es für das Publikum auch den bestmöglichen Effekt hat.“

Hast du manchmal Auftritte, mit denen du nicht zufrieden bist?

„Ja, immer wieder. Entweder kommen Witze nicht so an wie erhofft, oder, was auch schon oft vorkam, ich bin selbst mit meinem Auftritt nicht zufrieden, weil ich ihn mit einem anderen Auftritt von mir vergleiche, der besser lief.“

Was ist deine Taktik, wenn ein Gag nicht funktioniert?

„Das gehört dazu. Entweder kann man es kommentieren oder ganz ehrlich damit spielen, dass er gerade gebombt ist [bomben = ein Witz landet nicht], was dann oft wiederum Lacher bringt, oder man geht einfach über zum nächsten, das entscheidet sich in der Situation relativ spontan.“

Was war das schönste Erlebnis in deiner bisherigen Comedy-Karriere?

„Tatsächlich war der diese Woche. Ich hab mit meinem Comedy-Kollegen Emil ein paar Tage Schreibcamp in einem Bungalow in den Niederlanden gemacht und wir haben neue Jokes geschrieben und uns vorgestellt. Dann sind wir direkt vom Bungalow aus nach Bochum zu einem Open Mic gefahren, sind unter Riesenstress viel zu spät bei der Show angekommen und direkt aus dem Auto auf die Bühne gestolpert. Bevor wir aufgetreten sind, war der Moderator echt sauer auf uns wegen der Verspätung, aber unsere Auftritte liefen so gut, dass er am Ende meinte: ‚Danke, dass ihr da wart, kommt gerne wieder!‘
Das hat sich schon echt gut angefühlt, obwohl wir natürlich immer noch ein schlechtes Gewissen haben, so spät gewesen zu sein.“

Und zum Schluss: Was ist dein Lieblingswitz?

„Immer der, an dem ich gerade schreibe. Klischee-Antwort, ich weiß. Aber ich kenne echt wenige ‚Witze‘, bin auch immer aufgeschmissen, wenn jemand sagt: ‚Ah, wenn du Comedian bist, erzähl mal ’nen Witz!'“

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Inga Nelges

…kommt aus dem schönen Baden-Württemberg und studiert seit 2021 Kommunikationswissenschaft in Münster. Sie begeistert sich für alle Bereiche der Popkultur: Sei es Musik, Filme, Serien oder Internet-Trends. Was ihr aber besonders am Herzen liegt, sind feministische Themen und soziale Gerechtigkeit.

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