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WG gesucht – Mission Impossible?

Die WG-Suche entwickelt sich zu einem Albtaum; neben dubiosen Castings steht die Frage, ob ihr jemald eine WG finden werdet? Ihr seid nicht allein!
| Nelly Langelüddecke |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Robin Thier

„Liebe Einhornexperten und sonstige Helden des Zauberlands! Wir sind die Crème de la Crème, die Cocktailkirsche am Tequila Sunrise, das Sahnehäubchen auf der herbstlichen Kürbissuppe, der extra Koffeinkick in der Afri-Cola, der Freitag zu Robinson Crusoe. Und wir suchen DICH!“

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Leider fallen die meisten WG-Inserate auf einschlägigen Seiten wie wg-gesucht.de weit weniger bunt und kreativ aus. Gewisse Formulierungen erscheinen jedem, der einmal zwischen Aachen und Dresden, Bremen und Passau nach einem WG-Zimmer gesucht hat, immer wieder auf dem Bildschirm. Dort wird das Zusammenleben in einer „Zweck-WG“ kategorisch ausgeschlossen, man trifft sich zu „gemeinsamen Kochabenden in der WG-eigenen Wohnküche“, obwohl jeder auch mal „seine Zimmertür schließen“ könne. Getreu dem Motto: „Alles kann, nichts muss.“ Adjektive wie „nett“, „aufgeschlossen“, „gesellig“ zur Beschreibung einzelner Individuen scheinen wenig auszusagen. Denn mal im Ernst: Nach dieser Rechnung müsste jede Stadt nur von fröhlichen, stets kommunikativen Menschen überschwemmt sein. Es ist schließlich klar, dass keiner seine potenziellen Wohnungspartner mit Morgenmuffeligkeit, schlechten Kochkünsten und gereizter Patzigkeit nach langen Unitagen auf ein Zusammenleben einstimmen will. Also werden gnadenlos Phrasenschweine gefrühstückt und nichtssagende Wörter verwendet.

Doch immer langsam mit den jungen Pferden. Die Beschwerde über unkreative und sich ähnelnde Anzeigen kann nur jemand äußern, der das Hauptproblem bereits bewältigt hat: In einer deutschen Unistadt eine bezahlbare und nicht allzu dezentrale Unterkunft zu finden. Unser geliebtes Münster bildet in diesem Punkt keine Ausnahme im Vergleich zu den traurigen Vorreitern in Sachen Wohnungsknappheit München, Frankfurt und Hamburg. Wer sich nicht kurz nach Erscheinen auf ein Inserat stürzt, hat schlechte Karten. Lieber früher als später sollte der eigene Bewerbungstext kopiert und auf das jeweilige Angebot angepasst werden. Ansonsten kann man seinen Studienplatz darauf verwetten, dass das Zimmer über persönliche Kontakte oder vorverlegte Castings bereits vergeben wurde.

Ich möchte an dieser Stelle etwas konkreter werden. Grundsätzlich wird man gerade als Erstsemester, der neu in einer Stadt Fuß fassen will, vor allem mit seinen eigenen Ansprüchen konfrontiert. Während man zu Beginn der Suche nach Passendem manche Anzeigen zu wenig aussagekräftig findet, weil Bilder fehlen und Angaben nicht „besonders“ erscheinen, geht man fix dazu über, sein Glück beinahe überall zu versuchen. Getreu dem Motto: Je mehr Hebel man in Bewegung setzt, desto wahrscheinlicher der Ertrag. Bei mir führte das dazu, dass ich auf mindestens 60 Angebote antwortete und etwa ein Drittel sich zurückmeldete. Davon kam es bei der Hälfte zu einem sogenannten WG-Casting.

Eigentlich hatte ich immer gedacht, dass der Begriff „Casting“ mich zu sehr an diverse RTL-Fernsehformate erinnert, um etwas mit der Zimmersuche gemein zu haben. Was war ich naiv. In einem Fall hatten die zwei Bewohner einer wirklich hübschen WG in einem Studentenwohnheim doch tatsächlich einen ausgeklügelten Fragenkatalog vorbereitet, der unter anderem nach dem Beruf meiner Eltern fragte. Ich ergriff bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Flucht.

Anderes lässt sich als positives Erlebnis auf dem WG-Erfahrungskonto verbuchen. Mit manchen Suchenden, die sich allerdings für die Vergabe des freien Zimmers an jemand anderen entschieden haben, habe ich heute noch Kontakt. Vielen Abfertigungs-Massencastings (mit Warteschlangen vor dem Hauseingang bis zu den Nachbarn inklusive Blick in deren Küche) stehen ebenso viele locker-entspannte Gespräche mit Leuten gegenüber, die sich wirklich Zeit für einzelne Bewerber nehmen.

Die Frage bleibt, welche der beiden Seite das schwere Los gezogen hat. Die, die verzweifelt nach einem Zimmer suchen oder jene, die auf ihr Inserat 80 Antworten innerhalb weniger Tage erhalten und den Bewerber-Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen? Offensichtlich bedeutet es für alle Beteiligten Stress.

Also, tief durchatmen und den Blutdruck kontrollieren. Irgendwie findet man schon etwas Passables. Starke Nerven und ein dickes Fell können natürlich nicht schaden. Aber vorerst ein Dach über dem Kopf zu haben genügt für einen erfolgreichen Start ins Studentenleben.

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Nelly Langelüddecke

Studiert in Münster, liebt ihre Ehrenämter, turnt nebenbei in der Weltgeschichte herum und hat stets mit hochphilosophischen Gedanken zu kämpfen. Mal sehen, was sich davon in ihren Artikeln niederschlägt.

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