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Wie viel Geld braucht man im Studium?

Reicht das BAföG wirklich aus?

Man spricht nicht über Geld, zumindest nicht in Deutschland. Aber genau das habe ich getan und einige Studierende gefragt, wie sie ihr Studium finanzieren und wie viel Geld sie im Monat ausgeben. Vor wenigen Tagen wurde eine Studie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, das BAföG reiche nicht. Aber wie viel Geld braucht man im Studium eigentlich?

Franziska*

Ich bekomme den BAföG-Höchstsatz also 649€, bin aber familienversichert. Wenn man allein versichert ist, bekommt man 736€ glaube ich. Alles in allem lebe ich auch echt gut und nicht gerade sparsam, bekomme von zu Hause aber nichts, bis auf das Kindergeld, also noch mal 150€.

Aktuell bin ich bei ca. 300€ Miete inklusive Nebenkosten, 150€ festen Ausgaben, die immer da sind, und um die 150 bis 200€ Verpflegung. Die 150€ festen Ausgaben sind etwa Handyrechnung oder Sport. Zugegeben, ich gehe einem sehr teuren Sport nach und könnte ebenso gut Hochschulsport machen, aber nach meiner Erfahrung ist Hochschulsport oft traurig und kostet auch häufig, ich habe sehr viel Hochschulsport ausprobiert und wurde jedes Mal enttäuscht. Vielleicht habe ich auch andere Ansprüche als der Ottonormalstudent. Dann stehen mir noch 149€ zur freien Verfügung. Ich müsste eigentlich jeden Monat um die 50€ für den Semesterbeitrag zurücklegen, weil der mich immer sehr auslaugt, also noch 100€ im Monat für Freizeit und dergleichen. Ohne, dass ich mich irgendwo hinbewegt habe. Mindestens 1 Mal im Monat wird Essen bestellt, weil jeder diesen Tag hat, an dem man keinen Bock auf irgendwas hat und erst nachmittags aufsteht. Gelegentlich Kino, Socken kaufen und sonstige normale Ausgaben und der Rest ist ganz schnell weg. Viel „Saufisaufi“ mache ich ja nicht, sonst würde ich vorne und hinten nicht auskommen.

Auf Kleidung oder Konzerte spare ich immer und auf Sonderposten: Mein Monat ist aktuell vom Geld her wieder vorbei… ich musste ein neues Handy anschaffen.

Verena

Es ist immer schwer zu vergleichen, was man wirklich alles selbst bezahlen muss. Ich habe auch 350€ für die Miete und 300€ fürs Leben zur Verfügung und es reicht immer. Aber meine Eltern sind auch oft bereit, mir alles Mögliche, zum Beispiel Kleidung, zu sponsern. Mit 300€ Lebenskosten kann man auskommen. Es ist vielleicht kein Luxus, aber ich finde auch nicht, dass der Staat oder die Eltern einen das Bier finanzieren müssen.

 

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Bio oder Discounter? Bei Studierenden spielt diese Frage häufig eine große Rolle – denn das Geld ist schneller weg als gedacht. (Foto: Stefanie Wollweber)

 

Leon

Wenn du mit 300 auskommen willst, geht das nur, wenn deine Eltern dir Kleidung, Lehrmittel und dergleichen bezahlen. Sonst ist das zu wenig. Immerhin kann meiner Meinung nach von niemandem erwartet werden, sich aus dem sozialen Leben (bei Studenten Feiern, Weggehen etc. und Sport) herauszuhalten und nur zu studieren. Dann bekommt man nämlich sozial unfähige Elfenbeinturm-Bewohner, die nach dem Studium keiner gebrauchen kann.

Hier mal eine einfache Rechnung mit meinen Zahlen:

Ich bekomme 736€ BAföG. Davon gehen 340€ Miete ab und 90€ an die Krankenkasse (ja, das ist die billigste Option und nein, die Idee, dass selbstversicherte einfach mehr vom Staat erhalten, sodass es aufgeht, klappt derzeit leider nicht). Außerdem noch 15€ für Sport (60 min/Woche im Hochschulsport). Es bleiben 300€, von denen im Zweifel Essen, Kleidung, Lehrmittel, Semesterbeitrag und so weiter abgehen würden. Allein der Semesterbeitrag sind 280€ bei uns, also nicht ganz fünfzig Euro im Monat. Internet und Co machen noch mal 25€ und das Handyguthaben ebenfalls 20€. Bleiben also noch 200€ zum Essen und wenn man dann Hosen, Unterhosen, T-Shirts, Socken mal eine Winterjacke oder vielleicht Schuhe zahlen muss? Und den Reader für die Uni für 25€… das wird schon knapp.

Es reicht nur, wenn man sparsam lebt, und hängt natürlich auch immer von der Miete ab.

Da wo ich studiere, bekommt man mit Glück für 270€ ein Wohnklo im Keller oder darf 3 Jahre auf die Wohnung im Studentenwerk warten. Aber das sind wirklich Geldrahmen, in denen ein kaputter Laptop oder so was einem das Genick brechen können…

Übrigens ist es unabhängig davon, ob es gerade so reicht oder nicht, meines Erachtens nach viel zu wenig Geld, um entspannt zu studieren. Das entspricht nämlich meinem – wie man vielleicht merkt – ideal von Studium: Entspannt das zu lernen, was einen interessiert und damit am Ende ein hilfreicher Teil der Gesellschaft zu werden und nicht einfach weiter zur Schule zu gehen, nur zu büffeln und dann möglichst schnell möglichst viel Gewinn für irgendwen zu erwirtschaften.

Steffen

Wer mehr hat, gibt mehr aus? Nö, nicht gezwungenermaßen

Ich bekam während meiner ersten 6 Semester einen BAföG-Satz von 400€ bis 600€ + 150€ Kindergeld pro Monat und habe mit meiner Miete von 270€ pro Monat wie Krösus gelebt, während sich langsam ein sehr bequemer Puffer auf meinem Konto angesammelt hat. Dazu noch familienversichert, Kleidung habe ich in den meisten Fällen selbst gekauft und meinen Laptop am Anfang des Studiums angeschafft, und der hat die vier Jahre bisher gut durchgehalten. Es geht also.

 

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Einkaufen für eine Woche mit unter 30 Euro? Anne berichtet, dass es durchaus möglich ist.

 

Anne

200€ fürs Essen? Ich gebe ungefähr so 20€ für Lebensmittel pro Woche aus, habe es sogar mal mit 10€ hingekriegt das macht aber keinen Spaß mehr. Ich komme mit dem Betrag echt gut aus und kaufe eigentlich fast immer das, worauf ich Lust habe. Mit geringen Einschränkungen, aber eher im Bereich von: „Nein, keine Wassermelone für 5€“ und „Nicht zwei Packungen Lachs für 24,36€ das Kilo.“ Eine solche Einkaufsrechnung von mir wäre:

-2x Tomaten aus der Dose: ca. 1€

– Zwiebeln: ca. 1€

– ein Paket Nudeln ca. 50ct

= ergibt bei guter Planung vier Mahlzeiten

-abgepacktes Brot: ca. 50ct.

– Margarine: ca. 50ct. (reicht für fast anderthalb Monate)

– Butterkäse: ca. 2€

= ergibt fünf Abendessen

– Toastbrot: ca. 50ct

– Marmelade: ca.  1€

= ergibt Frühstück für fast die ganze Woche, wenn man dann noch Müsli (ca. 2-3€) im Haus hat, was man vielleicht alle 2-3 Monate nachkaufen muss, hat man das Frühstück. Ergänzen wir etwa 1l Milch (ca. 1€) für Müsli, Milchreis und dergleichen, dann sind wir bei 8€, das heißt, für die restlichen Tage kann man sich für mittags zum Beispiel Gemüse und Pizza kaufen, was zusammen vielleicht 5€ sein dürften. Wenn man dann noch Kosten für in größeren Abständen anfallende Einkäufe (Öl, Gewürze, Müsli, Zucker etc.) mit ca. 2€ auf die Woche umlegt, was mir sehr großzügig vorkommt, dann hat man noch volle 5€ übrig, mit denen man machen kann, was man möchte, wenn ich mich jetzt nicht verrechnet habe. Das geht auch nicht immer auf, aber es zeigt vielleicht, dass man mit 20€ in der Woche schon erstaunlich viel anfangen kann.

Wie viel Geld braucht man nun?

Die Ansätze, wie viel Geld man zum Leben im Studium wirklich benötigt, gehen also in ganz verschiedene Richtungen. So ganz lässt sich das in der Tat nicht sagen und es kommt auch darauf an, wie sparsam man lebt. Aber in einem waren sich alle einig: Etwas sparen muss man hier und da schon. Allerdings hängt es auch sehr vom Studienort ab. In einigen Städten kann man bereits über 350€ allein für die Miete veranschlagen. In dieser interaktiven Karte, die das E-Commerce-Unternehmen „Wayfair“ zusammengestellt hat, sind 30 verschiedene Städte in Deutschland nach Preisen geordnet. Hier könnt ihr schauen, was die Miete pro Quadratmeter, ein Schwimmbadbesuch, ein Bier oder ein Döner durchschnittlich kosten.

Wie sieht es bei euch aus? Reicht das Geld oder wird es trotz BAfÖG sehr knapp?

 

 

 

*Namen von der Redaktion geändert
Quellen: http://www.fibs.eu/de/sites/presse/_wgHtml/_subpage_20170531_0955_32081.htm
https://detektor.fm/politik/bafoeg-hoechstsatz-zum-leben-zu-wenig
https://www.wayfair.de/special/30-deutsche-staedte-im-preisvergleich.html

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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