Kultur und Medien / Meinung

Always!

Ein Nachruf auf Alan Rickman
| Charlotte Post |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

© Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons / CC-BY 3.0

Es gibt ein Zitat, das zurzeit besonders in den sozialen Netzwerken mit Alan Rickman in Verbindung gebracht wird. Das Zitat besteht eigentlich nur aus einem Wort. Es lautet: „Always!“ und bedeutet so viel wie „Für immer“. Das Komische ist, dass dies eigentlich gar nicht ein Zitat von Alan Rickman ist, sondern von Severus Snape, dem so undurchsichtigen wie gemeinen Zaubertrank-Professor aus „Harry Potter“. Es ist Snapes Antwort auf die Frage des Schulleiters Albus Dumbledore, ob er Harrys Mutter Lily nach all der Zeit immer noch lieben würde. Als ich mich gestern auf Facebook einloggte, war einer der ersten Posts, den ich sah, ein Bild von Alan Rickman als Severus Snape mit dem Untertitel „Always!“ Dabei war es gar nicht Snape, der gestorben war, sondern Rickman.

Man weiß, dass Schauspieler in einer Rolle brillierten, wenn sie ihr Leben lang mit genau diesem Charakter in Verbindung gebracht werden. So ist es bei Leonardo DiCaprio und der Rolle des Jack in „Titanic“ oder bei Ian McKellen als Gandalf. Und so ist es zumindest für die „Harry-Potter-Generation“ bei Alan Rickman und seiner Rolle als Severus Snape. Wenn ich mich an sein verächtlich ausgesprochenes „Mr. Potter“ erinnere, läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken. Dabei war dies nicht seine einzige Rolle, die er fantastisch umsetzte: Im Jahr 2003 spielte er in der Komödie: „Tatsächlich Liebe“ einen Ehemann, der seine Frau mit der Sekretärin betrügt. Eine Geschichte, die genauso klischeehaft wie traurig ist. Für mich persönlich war es also beim Schauen des Films wenig verwunderlich, dass ich diesen Ehemann wahnsinnig unsympathisch fand. Viel weniger konnte ich mir erklären, wieso er mir fast schon ein wenig unheimlich war. Erst als ich einige Monate später herausfand, dass sowohl der untreue Ehemann als auch Severus Snape von Alan Rickman gespielt wurde, ergab das mulmige Gefühl für mich plötzlich einen Sinn: Ich würde Alan Rickman einfach immer mit Snape in Verbindung bringen, egal was für eine Rolle er spielte. Und Snape war für mich in meiner Kindheit so ziemlich einer der unheimlichsten Charaktere überhaupt. Das ist wahrscheinlich etwas unfair, da Rickman auch in vielen anderen Filmen brillierte. So zum Beispiel in „Stirb langsam“ oder in Robin Hood: Die Szene, in der er als der Sheriff von Nottingham Robin Hoods Männer verhört, ist ein so geschickter schauspielerischer Balanceakt zwischen echter Grausamkeit und rabenschwarzen Humor, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Vielleicht ist es gerade deswegen auch ein wenig engstirnig, Alan Rickman nur als den bösen Professor wahrzunehmen, bei dem man nie weiß, auf welcher Seite er eigentlich steht. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Rickman gerade als Severus Snape für viele Menschen ein fester Bestandteil ihrer Kindheit war. Vielleicht ist es deswegen auch gar nicht so falsch, für einen Tribut an ihn ein Zitat zu verwenden, das eigentlich gar nicht von ihm stammt. Denn im Harry Potter Universum bedeutet „Always!“ so viel mehr als „Für immer“. Es bedeutet vor allen Dingen: „Nie vergessen!“

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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