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Auszug aus der fabelhaften Welt der Amelie

Nach dem ersten Semester eines Studiums sollte man meinen, dass da noch gar nicht allzu viel zu lernen war in […]
| Amelie Haupt |

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Nach dem ersten Semester eines Studiums sollte man meinen, dass da noch gar nicht allzu viel zu lernen war in der kurzen Zeit. Aber ich muss sagen: Man lernt in seinem ersten Semester ganz schön viel. Allerdings eben nicht unbedingt in der Uni, sondern vielmehr im alltäglichen Leben.
“Äh.. Das weiß ich nicht so genau… Ist das denn wichtig?” Das war, glaube ich, einer der häufigsten Sätze in meinem Wortschatz der letzten 6 Monate. Aber ich finde es auch irgendwie zu viel verlangt zu wissen, ob ich beim letzten Zahnarztbesuch eine professionelle Reinigung habe machen lassen oder ob es nur eine Zahnsteinentfernung war. Der Zahnarzt hat wohl das getan, was Zahnärzte so tun… Aber bei all diesen Ungewissheiten nimmt man für gewöhnlich eine Antwort mit und hat am Ende wieder etwas gelernt.  In den letzten Tagen habe ich ein wenig über diese Situationen reflektiert und begonnen eine Liste zu erstellen, mit all den weltbewegenden Erkenntnissen und Lerneffekten, die sich in den letzten Monaten bei mir eingestellt haben.

1. Skripte zu Vorlesungen sind tatsächlich nützlich
Ausgedruckte Skripte, mit sinnvollen Notizen versehen, sodass die Anmerkungen noch zugeordnet werden können, sind unheimlich praktisch beim Zusammenfassen des Unterrichtsstoffes und beim Lernen. Es lohnt sich also, die Dinger auszudrucken und immer brav mit in die Vorlesungen zu nehmen. Das spart viel Zeit und Nerven in der Vorbereitungsphase auf die Prüfungen, wenn die Erinnerung an das, was der Dozent zu den einzelnen Folien alles erzählt hat, längst verblasst ist.

2. Ein guter Freundeskreis macht jede Stadt zu einem neuen zu Hause
Ich freue mich immer wieder darüber, wie schnell ich einen Freundeskreis aufgebaut habe, der sich ständig erweitert und nahezu jeden Bereich meiner Interessen abdeckt. Ich habe Leute, mit denen ich in die Kneipen gehe und Freunde, mit denen ich ins Theater gehe. Freunde, die ich nur im größeren Kreis wiedersehe und Freunde, mit denen ich ganz allein stundenlang bei heißem Tee über Gott und die Welt reden kann. Und dann hab ich auch noch Freunde, die mir beim Umzug helfen. Was will ich mehr?

3. Eine Versicherung mit gutem Kundenservice ist wirklich Gold wert
Da ich von der privaten Krankenkasse zur gesetzlichen Krankenkasse gewechselt habe, bin ich so absolut ahnungslos in Bezug auf das ganze System und was ich nun bezahlen muss und was nicht.
Daher habe ich gleich mal den kostenlosen Kundenservice in Anspruch genommen und mir von einem sehr geduldigen freundlichen Herrn ein paar Fragen beantworten lassen.

4. Wohnungssuche ist die absolut nervigste Beschäftigung, die es gibt
Ich habe mir im letzten halben Jahr mehr als 20 Wohnungen angesehen, allein 10 davon im letzten Monat. Diese WG-Castings, in denen eine bereits bestehende WG DEN – PERFEKTEN – MITBEWOHNER finden möchte, sind so furchtbar zeitraubend. Du gibst dich freundlich wie immer und bist möglichst ganz du selbst, bekommst eine Absage nach der anderen und fragst dich irgendwann: Bin ich wirklich so scheiße, dass niemand mit mir zusammen wohnen möchte? Nein, bin ich nicht! Genau in diesem Augenblick sitze ich in meinem neuen Zimmer in einer total herzlichen Vierer-WG. Dank gemeinsamer Interessen gab es schon einige Unternehmungen und mein Freundeskreis hat sich wieder um ein paar wundervolle Seelen erweitert. Ich habe hier die WG gefunden, von der ich immer geträumt habe, obwohl ich die Hoffnung schon längst aufgegeben hatte, weil sie mir völlig utopisch erschien.
So schmalzig es auch klingt: Ich habe eine Wohnung gesucht und ein zu Hause gefunden.

5. „Ach egal, ich mach’ das jetzt einfach“
Ist die wohl beste Einstellung, die ich mir aneignen konnte. Egal ob beim Kochen oder in der Klausur: Irgendwann kommt der Punkt, an dem keine Zeit mehr ist und man sich entscheiden muss. Ich denke, dass der Instinkt, das Bauchgefühl, dabei meistens die besten Entscheidungen vorgibt. Was mich aber auch zu meinem nächsten Leitspruch bringt:

6. „Failure is always an option“
Egal was du machst und wie oft du schon getan hast oder wie sicher du dir bist: Es kann immer etwas schief gehen. Shit Happens.

7. Männer fassen sich zwar gerne in den Schritt, aber sie machen keinen
Hollywood, die Traumfabrik, gibt wirklich schrecklich unrealistische Vorstellungen von Männern. Wenn es tatsächlich die Aufgabe der werten Herren sein soll aktiv zu werden und eine Frau anzusprechen, dann gibt es zwei Nachteile: 1. Du wartest mitunter ewig. 2. Die Auswahl ist nicht gerade das Gelbe vom Ei. Also sollte Frau viel öfter “Ach, ich mach das jetzt einfach” (siehe Punkt 5) denken und selbst die Initiative ergreifen. Nach mehr als hundert Jahren Frauenemanzipation wird es mal langsam Zeit.

8. “Man lebt das Leben vorwärts, aber versteht es rückwärts”*
Ich genieße es sehr einige Freunde zu haben, die schon ein wenig mehr Lebenserfahrung haben als ich und mir immer wieder mit tiefsinnigen Aphorismen von bekannten Philosophen den Rücken stärken. Eigene Entscheidungen treffen oder auch fremde Entscheidungen hinnehmen müssen, ist manchmal echt hart und kann schnell zu Selbstzweifeln und Verdruss führen. Dabei hilft es mir, immer zu sagen, dass alles, was im Leben passiert, schon irgendwie richtig ist und ich mir nicht so viele Sorgen machen sollte. In jedem Fall ist es besser Vertrauen in sich und manchmal auch in die Welt zu haben und sich nicht den Kopf zu zerbrechen was hätte, wäre, könnte passieren wenn… Das führt zu nichts als Kopfschmerzen und Unmut. Et hätt noch emmer joot jejange, sagt der Kölner, und darauf vertraue ich.

* Übrigens ein Zitat des holländischen Philosophen „Sören Aabye Kierkegaard

 

Titelbild: Verändert nach Daniel StockmanFlickr: Paris 2010 Day 3 – 9

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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