Auf ins Studium / Bildung

Biologiestudium in Münster IV – Studenten zweiter Klasse

| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Bisher habe ich so viel Gutes über das Leben als Student und die Universität berichtet, da muss irgendwann der Punkt kommen, an dem auch Kritik nötig ist. In Biologie habe ich diesen Punkt erreicht und bemerkt, dass Klassengesellschaften wohl noch nicht der Vergangenheit angehören.

Ich hatte ja bereits in früheren Artikeln angemerkt, dass das Lernsystem in Biologie zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist. Hier noch einmal ein paar Erinnerungshilfen:

Das klingt zunächst einmal nicht sonderlich kompliziert, aber es ist zugleich auch komplett anders, als das, worunter man sich ein Studium vorstellt. Zunächst einmal ist alles sehr verschult. Im Grunde muss man sich im Biologiestudium um kaum etwas selbstständig kümmern. Alle besuchen dieselben Vorlesungen und Veranstaltungen und behandeln denselben Stoff. Man kann hier überhaupt nicht vergessen irgendetwas zu wählen oder zu tun, vor allem, da man in den Veranstaltungen mehrfach darauf hingewiesen wird.

Sicherlich fühlen sich hier viele wie zu Hause, einfach, weil man sich komplett auf sein Studium konzentrieren kann und sich nicht mit der Organisation herumschlagen muss. Aber wer mit dem Gedanken spielt Biologie in Münster im Zwei-Fach-Bachelor zu studieren sollte sich dessen bewusst sein, dass er sich dann wirklich auf das Studium konzentrieren MUSS. Das Zweitfach hat gegen die wöchentlichen Aufgaben und den Lernaufwand in Biologie kaum eine Chance. Wer sich also auf Biologie konzentrieren möchte und nebenbei noch irgendetwas anderes „nur so“-machen möchte (um Lehrer zu werden benötigt man ja mindestens zwei Fächer) für den ist dieses Konzept vielleicht akzeptabel. Wenn man jedoch versucht beiden Fächern gerecht zu werden, so wie ich es vorhatte, der sollte sich vielleicht nach einer Alternative umsehen. Genau das werde ich nun auch machen.

Bei dem Wetter bleiben die Fahrräder lieber drinnen. Eine schlaue Sache, so ein Fahrradparkhaus.
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Bei dem miesen Wetter bleiben die Fahrräder lieber stehen. Eine schlaue Sache, so ein Fahrradparkhaus.

Die Gründe für den Sinneswandel? Es ist nicht der Aufwand – damit kann man ja rechnen. Es ist vielmehr die Tatsache, dass man sich komplett alleine und unter minimaler Anleitung den Stoff „ins Hirn prügelt“ um mich mal dieses starken Vergleiches zu bedienen. Die Idee mit den Lerngruppenleitern mag zwar in Teilen ganz intelligent sein, schließlich hat man weniger Hemmungen einen anderen Studenten zu fragen, als vielleicht einen Professor, aber wieso muss man diese Tutorenleistung erzwingen? Wenn man Biologiestudenten des dritten Semesters, nebenbei denen, die überhaupt nicht Lehrer werden möchten, schon vorschreibt, sie müssen eine solche Lerngruppe leiten, dann kann man davon ausgehen, dass deren Motivation nicht gerade Höhenflüge veranstaltet. Um das ganze einmal mit Philosophie zu vergleichen: Dort gibt es ebenfalls Tutoren, die sich jedoch freiwillig gemeldet haben, durch den Professor ausgewählt wurden und ihre Arbeit bezahlt bekommen. Dann sieht das mit der Motivation schon ganz anders aus. Ich möchte meinen (ex-)Lerngruppenleitern nichts vorwerfen, sie haben ihre Sache sehr gut gemacht, wenn man bedenkt, dass sie das nicht freiwillig gewählt haben.

Natürlich kann man es auch positiv sehen, dass alle 4 Wochen die Klausuren geschrieben werden, anstatt, wie in anderen Studiengängen am Ende des Semesters, aber dadurch herrscht ein durchgehender Druck. Eine Woche Biologie schleifen lassen, weil man im Zweitfach gerade ein Referat vorbereiten muss, oder weil man dort ebenfalls lernt? Das sieht das System nicht vor.

Weiterhin weiß ich nicht, ob der Fachbereich Biologie nicht genug Professoren hat, oder ob man in die Erstsemester des Zweifach-Bachelors einfach keinerlei Ressourcen steckt, sondern lieber kräftig aussiebt. Man fühlt sich zuminest wie ein Student zweiter Klasse. Eine mickrige Vorlesung von 45 Minuten, die Inhalte vermittelt, die man eigentlich bereits mit dem Abitur beherrschen sollte? Naja, wenn das reicht…

Im Institut für Mirobiologie benötigt man bereits mindestens ein Abitur um die Toiletten zu finden. Oderhat man sich doch an indianischer Kunst bedient? Das könnte so etwas bedeuten, wie "Mann und Frau stehen an Fluss und wissen nicht weiter."
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Im Institut für Mirobiologie benötigt man bereits mindestens ein Abitur um die Toiletten zu finden. Oder hat man sich hier doch an indianischer Kunst bedient? Das könnte so etwas bedeuten, wie “Mann und Frau stehen an Fluss und wissen nicht weiter.”

Ich kann keine Auskunft darüber geben, wie es als Zweifach-Bachelor-Student an anderen Universitäten aussieht, aber ich weiß wie es in Münster gehandhabt wird und bin kein sonderlich großer Fan davon – Uni habe ich mir anders vorgestellt. Von daher ist dies mein letzter Biologie-Artikel – aber wer weiß, was noch kommt.

 

Wo ist der Notausgang? Ich bin raus!
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Wo ist der Notausgang? Ich bin raus – zumindest aus Biologie.

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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