Allgemein / Kino & Serie / Kultur und Medien

Buntes Chaos in Gotham City – Kinoreview “Birds of Prey”

Nach dem Joker ist Harley Quinn. Kunterbunt verfällt DC in alte Muster und bietet zwar viel Action, spart allerdings bei der Geschichte und den Figuren. Eine gespaltene Sache also.
| Daniel Rublack |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

©Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn | Warner Bros. Pictures

Manche Leute haben den Schuss einfach nicht gehört, sie werden von Hunden gebissen und wer zu spät kommt, den bestraft eben das Leben. Willkommen in der Welt von DC. Verzweifelt versucht das Studio, auf der Party heutiger Filmuniversen seine teuer erlernten Tanzschritte zu präsentieren.

Um es vorwegzunehmen: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn – das muss einmalig als kompletter Titel genügen – ist kein schlechter Film, nur eben weit entfernt von gut. Der achte Eintrag ins DC Extended Universe wirkt stets wie eine massive Verschwendung von Potenzial und vor allem wie eine unoriginelle Kopie von Deadpool. Gespräche mit dem Zuschauer führt Wade Wilson wesentlich cleverer, seine Gewaltexzesse sind kreativer inszeniert und das Ganzkörper-Präservativ bringt einen wirklich zum Lachen.

Bunt gezeichnet erklärt uns Birds of Prey zunächst, was denn eigentlich genau Sache ist. Der Joker hat Schluss gemacht, weswegen Harley Quinn (k)ein bisschen mitgenommen ist. Wenig nüchtern hat sie die grandiose Idee, ihren Beziehungsstatus durch ein Feuerwerk öffentlich zu ändern. Doof nur, dass ohne Jokers Schutz nun alle von ihr jemals Verärgerten – und das sind viele – Harleys hübsche Visage wollen. Lasst das Chaos beginnen!

Wenn das Durcheinander beginnt, geht es auch schon wieder zurück. Leider hat man sich entschieden, dass Birds of Prey seine an sich wenig komplexe Geschichte in unnötigen Flashbacks samt Off-Voice erzählen möchte. So wird ständig das Tempo des Films gebrochen, was bei einer Laufzeit von „nur“ 109 Minuten zu mancher Länge führt. Zudem liegt der Fokus stark auf Harley Quinn – deswegen wohl auch der Titelzusatz – und das Team der toughen Damen vereint sich viel zu spät.

©Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn | Warner Bros. Pictures Gestatten: Die Birds of Prey.

Dies führt zu Problemen, denn Harley Quinn an sich ist keine besonders interessante Figur und hat als psychopathische Protagonistin ohnehin schwierige Sympathien. Zu Arthur Fleck aus Joker etwa konnte ich eine Verbindung aufbauen, zu Harleen Quinzel nicht. Die Performance von Margot Robbie ist zu loben, aber das Script funktioniert schlicht und einfach nicht.

Noch schwieriger wird es bei den weiteren Vögeln, welche wenig bis gar keinen Hintergrund erhalten. Jurnee Smollett-Bell sammelt als Black Canary die meisten Sympathien, auch wenn ihre „Spezialfähigkeit“ absolut unglaubwürdig und wie aus dem Nichts verwendet wird. Dahingegen überzeugt Mary Elizabeth Winstead als eiskalte und gleichzeitig unfreiwillig witzige Huntress so gar nicht! Jede Telenovela hätte ihre Motive überzeugender darstellen können: „Ich wurde von Killern erzogen und will Rache.“ Vollkommen unqualifiziert für das Team ist die Figur von Rosie Perez, die mit einem ach-so-witzigen-Shirt durch die Gegend taumelt. Sogar von Harley Quinn als 80er-Jahre-Cop-Parodie bezeichnet, wird aus dieser Selbsterkenntnis außer dummen Aktionen nichts gemacht.

Was könnte hier noch einen draufsetzen? Ein stereotyper, rebellischer und unfassbar nerviger Teenager! Sorry, Ella Jay Basco, aber deine Cassandra Cain hätte mir nur schreiend im Fleischwolf gefallen. Erfreut hat mich allerdings Ewan McGregor mit seiner Darstellung. Sein Black Mask ist ein 0815-Bösewicht, aber Obi Wan hat offensichtlich großen Spaß komplett abzudrehen. Dadurch erzeugt er zumindest ein wenig Gefahr, man könnte fast Spannung sagen.

©Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn | Warner Bros. Pictures Farbenfroh unterwegs: Harley Quinn (Margot Robbie).

Inszenatorisch ist Birds of Prey, ebenso wie Harley Quinn, eine gespaltene Persönlichkeit. Es nervt massiv, dass das DC Extended Universe seine Computereffekte einfach nicht in den Griff bekommt! Geld hat das Studio definitiv genug – 100 Mio. $ Budget – oder wurde entschieden, jenen Fake-Look aus Trotz jetzt konsequent durchzuziehen? Darsteller und Umgebung passen stellenweise nicht zusammen und manche offensichtlichen Wunder der Technik – Chemiefabrik – sehen nur noch unecht aus. Das farbenfrohe Setting an sich ist stimmig, passt aber irgendwie wenig zu einem Gotham City mit Batman oder dem Joker – not looking at you, Adam West. Insgesamt ist dieser Streifen aber eine technische Verbesserung gegenüber Justice League, dem feurigen Showdown von Wonder Woman oder was auch immer Suicide Squad sein sollte.

Action gibt es in Birds of Prey auf jeden Fall genug! Und Chad Stahelski, der für John Wicks Blutbäder verantwortlich ist, hat auch hier einige coole Choreographien anzubieten. Besonders manche Slow-Motions, eingefangen von einer sehr übersichtlichen Kamera, machen schon richtig Spaß. Leute werden farbenfroh mit Konfetti aus der Fun-Gun umgepustet, unter Sprinkleranlagen verdroschen oder im Ping-Pong-Modus mit dem Baseballschläger neu dekoriert. Außerdem gibt es Food-Fetischismus vom Allerfeinsten! Warum jene Höhepunkte von eher uninspiriertem, mäßigem Gekloppe begleitet werden…

Lust auf eine gelungene Action-Komödie? Dann ist “Bad Boys For Life” eine klare Empfehlung!

Als erster Streifen des DC Extended Universe mit einem R-Rating – bei uns ab 16 –  ausgestattet, wird es auch mal etwas blutiger. So ganz wollte man die Handbremse aber wohl noch nicht lösen, weswegen es immer wieder zahmer bleibt als erwartet. Auch die Sprüche sorgen höchstens für ein Lächeln, in schallendes Gelächter bricht hier keiner aus. Das Sound-Design hat in den Action-Sequenzen erstaunlich wenig Wumms und auch der Score passt in einigen Szenen nicht richtig zur Situation.

Fazit

Als buntes Chaos mit massig Action funktioniert Birds of Prey, was auch den moderaten 109 Minuten zu verdanken ist. Manche Shots sind wirklich cool und Margot Robbie sowie Ewan McGregor sorgen für etwas Stimmung. Dem gegenüber steht eine nur bedingt funktionierende Geschichte, was vor allem an schwachen Figuren liegt. Der Fake-Look stört teilweise arg und mehr als ein Lächeln sitzt beim Humor leider auch nicht drin. Vor schlicht besseren Filmen wie Deadpool wäre dieser Streifen bestimmt origineller und somit besser rübergekommen, so ist DC erneut zu spät auf der Party gelandet.

6,5/10 Harlequins.

Noch mehr Stories? Folge seitenwaelzer:

Daniel Rublack

Wollte abends mit einem Kollegen nur kurz über Filme reden und wurde am nächsten Morgen vom Wecker ans Aufhören erinnert. Besonders stolz auf seine eigene Filmsammlung und zudem passionierter Doppelkopf-Veteran.

Nick Tomlinson | Pixabay

Zwischen Altstadtromantik und IT Boom: Ein Wochenende in Tallinn

Daria-Yakovleva | Pixabay

Die besten Anti-Weihnachtsfilme

Andy Kelly | Unsplash

Mensch und Maschine – der künstliche Mensch

Robin Thier

2012 – Ein Jahresrückblick

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies, mit der Nutzung unserer Webseite erklärst du dich damit einverstanden. Hier gibt's weitere Infos.