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Dunkle Seitenwaelzer: „Gesang“

Oder was man im Heavy Metal so nennt

Das, was viele Leute vom wirklich harten Metal abhält, sind weniger schnelle Beats oder noch schnellere Gitarren, vielmehr erschrecken sie sich vor dem so genannten Metal Gesang. Deswegen wird Metal oft als akustischer Autounfall bezeichnet. Den Sängern wird zudem nachgesagt, sie könnten nur Geräusche machen, die einem während eines solchen Unfalls über die Lippen kommen. Hohes Kreischen, tiefes Grunzen und ein Krächzen, das weniger nach Mensch, als viel mehr nach Rabe oder gleich Dämon klingt. Da das schnell abschreckt, möchte ich euch die einzelnen Gesangsstile anhand von Hörbeispielen etwas näher bringen, sodass ihr bei eurem Einstieg in den Metal wisst was ihr erwarten könnt. Also wenn ihr erklärt bekommt, dass das “Growling super mit den clear Vocals der Sängerin harmoniert”.

Clear Vocals

Fangen wir mit den leichten Beispielen an. Die Scorpions oder Sabaton singen so genannte clear Vocals. Die Herren singen also, wie der Name sagt, klar, also “normal”, so wie man es im Musikunterricht lernt. Dabei wird oft schon etwas kratziges oder der eine oder andere Schrei eingebaut, aber im allgemeinen passen clear Vocals zu den allgemeinen Hörgewohnheiten. Trotzdem sind unter diese Form des Gesangs auch U.D.O. oder Gloryhammer zu fassen, die zwar klar, aber doch eigenartig (im besten Sinne) singen.  Eine besonders spannende Sonderform ergibt sich, wenn klassisch ausgebildete Musiker sich mit Metallern zusammentun, um Musik zu machen. So geschehen, als Christopher Lee das Album Charlemagne: By the Sword and the Cross aufnahm. Besonders sticht hier Powerwolf heraus, da der Sänger Attila Dorn ausgebildeter Tenor ist.

Was die Stimmen von Frauen betrifft, so wird hier eine extra Einteilung getroffen. So genannter Female Fronted Metal sticht meist durch klassischen Sopran oder zumindest den Versuch dessen heraus. Bands wie Nightwish und Within Temptation sind damit kommerziell erfolgreich. Sie bieten ein melodisches Gegenstück zu den “Autounfällen” ihrer männlichen Kollegen. Viele steigen über diese Schiene in den Metal ein, man kann sich so mit den harten Riffs und Gitarrensoli vertraut machen, während man den Text noch versteht. Die epischen Aufbauten haben diese Songs mit denen der oben genannten klassischen Musiker gemein, was den Schritt zum härteren Metal noch einfacher macht.

Damit nun nicht der Eindruck entsteht, nur Sopranistinnen könnten im Metal etwas werden, darf eine Frau nicht unerwähnt bleiben: Doro Pesch, die ehemalige Sängerin von Warlock singt mit einer rauchigen Rock Röhre, die sich locker mit Tina Turner oder Bonnie Tyler messen kann. Aber auch andere Frauen haben es im Metal weit gebracht, ohne zu Singen wie Anna Netrebko. Noora Louhimo, die Frontfrau von Battle Beast klingt nur ganz selten “normal”, meist schreit oder kreischt sie ihre Texte in der Tonlage der E-Gitarre und schraubt sich mit dieser im Wettbewerb zu ungeahnten Höhen.

 

Screaming

Damit sind wir schon bei den sogenannten Screams (also Schreien – auch wenn fast jeder Sänger im Metal zwischendurch schreit), einem Kreischen, das extreme Höhen erreicht und meist mit den Gitarrensoli konkurriert oder korrespondiert. Erste Vertreter dieses Gesangs waren Judas Priest mit Rob Halford und seiner viereinhalb-Oktaven-Stimme. Davon Beeinflussen ließen sich Bands wie eben Battle Beast aber auch Iced Earth (besonders als dort Tim “The Ripper” Owens Sänger war), die mit sehr hohen Clear Vocals aufwaten, um sich dann in Screams zu überschlagen.

Im Black Metal ist der Scream besonders beliebt, auch wenn er hier eigenständig oder zusammen mit Growling eingesetzt wird. Gerade Mayhem ist hierfür bekannt, allerdings ist dieses Hörbeispiel eher für Hartgesottene. Eine Sonderform des Screams hat Dani Filth, der Sänger von Cradle of Filth und Devilment, eingeführt. Sein unmenschlich hohes Kreischen wurde bisher von niemandem erreicht. Dani kombiniert hierbei allerdings den Schrei nicht mit Clear Vocals, sondern viel mehr mit so genanntem Growling. Dazu kommt eine klassisch singende Frauenstimme, die meist unter der Tonlage seiner Screams bleibt. Er wechselt damit immer zwischen dem besonders hohen Scream und dem tiefen Growl und umschließt die Stimme seiner Partnerin sozusagen mit seinem Gesang.

Growling

Growling ist der gutturale, tiefe Gesang, den die meisten Leute im Ohr haben, die nur kurz mit Metal in Berührung gekommen sind. Die meist eher unverständlichen Worte werden mit Hilfe der so genannten Taschenfalten ganz hinten im Rachen gebildet. Der Sound des Gesangs ist meist tief und heiser, also schön böse, wie es der Metalhead mag. Bekannte Vertreter dieses Gesangs sind Arch Enemy und Amon Amarth, aber auch Canibal Corpse. Interessant hierbei ist, dass man als ungeübter Hörer nicht zwischen dem Gesang von Männern und Frauen unterscheiden kann. Jede Stimme klingt einzigartig und ist völlig unabhängig von der normalen Sing- oder Sprechstimme.

 

Shouting

Zuletzt ist der Shout zu erwähnen, ein gebrüllter Sprechgesang, der für ungeübte Ohren oft mit dem Growling verwechselt wird. Hierbei werden allerdings die Stimmbänder noch mit eingesetzt und die Tonlage ist eher abhängig von der Sprechstimme des Sängers. Besonders im Metalcore, beispielsweise bei Heaven Shall Burn, und im Thrash Metal (Sepultura und Slayer) ist dies Form des Gesangs besonders beliebt. Sie ist einfacher zu erlernen als das Growling, klingt aber mindestens genauso brutal. Außerdem bleiben die “normalen” Möglichkeiten des Veränderns oder Verstellens der Stimme weitestgehend erhalten, womit man leicht mehr Variation erzeugen kann. Das Problem hierbei ist, dass durch die Beteiligung der Stimmbänder, diese oft stark angegriffen werden. Durch den Taschenfaltengesang des Growlings minimiert man das Risiko des Stimmverlusts.

 

 

Im Metal gibt es noch viele weitere Möglichkeiten zu singen, doch die Menge dieser würde den Artikel sprengen. Falls ihr euch mehr für diese Art des Gesangs interessiert, schaut euch mal auf dem Kanal von Jared Dines um, gerade mit dem hier verlinkten Video zeigt er auf interessante Weise, was der Metal so alles bietet.

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Michael Cremann

Ist meist dort zu finden wo die laute Musik für andere klingt wie ein Autounfall. Hängt hinter der Kinokasse herum oder gibt Führungen durch Münsters Ruine Nummer eins. Dazu wird noch getanzt und wenn dann noch Zeit ist, Geschichte und Archäologie studiert.

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