Ernährung / Musik

DunkleSeiten: Ernährung auf Festivals

Wie man ohne Kühlschrank und Herd überlebt
| Tamara Ossege-Fischer |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Tamara Ossege-Fischer

Die Vorfreude steigt – nur noch wenige Tage, dann heißt es wieder: WAACKEEEN!! Der eine (ich) macht sich seit Wochen Gedanken, was man denn dieses Jahr so mitnimmt, währenddessen der andere (alle anderen) noch seelenruhig schlummern. Jedes Jahr aufs Neue stelle ich mir die wichtige Frage, was an Lebensmitteln in die Klappbox kommt und ob ich Gemüse XY zutraue, eine Woche draußen zu überleben.

Analysieren wir mal die Situation.
Camping. Matsche. Zelte. Sonne. Regen. Gewitter.Temperaturen mittags zu heiß, abends durchaus frisch. Ohne wirkliches Trendverhalten.

Vorweg eine Liste von Utensilien, die man auf jeden Fall braucht:

 

Rucksack ist gepackt, die Autos stehen bereit, man tingelt Richtung Supermarkt und auf einmal fällt es einem wie Schuppen aus den Haaren:

Problem: Kühlung

Wenn ihr nicht mit einem Wohnmobil oder einem fetten Generator plus Kühlschrank anreist (was nicht zu empfehlen ist) oder nicht grade Minusgrade vorherrschen, stellt sich das Problem der Kühlung. Wie zu Hause ernähren wird durchaus schwer, wenn man Käse, Grillfleisch, Eier und Co. nicht einfach in den Kühlschrank werfen kann, weil sowas schlichtweg nicht existiert.

Lösung 1: Kühlcontainer/-tasche

Kauft erst bei der letzten Möglichkeit (Penny in Itzehoe) euer Grillfleisch! Seht zu, dass ihr Tetra-pack-Getränke vorher einfriert und die Kühlbox damit soweit bestückt, dass wirklich nurnoch euer Fleisch rein passt. So ist sicher gestellt, dass ihr bis ca. Mittwoch eine mehr oder minder funktionierende Mini-Kühlung habt. Ich tendiere trotzdem dazu, jegliches Fleisch am Kauftag zu verbrauchen und am Folgetag neues im Dorf zu kaufen – falls ihr die Möglichkeit habt. Esst auf keinen fall ungekühltes Fleisch, das Endet böse!

Lösung 2: Camping-“Kühlschrank”

Für Sachen wie Milch oder rohe Eier kann man den alten Camping-Trick anwenden: Schnappt euch den nächsten Klappspaten und grabt Regen- und Fließwasser-geschützt ein Schmales, tiefes Loch, sodass der Eierkarton so grade eben reinpasst. Je tiefer, desto besser, desto aufwändiger, desto kräftereißender. So lassen sich schnell verderbliche Lebensmittel locker 1-2 Tage “kühl” halten, länger würde ich diese Methode aber nicht nutzen.
Wenn sich jetzt jemand fragt, wer denn bitte Milch und Eier mit aufs Wacken nimmt: Ich. Gab Frühstückspfannkuchen. War ziemlich geil.

Noch mehr Festivaltipps? Lies unseren Festivalguide “How to Wacken”

Lösung 3: keine kühlpflichtigen Lebensmittel

Die wohl naheliegendste Lösung ist tatsächlich die, kühlpflichtige Lebensmittel gar nicht erst zu kaufen. Greift auf Reis, Nudeln und meinetwegen Kartoffeln zurück. Rote Linsen eignen sich gut, weil die ungefähr so lange kochen müssen wie die Nudeln und man ein bisschen strukturelle Konsistenz (und Eiweiß!) an den Bums kriegt. Deckt euch mit Toast (Achtung, könnte während der Woche Leben entwickeln) und Erdnussbutter ein, plündert das Konservenregal: Sowohl Kichererbsen, Kidneybohnen und Mais als auch Thunfisch und mittlerweile sogar Hähnchen gibt es in handlichen Dosen. Wer es mag, kann natürlich auch Ravioli und Eintopf kaufen, schmeckt dann dementsprechend, ist aber auf dem Festival auch egal. Sämtliche Fertiggerichte sind auch geeignet, weil man in den meisten Fällen nur heißes Wasser drübergießen muss. Von einer bekannten Marke gibt es leckere Asia-Nudelgerichte, von einer andere Bratkatoffeln mit Zwiebeln und Speck, die man nur in die Pfanne hauen muss. Ganz nett zum Frühstück sind auch Haferflocken, die man in Wasser quellen lässt und mit Bananen vermischt.
Apropos Frühstück, apropos Pfannkuchen: Kauft euch Kichererbsenmehl aus dem Super- oder Asia-Markt, mischt es mit Wasser und haut es in die Pfanne (Öl nicht vergessen). Je nach Konsistenzwunsch nimmt man mehr Mehl oder mehr Wasser: Einfachere Pfannkuchen gehen nicht! (Ja, das schmeckt.)
Profi-Tipp: Kauft keinen Käse-Nudel-Eintopf/Auflauf, egal, wie verführerisch sich das anhört! Ist selbst vor Ort mit Hunger super ekelig!

Problem: Vitamine? Ich hab doch Bier!

Ja, ne.

Lösung: Snacks ftw! 

Vor allem wenn das Wetter arg in eine bestimmte Richtung geht, ist es tatsächlich wichtig, ab und zu die “richtigen” Sachen zu essen und sich nicht nur von Ravioli zu ernähren. Achtet hier auch drauf, dass man die gesunden Sachen nicht kühlen muss. Ich fahre immer sehr gut mit Äpfel und Bananen (Achtung, nicht zusammen lagern), empfehle aber auch Möhren und Avocado (fancy!), letztere mag pralle Sonne nicht so, kann aber nach 3-4 Tagen+ noch gegessen werden. Außerdem kann man sich massenweise Nüsse horten: Die kleinen Helfer haben gute Fette und pflanzliches Eiweiß und bringen den ein oder anderen über Hungersnöte und Stimmungstiefs, sowohl weil man sie essen, als auch teilen kann.
Anmerkung: Das sind meine persönlichen Präferenzen, ich habe aber auch ein paar Ravioli-Verteidiger im Camp, die bis jetzt immer wieder lebend nach Hause gekommen sind.

Problem: Bier! Noch mehr, ich habe Durst!

Verkrampft euch nicht darauf, nur Bier zu trinken. Alkohol entzieht Wasser, das sollte mittlerweile jeder wissen.

Lösung: u don’t say.

Achtet auf einen ausreichende antialkoholische Flüssigkeitszufuhr, am besten natürlich über Wasser. Die ein oder andere Cola mag auch manchmal Wunder wirken, bei uns gibt es immer viel Eistee (Zuuucker!).

 

Pro-Tipp

Im Nötigsten Notfall kann man sich zumindest auf dem Wacken auch komplett vor Ort ernähren: Brechfast (Breakfast)-Zelte sprießen über den Campingground, weiter im Infield steht eine Fressbude neben der anderen. Probiert euch ruhig mal durch und testet neue Sachen aus, einige Stände viele es auf jeden Fall wert. ;)

Egal wann man mit den Vorbereitungen und dem Gedanken-machen anfängt, irgendwie kommt man immer durch die Woche. Mal eben besser, mal dann halt schlechter.
Die wichtigste Regel ist eigentlich: Lieber zu viel als zu wenig mitnehmen!
In diesem Sinne; Guten Hunger und viel Spaß!

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Tamara Ossege-Fischer

...man findet mich entweder auf matschigen Festivals oder in seltsam ausgerüsteten Hallen bzw. draußen beim Sport. Ansprechen ist zwecklos, die Musik ist so oder so zu laut. Nebenbei studiere ich auch noch Soziologie in Bielefeld.

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