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Liberty Wildlife – Freiwilligendienst im Tierschutz 

Nach dem Abitur zieht es Alina für ein Freiwilligendienst im Tierschutz in die USA. Sie berichtet mir von ihrer Arbeit mit den Wildvögeln.
| Lotte Jäger |

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Ein junges Mädchen lehnt sich an einen großen Kaktus, im Hintergrund sieht man die Wüstenlandschaft ArizonasAlina Stroetges

Alina bei einem Ausflug in die Sonora-Wüste im Lost Dutchman State Park in Arizona

Es ist der 31. Oktober und trotz der Klimaanlage des Flughafens ist mir superheiß. In Arizona sind es zu dieser Jahreszeit schlappe 30 Grad. 30 Grad und Halloween? Passt irgendwie nicht ganz zusammen, denke ich mir. Naja, ich wollte ja neue Erfahrungen machen. Ich gehe an der Gepäckausgabe vorbei und bewege mich langsam auf den Ausgang zu. Leichte Nervosität fühlt sich anders an, ich bin total aufgeregt. Wie wird die Zeit hier wohl werden? Kann ich mein Englisch tatsächlich verbessern? Wie wird die Arbeit mit den Tieren? Und will ich danach wirklich noch Tiermedizin studieren? Die letzte Schiebetür geht auf und mit dem Schritt über die Türschwelle stürze ich mich in das Abenteuer – meinen Freiwilligendienst im Tierschutz. 

2017. Alina S. beendet gerade ihr Abitur und weiß noch gar nicht so richtig, wo es sie nun hinziehen soll. Und dann ist da ja auch noch der lang ersehnte Wunsch, „einfach mal rauszukommen“. Am liebsten nach Amerika. Gesagt, getan. Die damals 18-Jährige wendet sich an eine Organisation und meldet sich zum Freiwilligendienst in den USA. Nach langer Planung und unzähligen Vorgesprächen ging es für sie endlich nach Phoenix, Arizona. Von Ende Oktober 2017 bis Ende Januar 2018 wohnt sie bei einer Gastfamilie und arbeitet ehrenamtlich bei einer Auffangstation für Wildtiere. Ich spreche mit ihr über ihre Zeit als Freiwillige im Tierschutz.  

Organisiert hat Alina die Reise nicht allein, sondern mit Hilfe von Praktikawelten. Die Organisation lernte sie durch eine Messe kennen, bei der sie sich eigentlich schon einige Jahre zuvor über ein Auslandsjahr informieren wollte. „Ich habe immer schon von einem Auslandsjahr an einer amerikanischen High School geträumt, hatte aber Angst zu viel Stoff zu verpassen, sitzen zu bleiben und dann nicht mit meinen Freunden zusammen das Abitur machen zu können.“ So blieb es zunächst recht lange bei der Idee. Nach dem Abitur wollte Alina ihren Traum dann aber endlich verwirklichen. Praktikawelten vermittelte sie an ihre Gastfamilie, die Tierauffangstation und organisierte die Hin- und Rückflüge. 

Rettungsdienst für Tiere

In Arizona startet Alina ehrenamtlich für Liberty Wildlife. Das Team der Organisation besteht fast ausschließlich aus Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern. Nur eine Handvoll Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich hauptsächlich um Verwaltung und Koordination kümmern, sind festangestellt. Das Ziel von Liberty Wildlife ist die Förderung der Natur in Arizona durch die Rehabilitation von Wildtieren, so beschreibt es der Wildtier-Rettungsdienst auf seiner Internetseite. Alina erzählt mir, dass Menschen an 354 Tagen im Jahr Tiere, die sie finden und die verwundet oder krank sind, an einem Schalter abgeben können, Liberty Wildlife kümmert sich dann um alles andere. Zwar werden prinzipiell Tiere aller Art behandelt. Der Großteil der Tiere, die dort landen, sind jedoch Wildvögel. 

Räumlichkeiten und Aufgaben der Organisation teilen sich grundsätzlich in drei Bereiche: Intensive Care, Rehab und Education. In dem Bereich „Intensive Care“ wird die akute Wundversorgung der verletzten Tiere durchgeführt und es wird, falls nötig, auch operiert. Im „Rehab“-Bereich verbleiben die Tiere so lange, bis sie sich vollständig erholt haben und wieder fit genug sind, um in die Natur entlassen zu werden. Dies sei das oberste Ziel. In der dritten Abteilung, dem „Education“-Bereich, leben die Tiere, die so verwundet oder eingeschränkt sind, dass eine Auswilderung nicht mehr in Frage kommt. Alina erinnert sich beispielsweise noch an einen Vogel, der erblindet war. Dieser hätte draußen in der Natur keine Chance auf ein Überleben gehabt. Er durfte daher bis an sein Lebensende bei Liberty Wildlife verbleiben.

Die „Education“-Abteilung ist der einzige Bereich, zu dem Besucherinnen und Besucher gegen einen Eintrittspreis Zugang erhalten. Durch Führungen in diesem Bereich will die Organisation naturkundliche Aufklärung betreiben. Die beiden anderen Bereiche sind lediglich für Personal zugänglich und für Außenstehende strengstens verboten. „Das ist besonders wichtig, denn die Wildtiere dürfen auf keinen Fall zu viel und zu engen Kontakt mit Menschen bekommen“, so Alina. „Das wäre verheerend für die Entwicklung der Tiere und könnte den späteren Auswilderungsprozess enorm gefährden.“  

Arbeitsalltag auf der Tierauffangstation

Arbeitsbeginn war für Alina um sieben Uhr morgens. Jeden Morgen gab es zuerst eine kurze Lagebesprechung. Es wurde festgelegt, wer am jeweiligen Tag in welchem Bereich arbeitet und für welche Tiere beziehungsweise Gehege er oder sie zuständig ist. Danach ging es direkt an die Arbeit. Alina beschreibt, dass sie stets in der einen Hand die Putzsachen hielt, während die andere Hand mit einem Schutzhandschuh bedeckt war. Der Handschuh diente zur Vogelabwehr, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reinigen die Gehege, während die Tiere darin sitzen.

Daher kann prinzipiell nicht ausgeschlossen werden, dass man auch mal attackiert wird“, sagt Alina mir. Ihr selbst sei das jedoch nur ein einziges Mal passiert und dabei wäre auch nichts Schlimmeres geschehen. „Meistens kommt man mit einem Schreck davon“, berichtet sie mir lachend. Im Anschluss an die Reinigungsarbeiten werden die Vögel gefüttert. Dabei wird das Futter weiträumig im Gehege verteilt. Eine Aufgabe, die Alina nicht ganz so gerne gemacht hat. Sie beschreibt, dass ein typisches Futter für die Vögel aus toten Mäusen und Hühnchen-Stücken, an denen noch die Federn klebten, bestand. Auch nicht unbedingt jedermanns Sache. Nach der Futterausgabe, ungefähr gegen 12 Uhr, endete der Arbeitstag für die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler meistens schon.

Alina Stroetges Drei Greifvögel teilen sich ein Gehege.
Alina Stroetges Ein Uhu beobachtet genau, was Alina so treibt.

Freiwilligendienst – Verlust oder Gewinn?

Alinas Engagement auf der Tierauffangstation war ehrenamtlich und damit natürlich unentgeltlich. Sie musste jedoch ihre Gastfamilie für Unterkunft und Verpflegung bezahlen und natürlich hat die Reise selbst auch viel Geld gekostet. Zusammen mit den Flugkosten, einem Taschengeld und weiteren Ausgaben kommt da einiges zusammen. Alina meint, man könne die Kosten für die Reise ungefähr mit einem Austauschjahr an einer High School in den USA vergleichen. Für die drei Monate in Arizona muss die damals 18-Jährige knapp 3.900 Euro an Praktikawelten bezahlen.

Auf meine Frage, ob Alina das Projekt und die Planung über ein Unternehmen wie Praktikawelten empfehlen würde, sagt sie: „Die Organisierung durch Praktikawelten war ganz gut und hat mir sehr viel Arbeit abgenommen. Man muss sich jedoch Folgendes klar machen: du zahlst, musst arbeiten und wirst für diese Arbeit nicht entlohnt. Ich bin mir sicher, dass es andere Projekte gibt, bei denen man, besonders finanziell, besser wegkommt“. 

Trotz der hohen Kosten ist Alina bis heute sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Für sie war die Zeit ein großer Gewinn. Ganz besonders, wenn sie sieht, wie sehr sie als Mensch gewachsen ist.Vor meiner Reise war ich ein sehr unsicherer Mensch. Durch meine Zeit im Ausland und im Freiwilligendienst habe ich gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen und diese auch allein zu meistern. Außerdem habe ich schnell gelernt, auf andere Menschen zuzugehen. Eine Eigenschaft, die sehr wichtig im Leben ist“. Darüber hinaus verrät Alina mir, dass sie sich in die Kultur und das Essen der USA wahrhaftig verliebt hat. Der Porridge zum Frühstück oder das Peanut Butter Jelly Sandwich als Snack zwischendurch finden bis heute ihren Weg auf Alinas Teller.

Heute ist Alina 22 Jahre alt und bereitet sich aktuell auf ihr zweites Staatsexamen in Pharmazie vor. Mit der Tiermedizin wurde es also nichts. Sie selbst sagt, dass ihr Tiere aller Art nach wie vor sehr am Herzen liegen, der Respekt vor ihnen aber einfach zu groß ist. Zum Ende unseres Gesprächs guckt sie mich an, lächelt und resümiert: „Ich glaube, ich habe das damals echt gebraucht.“

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Lotte Jäger

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Eine Antwort zu “Liberty Wildlife – Freiwilligendienst im Tierschutz ”

  1. Wie der Uhu sie beobachtet – genial! Ihr hat die Arbeit spürbar viel Spaß gemacht. Drücke ihr die Daumen für ihr Staatsexamen. Vielen Dank für den schönen Beitrag, war sehr interessant!
    Jasper

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