Bildung und Karriere / Interview

Unbekannte Berufe: Was ist ein Feelgood-Manager?

Nick Prosch arbeitet für das IT-Unternehmen codedentric AG in Solingen als Feelgood-Manager. Feelgood-Manager? Ein Manager, der sich darum kümmert, dass die Mitarbeiter sich gut fühlen?
| Amelie Haupt |

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Robin Thier

Nick Prosch arbeitet für das IT-Unternehmen codedentric AG in Solingen als Feelgood-Manager. Feelgood-Manager? Ein Manager, der sich darum kümmert, dass die Mitarbeiter sich gut fühlen?
Das klingt für mich nach einem Traumjob, und ich möchte mehr erfahren! Also habe ich ihn kurzerhand zu dem Thema befragt:

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe eine klassische IT-Laufbahn absolviert. Als IT-Consultant habe ich viele Projekte mit großen Kunden durchgeführt. Die größte Freude hatte ich als Agile Coach, Scrum Master (Das umfasst das methodische Verändern von organisatorischen Blockaden) und Teamleiter, also mehr in der Rolle der Servant Leaders (Führen im Interesse der Geführten) als des reinen Tech-Nerds – die Arbeit mit Teams und die Optimierung des Arbeitsalltags hat mir schon immer gelegen.

Die Firma, in der ich arbeite, ist sehr erfolgreich, hat eine super Kultur und wächst stark. Damit unser Betriebsklima nicht irgendwann auf der Strecke bleibt, habe ich den Vorständen angeboten, mich explizit um Bereiche wie Kommunikation, Team Building oder Onboarding (Einleben neuer Mitarbeiter) stark zu machen.

Der Vorschlag wurde sehr positiv wahrgenommen, und ich habe angefangen, meine Arbeit zu professionalisieren und zu strukturieren. Erst dabei ist mir der Begriff des „Feelgood Managers“ untergekommen. Obwohl auch meine erste Reaktion Skepsis war, habe ich mich entschlossen, genau diesen Titel zu verwenden. Er regt die Menschen zum Nachdenken an, und in der Regel dauert es nur wenige Augenblicke, bis den Skeptikern ein Licht aufgeht und ich das Feedback bekomme „Wow, ich finde es toll was du machst, dass deine Firma diese Wertschätzung ihren Mitarbeitern entgegenbringt und auch den Invest in die Stelle nicht scheut“.

Macht dein Beruf dich glücklich?

Pauschal: Ja. Ich selber kann mich sehr gut mit der Rolle identifizieren und ziehe meine Motivation aus meinem Umfeld. Wenn es meinen Kollegen gut geht, dann geht es auch mir gut. Sicherlich gibt es aber auch Bereiche, die ich nicht genieße: Vier Augen Gespräche können sehr belastend sein, vor allem wenn persönliche Dinge, an denen ich nichts machen kann, Teil einer problematischen Unterhaltung sind. Auch gehört es zu meiner Rolle, dass ich ein Enabler (Ermöglicher) und Role Model bin, ich agiere also viel im Hintergrund. Es bekommt also oft niemand mit, dass ich an Dingen beteiligt bin. Das ist prinzipiell kein Problem, aber ich komme aus dem Projektkontext, wo alles messbar gemacht wird und letztendlich für eine konkrete Leistung die Bezahlung stattfindet. Bei jemandem, der im Hintergrund agiert und primär in zwischenmenschlichen Dingen unterwegs ist, ist schwierig festzustellen, welchen konkreten Output er generiert und welchen wirtschaftlichen Nutzen die Arbeit bringt. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass meine Arbeit einen positiven Einfluss hat und ich das Vertrauen der Vorstände genieße würde ich doch gerne mal belegen können, dass mein Projekt „Feelgood“ schwarze Zahlen schreibt.

Wie reagieren deine Mitmenschen, wenn du dich als Feelgood-Manager vorstellst?

Es kommt darauf an, ob sie den Beruf bereits kennen oder nicht. In der Regel bekomme ich sehr positives Feedback wenn auch die Rolle meist nicht verstanden wird. Feelgood ist mehr als Obstkörbe kaufen oder einen Kicker haben. Es ist eine ganzheitliche Einstellung und so vielschichtig wie die Menschen, mit denen man arbeitet.

Was ist die größte Herausforderung in deinem Job?

Wir wachsen weiter. Die schiere Anzahl an Mitarbeitern macht es mir schwer, weiter jeden Menschen hier persönlich zu kennen und meinem Anspruch, für jeden Mitarbeiter da zu sein, gerecht zu werden. Ich kann mir immer weniger Zeit nehmen und habe immer mehr Organisations-Aufwand, was total gegenläufig zum Feelgood-Management ist. Umso länger das ohne Unterstützung läuft, umso schlechter kann ich mich tatsächlich für das Feelgood meiner Mitarbeiter einsetzen.

Eine weitere Herausforderung ist die Messbarkeit. Ich kenne keine verlässliche Methode den Erfolg meiner Arbeit zu messen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein hässliches altes Sprichwort, trotzdem fühle ich mich diesem Konflikt auch ausgesetzt und kann ihn nicht lösen.

Zudem wird die Rolle oft falsch verstanden. Es geht nicht darum, dass der Feelgood-Manager einem den Kopf streichelt und Schnittchen reicht. Ich bin ein Vorbild, kein Vortänzer. Hilfe zur Selbsthilfe, nicht Delegation.

Was würdest du Studenten raten, die noch nicht wissen, was sie mit ihrem Studium anfangen sollen?

Macht was euch euer Bauch sagt. Seid mutig. Wenn noch keine konkrete Idee in euren Köpfen ist, dann vertraut auf eure Intuition, probiert Dinge aus, scheitert, lernt daraus, und verfolgt eure Vorstellungen weiter. Bei jeder „Iteration“ werdet ihr der Sache , die ihr wirklich machen wollt, einen Schritt näher sein. Lasst euch auch nicht zu sehr von Prestige, Geld oder eurer Umwelt beeinflussen. Glück ist relativ und individuell. Wer abends ohne Frust nach Hause kommt, der hat viel mehr erreicht als der dauernd gestresste Kollege mit dem dicken Konto.

Vielen Dank für das Interview!

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