Bildung und Karriere / Studium

Unibewerbung – das Assessment Center

Zulassungstests und Power-Point-Karaoke
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Seit zwei Monaten läuft die Bewerbungsphase für das Wintersemester 2016/17 an deutschen Hochschulen und wie jedes Jahr entscheidet fast immer die Abiturnote über Erfolg oder Misserfolg. Der Numerus Clausus (NC), also ein Auswahlverfahren nach Notenschnitt, ist jedoch nicht die einzige Variante, nach der die Unis die tausenden Bewerber bewerten. Gerade an privaten Hochschulen sind Assessment-Center (AC) das Mittel der Wahl. Aber was ist das und wie laufen die Zulassungstests an den Unis ab?

AC versus NC

An den staatlichen Universitäten ist es keine Seltenheit, dass sich knapp 120.000 Leute auf die Studienplätze bewerben. Ein Auswahlverfahren über die Abiturnote bringt hier den Vorteil, dass man eine konstante Messlatte hat, über die sich die Bewerber oft im Vorfeld informieren können. Außerdem kann die Auswahl über Computer erfolgen, sodass auch Verwaltungsaufwand wegfällt. Auf der anderen Seite muss man sich fragen, was die Abiturnote wirklich über den Menschen aussagt. Jemand mit lauter guten Noten kann für ein Studium oder einen Beruf völlig ungeeignet sein, während vielleicht jemand mit schlechteren Noten perfekt wäre – und was, wenn jemand in Biologie stets überdurchschnittlich gut war, aber durch Gedichtanalysen und Musikunterricht keinen Studienplatz in Biologie bekommt?

Ein Bewerber kann deutlich besser eingeschätzt werden, wenn man nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch persönliche- und soziale Fähigkeiten bewertet, um so ein Gesamtbild des Menschen zu bekommen. Vor allem private Hochschulen gehen diesen Weg und laden die Bewerber zu Assessment-Centern ein, wo sie sich in speziellen Prüfungen und Zulassungstests bewähren müssen. Es wird geschaut, ob der Bewerber zur Hochschule beziehungsweise zu dem Berufszweig passt.

Ablauf und Aufgabenstellungen eines Assessment-Centers

Natürlich unterscheiden sich die Assessment-Center von Hochschule zu Hochschule sowie von Jahr zu Jahr – und manchmal ist es besser gar nichts zu wissen – aber bestimmte Aspekte werden standardmäßig geprüft.

Meist werden am Prüfungstag zwischen sechs und 15 Kandidaten eingeladen – aber auch Gruppen von über 20 Leuten in Teamübungen sind denkbar. Zunächst gibt es etwa dreistündige schriftliche Prüfungen, die sich aus Multiple-Choice- und offenen Aufgaben zusammensetzen. Grundkenntnisse in Mathematik oder Fremdsprachen werden auf diese Weise geprüft und oft entscheiden diese Ergebnisse, ob man an einem Vorkurs teilnehmen muss, um bestimmte Bereiche schon vor Studienbeginn aufzufrischen. Neben den klassischen Prüfungssituationen werden die Bewerber jedoch auch vor eine Reihe anderer Herausforderungen gestellt.

Oft gibt es Einzelinterviews mit Dozenten, in denen nicht nur auf Inhalte, sondern auch Auftreten und Rhetorik im Mittelpunkt stehen. Beliebt ist auch die „Power-Point-Karaoke“, bei denen man einen Satz unbekannter Power-Point-Folien zu verschiedenen Themen bekommt und anhand dieser einen Vortrag halten muss. Denkbar sind weiterhin klassische IQ-Tests, sowie Gruppenaufgaben, in denen es darum geht, in Teamwork-Situationen komplexe logische Probleme zu lösen. Einzelkämpfer stehen sich also an dieser Stelle meist selbst im Weg.

Ein „Bestanden“ ist trotzdem keine Selbstverständlichkeit. Ein Beispiel: Im Durchschnitt bestehen rund 20 Prozent der Bewerber die Aufnahmeprüfungen an der IUBH School of Business and Management in Bad Honnef nicht, im Dualen Studium sind es mit 28 Prozent sogar über ein Viertel. Man sollte sich durch solche Zahlen aber nicht verrückt machen. Viele Hochschulen bieten Online Materialien zur Vorbereitung an und die Atmosphäre in den Assessment-Centern stellt keine eiskalte Prüfungssituation dar, sondern ist meistens recht locker.

 

Was sollte man bei der Wahl von privaten Hochschulen beachten?

2015 waren in Deutschland 2.755.408 Studierende immatrikuliert.
137.800 Studierende sind an einer der 109 privaten Hochschulen eingeschrieben

So viel zu den Assessment-Centern. Aber ist eine private Hochschule überhaupt das Richtige für mich? Und was sollte man bei der Wahl der Hochschule beachten? Diese Fragen sollte man sich im besten Falle schon vor der Bewerbung und der Teilnahme am Assessment-Center beantwortet haben. Die folgenden Tipps zur Bewerbung an privaten Hochschulen stammen von Tim Kaltenborn, dem Leiter der Studienberatung der IUBH.

Achtet bei der Auswahl der Hochschule auf die Qualität und das Praxis-Netzwerk: Wie verläuft die Akkreditierung? Welche Berufserfahrung haben die Dozenten? Zeichnet sich die Hochschule durch Siegel oder Platzierungen in Rankings besonders aus? Wie sind die Kontakte zur Wirtschaft? Werden moderne Unterrichtsmethoden eingesetzt?

Warum gerade hier? Ihr solltet beantworten können, warum ihr gerade an dieser Hochschule studieren möchtet. Tauscht Euch dazu auch mit Studierenden auf dem Campus aus. Habt ihr wirklich Interesse am Fach, oder reicht nur die Abiturnote für einen anderen Studiengang an einer anderen Hochschule nicht?

Bleibt auf dem Laufenden: Informiert Euch in den Nachrichten über Politik und Wirtschaft sowie über die Branche, in der Ihr nach dem Studium arbeiten möchtet.

Nutzt die Angebote der Hochschulen: Einige Hochschulen informieren über den Ablauf der Assessment-Center und stellen Materialien zur Vorbereitung zur Verfügung und Studienberater beantworten offenen Fragen zum Bewerbungsprozess und zum Studium.

Prüft Eure Finanzierungsmöglichkeiten. Was viele nicht wissen: Auch für das Studium an privaten Hochschulen kann Bafög beantragt werden, sofern diese staatlich anerkannt sind. Zudem stehen Stipendien und Studienkredite zur Verfügung. Einige private Hochschulen bieten Finanzierungsmodelle an, bei der die Rückzahlung der Studiengebühren erst nach Abschluss des Studiums erfolgt.

Bleibt im persönlichen Gespräch authentisch. Nur so könnt Ihr auch für Euch selbst feststellen, ob Fachrichtung, Dozenten und die Hochschule wirklich passen.

 

Abschließend wüschen wir allen, die sich an einer privaten Hochschule oder eine Uni mit Assessment-Center bewerben möchten, viel Erfolg!

Titelbild: Libr – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leiden_University_Library,_Group_Study_Room.jpg

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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