Meinung / Rückblick

Warum “Die Mannschaft” nur noch auf dem Bus steht

Nach der historischen Niederlage gegen Südkorea und dem Ausscheiden nach der Gruppenphase bei der WM ist es Zeit für eine kurze Analyse. Daniel ist einer von gefühlt 80 Millionen Bundestrainern und gibt hier seine ganz persönlichen Ansichten zum Besten.
| Daniel Rublack |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Als Südkorea das 1:0 schießt, brandet hämischer Applaus auf. Die Horde von Fußballfans hadert gar nicht erst mit dem möglichen Abseits und lacht bittere Tränen, als im Replay Toni Kroos als finaler Passgeber gezeigt wird. Wie in einer guten Ehe steht man zusammen, in guten wie in schlechten Zeiten. Aber was “Die Mannschaft” bei der WM in Russland 2018 gezeigt hat, ist einfach nur peinlich.

Wo war das Engagement, wo war der Kampfgeist? Staaten wie der Iran haben sich aufgerieben, einfach alles gegeben und sind mit ehrbarem Einsatz würdig ausgeschieden. Und Deutschland? Steh-Fußball, keine Bereitschaft zu sprinten, schlampige Pässe und kaum eine Form von Koordination. Wie sagte es der Kommentator? “Sie sehen hier keine Zeitlupe, dies ist Realgeschwindigkeit.” Es ist zwar nur Sport, aber jemand, der mein Land vertritt, sollte dies doch auch bitte mit vollem Herzblut tun. Wobei es hier ja schon bei der Hymne hapert. Wenig Passion, kein Kollektiv. Ein Haufen von individuell starken Fußballern, der im Gesamtgefüge versagt. Wären es keine Deutschland-Spiele gewesen, man hätte weggeschaltet. Qualität – maximal bei den Gegnern.

Natürlich sind auch einzelne Personalien kritisch zu hinterfragen, wobei hier keiner der Spieler persönlich verantwortlich gemacht werden soll. Verloren haben sie schließlich zusammen. Die späten Wechsel von Jogi Löw haben aber mit Sicherheit viele Fans verwundert, ebenso wie die Aufstellung. Ein Sami Khedira oder Thomas Müller fernab jeder Form, unsichtbar, wirkungslos und blass. Mesut Özil, gewohnt zu kommentieren mit: “Heute ist nicht sein Tag.” War der denn jemals? Und selbst Manuel Neuer wirkte nicht so sicher wie gewohnt. Dahingegen taten sich manche Neulinge mit Mut und Einsatz hervor, wie ein fleißig ackernder Timo Werner oder der starke Julian Brandt. Es scheint also doch zu gehen!

Offene Angst vor Fehlern lähmte insgesamt das Spiel zu stark, zwei mickrige Tore und vier Gegentore bringen einen nicht einmal annähernd in Richtung Finale. Wie Italien und Spanien zuvor flog nun auch Deutschland als amtierender Weltmeister nach der Gruppenphase aus dem Turnier. Blamabel und mit Spott überzogen.

Woran es letztendlich lag, wird wohl kaum jemand sagen können. War es Arroganz, die sich in der Nicht-Ernstnahme von Testspielen offenbarte? War es der mangelnde Zusammenhalt im Team, der offensichtlich auf dem Platz durch die vielen Fehlpässe und Unstimmigkeiten zu sehen war? Oder war es der Fakt, dass Jogi Löw sich größtenteils anständig vor den Fernsehkameras benommen hat?

Sofern unsere Fußballnation wieder ganz oben mitspielen möchte, sollten sich einige Dinge ändern. Die Fans stehen hinter ihrem Team, auch wenn dieses nun zu Recht Häme und kritische Fragen ertragen muss. “Gruppenletzter, Gruppenletzter” spiegelt wohl weniger den mangelnden Respekt vor den Gegner wieder – die allesamt besser waren als wir. Vielmehr machen Fans ihrer Enttäuschung über den unmotivierten Auftritt Luft, der fast jede Form von Kampfgeist vermissen ließ.

Die Bilder jubelnder Fanmeilen sollen in Zukunft nicht nur aus dem Archiv kommen und die unangenehme Bierdusche ihre Berechtigung haben. Rappelt euch auf, Jungs, euer Land steht hinter euch! Zeigen wir der Fußballwelt, dass wir nur kurz gefallen sind. Und ein Fakt tröstet mich dann trotzdem ein wenig: Holland war gar nicht erst bei der WM dabei. ;)

Liebe Grüße an unsere Nachbarn in Orange, wir sehen uns in der nächsten Gruppenphase! Und bis dahin drück’ ich allen Außenseitern bei der WM die Daumen. Viva la Mexiko!

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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Daniel Rublack

Wollte abends mit einem Kollegen nur kurz über Filme reden und wurde am nächsten Morgen vom Wecker ans Aufhören erinnert. Besonders stolz auf seine eigene Filmsammlung und zudem passionierter Gamer. Als Student bleibt für beide Dinge ja auch genügend Zeit.

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