Studium

„Weißt du denn schon, was du nach dem Abitur machen wirst?“

Man kennt diese Frage. Man bekommt sie von Verwandten, Nachbarn, Lehrern und Mitschülern zu hören. Eigentlich ist es eine normale […]
| Amelie Haupt |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Amelie Haupt

Man kennt diese Frage. Man bekommt sie von Verwandten, Nachbarn, Lehrern und Mitschülern zu hören. Eigentlich ist es eine normale Frage, aber dennoch hat sie immer einen bitteren Beigeschmack, als ob man vor einem Gericht seine Taten oder auch Untaten rechtfertigen müsse.Kein Wunder, dass viele Jugendliche noch keinen blassen Schimmer haben, welchen Weg sie wählen möchten, wenn es doch so viele Möglichkeiten gibt. Zudem kann man niemals einen Überblick von Studienfächern und Berufsfeldern haben, da die Informationsmenge unüberschaubar ist und sich das Angebot ständig verändert.
Auch wenn man schon einen Studienwunsch gefunden hat, bleibt es vorerst doch nur ein Wunsch. Dank unseres Universitätssystems bekommt man schließlich erst ein- bis zwei Monate nach dem Abitur eine Bestätigung. Oder eben eine Absage.

Tipp 1: Mach ein Auslandsjahr.
Du wirst nie wieder so eine entspannte Zeit in deinem Leben haben.

Um diesen anstrengenden Prozess zu umgehen, empfehle ich daher eine Auszeit.
Wer 12 Jahre in der Schule gehockt hat, darf sich mal eine Pause vom starren Lernen gönnen. Meine Pause findet grade in Madrid statt und dauert schon 5 Monate an. Und ich werde auch mindestens noch 5 Monate hierbleiben. Ich arbeite als Au-Pair in einer spanisch-deutschen Familie, gehe Vormittags zur Sprachschule, treffe mich Nachmittags mit meinen Freundinnen in der Stadt und sobald sich eine Gelegenheit ergibt, verreise ich in andere Städte.

Tipp 2: Spare vorher Geld an.
Es ergeben sich immer wieder coole Aktivitäten, die du nicht verpassen willst.

Zu meiner Au-Pair-Tätigkeit muss ich sagen: Ich bin nicht allzu talentiert im Umgang mit Kindern. Ich wollte einfach nur ein Jahr in einem anderen Land verbringen. Außerdem ist der Job auch bestens für Jungs geeignet, die leider vollkommen unterrepräsentiert sind. Auch die Herren der Schöpfung können sich um Kinder kümmern und das bisschen Haushalt macht sich ja von allein. Ich sage ganz ehrlich, dass ich die Arbeit als Au-Pair nicht anspruchsvoll oder gar befriedigend finde, aber da ich ganz genau weiß, dass ich es nur für einen bestimmten Zeitraum machen werde, fallen mir doch eher die Vorteile auf.

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Und ein äußerst angenehmer Vorteil ist, dass es keinerlei Leistungsdruck gibt. Man bekommt keine Noten für die Sprache, die man lernt und es werden keine Tests über historische Ereignisse des Landes geschrieben. Meinen Au-Pair Job muss ich zwar so gut machen, dass ich mit der Familie zurechtkomme und alle zufrieden sind, aber da ich keinerlei Ausbildung habe und ebenso wenig Aussicht auf eine Beförderung, muss ich meine vereinbarten Aufgaben erledigen und alles Weitere ist freiwilliges Engagement.
Da das Au-Pair zumeist in der Familie lebt, haben dennoch beide Seiten Interesse daran, sich um ein angenehmes Klima zu bemühen.
Dass man jedoch eine zweite Familie findet, in der man sich geliebt und heimisch fühlt, ist allerdings eine sehr seltene Ausnahme. Ihr wisst, dass ihr nur für begrenzte Zeit bei der Familie wohnen werdet und die Familie weiß das ebenso. Und da viele Kinder schon an Au-Pairs gewöhnt sind, sind sie sich dessen ebenfalls bewusst.

Tipp 3: Bewirb dich für ein Studium und ein Auslandsjahr gleichzeitig.
Die meisten Unis verschieben deinen Studienbeginn, wenn du ein Jahr im Ausland verbringst. Wenn du eine Absage bekommt, macht das gar nichts. Dann hast du wenigstens mal das Bewerbungsverfahren kennengelernt.

Auch wenn man sich an den Aufgaben im Haushalt beteiligen muss, ist es doch recht angenehm, dass es eine Haushälterin gibt und man sich somit nur um einige wenige Aufgaben kümmern soll. Der Kühlschrank ist immer voll und man muss sein Budget nicht in Essen investieren. Das Gehalt, das man bekommt, ist zwar nur sehr wenig (i.d.R. 280€ pro Monat), aber dank Kindergeld und lieben Verwandten, kann man sich schon ein nettes Leben machen. Falls ihr die Gelegenheit habt, arbeitet vorher und spart Geld an. Das gilt allerdings für alle Auslandsaufenthalte. Und wenn man erst einmal woanders ist, muss man einfach die Zeit genießen und das Beste draus machen. Man kann sich neue Freunde suchen, neue Aktivitäten ausprobieren, eine Sprache erlernen oder verbessern, sich selbst besser kennen lernen und Pläne für die Zukunft schmieden. Der Abstand von Freunden und Familie zuhause hilft dabei, dass ihr sie wieder richtig schätzen könnt und wisst wer euch wichtig ist.

Tipp 4: Überlege dir Alternativen.
Es gibt über 200 Länder und verschiedenste Möglichkeiten, die Zeit im Ausland zu verbringen. Lege dich nicht fest. Jede Organisation, jede Tätigkeit und jedes Land hat seine Vor- und Nachteile.

Motiviert? Dann informiere dich über Agenturen und Organisationen. Lies Erfahrungsberichte und sammle Ideen, was du machen kannst.

Tipp am Rande: Bei sozialen Organisationen sollte man bereits ein Jahr vorher Bewerbungen verschicken, Au-Pair Dienste, kann man in den meisten Ländern und über private Kontakte sehr kurzfristig finden. Work&Travel sollte auch mindestens ein halbes Jahr vorher geplant werden, da das Beantragen der Visa etc. seine Zeit braucht.

http://www.auslandsjob.de/ – Work&Travel
http://www.weltwaerts.de/ – entwicklungspolitischer Freiwilligendienst
http://www.projects-abroad.de/projekte/sozialarbeit/ – sozialer Freiwilligendienst
http://www.aupair-world.net/ – Au-Pair Vermittlung (Internetplattform)
http://www.aupair-invia.de/ – Au-Pair Vermittlung (Organisation)

http://adelanteamigos.wordpress.com/ – Meine Erfahrungsberichte aus Madrid

Tipp 5: Hab keine Angst – du bist nicht allein.
Egal wo du hingehst, du wirst immer Menschen treffen, die in der gleichen Situation sind wie du. Probleme mit der Sprache oder der fremden Kultur hat jeder Ausländer. Es wird immer jemanden geben, der dir helfen kann. Und dank Facebook, Skype, Whatsapp und Co ist das Heimweh schnell besiegt.

 

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Tipp 6: Vergiss die „gute alte Schulzeit“.
Ja es war schön, dass du deine Freunde jeden Tag in der Schule gesehen hast. Aber diese Zeit ist vorbei und daher verpasst du nichts, wenn du ins Ausland gehst. Im Gegenteil, es verpassen nur die Leute etwas, die es nicht machen. Studium und Ausbildung können noch ein Jahr warten. Du sammelst in diesem einen Jahr garantiert mehr Erfahrung, als deine Freunde in einem Jahr ihres Studiums.

Tipp 7: Nutze die Zeit voll aus.
Egal was du machst und welchem Land du bist: Genieße die Zeit und mach alles mit, was du nur kannst. Die Zeit geht schneller vorbei, als man sich vorstellen kann.

Tipp 8: Heul nicht rum.
Wenn dir dein Job mal keinen Spaß macht oder dir deine Lebenssituation nicht gefällt, dann jammere nicht rum, sondern ändere etwas. Oder denk einfach daran, dass jeder einmal   schlechte Tage hat.

Tipp 9: Niemand kennt dich
Du kannst vollkommen frei entscheiden, wer du sein willst und wie du dich entwickelst. Niemand hat mehr bestimmte Erwartungen an dein Verhalten oder kennt deine Schwächen, also hast du die perfekte Gelegenheit deine schlechten Eigenschaften, die dich selbst stören, endlich in Angriff zu nehmen.

Tipp 10: Das Lernen neu entdecken.
Die Schulzeit ist passé. Du kannst nun selbst entscheiden was du lernst und wie du lernst.
Du hast freie Gestaltungsmöglichkeiten. Tu was dir gefällt. Geh ins Museum, lerne eine neue Sprache durch Native-Speakers oder gehe auf Reisen.
Tu was immer du willst, solange du dich dabei weiter entwickeln kannst. Es gibt keine Noten mehr und du musst dich bei keinem Lehrer einschleimen.

Mach all das, was dich interessiert und mach es, um dich selbst glücklich zu machen.

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