Bildung / Studium

Das Fernstudium oder wie ich lernte, die Einsamkeit zu bekämpfen

Ein Fernstudium unterscheidet sich grundlegend von einem Studium mit Anwesenheit. Katrin schreibt über Einsamkeit, Selbstmotivation und den Weg zum Ziel.
| Katrin Wczasek |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Damit ihr, die seitenwaelzer-Leser, auch mal einen Eindruck bekommt, wie das Leben als FernstudentIn ist, schreibe ich euch heute von meinen Erfahrungen.

Wer bin ich?

Kurz zu meiner Person: Ich bin ehemalige und erfolgreiche Fernstudentin der Umweltwissenschaften und möchte FernstudentInnen und TeilnehmerInnen an Fernweiterbildungen auf meinem Blog informieren, weiterbilden, motivieren und vernetzen. Hier berichte ich von meinen eigenen Erfahrungen und Problemen während meiner Zeit im Fernstudium.

Wieso habe ich mich fürs Fernstudium entschieden?

Die Entscheidung für das Fernstudium fiel mir tatsächlich sehr leicht. Ich wollte mich gerne in einem neuen Bereich weiterbilden, vielleicht auch umorientieren und wollte die kommende Elternzeit dafür nutzen. Nur wie man mit einem fordernden Baby neben dem Haushalt und totaler Erschöpfung auch noch ein Fernstudium organisieren sollte, hatte mir keiner gesagt. Als mein Kind ein halbes Jahr alt wurde, sah ich langsam wieder Land und konnte meine ersten Module bearbeiten. Das lief noch gut und ich hatte Spaß neben den typischen Babythemen auch Zeit für mich und mein neues Hobby, das Fernstudium, zu haben.

Wie erging es mir in meinem Fernstudium?

Dann wurde das Kind mobiler und anspruchsvoller und ich nahm meinen alten Job wieder auf. Und auf einmal hatte ich keine Zeit mehr, tagsüber in meine Studienunterlagen zu schauen und Einsendeaufgaben zu schreiben. Außerdem fühlte ich mich nach 2 Semestern Studium sehr einsam und sehnte mich nach Austausch mit Kommilitonen. Zwar hatte ich auf meinem ersten Präsenzseminar ein paar Kontakte geknüpft, aber ein regelmäßiger Austausch hatte sich nicht ergeben. Wie schön war es da im Erststudium gewesen, als man sich nach den Vorlesungen spontan auf einen Kaffee getroffen oder zusammen etwas gekocht und sich über Professoren und Dozenten ausgetauscht hatte. Dieser spontane Austausch und die Lerngruppen, die sich oft im Präsenzstudium bilden, fehlten mir wirklich sehr.

Und sich abends noch einmal zum Lernen aufraffen, anstatt entspannt ein Glas Wein zu trinken, ein Video zu schauen oder Hobbys zu frönen, war damals schwer bis unmöglich. Ich schaffte also in dieser Zeit wirklich sehr wenig und war kurz davor, mein Studium abzubrechen.

Die Halbzeit

Nach einer turbulenten Zeit im Job und einem Umzug hatte ich auf einmal sehr viel Zeit für mein Studium. Dieses unerwartete Geschenk nutzte ich, um in zwei Jahren mein Fernstudium zu beenden und unsere Familie zu vergrößern. In der Zeit hatte ich auch die Möglichkeit, zu mehreren Präsenzveranstaltungen und Jahrestreffen meines Studienganges zu fahren. Auf einmal war ich wieder motiviert, hatte mehrere interessante Kontakte geknüpft und mich zu vielen mir wichtigen Themen ausgetauscht.

Einsamkeit und Demotivation während meiner Hausarbeit

Meine Motivation war wieder ziemlich groß und ich wollte ganz schnell mein Studium vorantreiben. Also schrieb ich die obligatorische Hausarbeit während der 2. Schwangerschaft und verzweifelte wieder an mir und den Umständen. Denn ich hatte keine Kommilitonen, mit denen ich mich über die Themenfindung, schlecht erreichbare BetreuerInnen und Schreibprobleme austauschen konnte. Außerdem bemerkte ich, dass ich das Schreiben, Recherchieren und Strukturieren von wissenschaftlichen Fakten, Literatur und Texten anscheinend neu erlernen musste. Leider bot meine Fernuniversität dazu keine Kurse an und ich musste mir wieder alles selber beibringen.

Dazu darf man ja nicht vergessen, dass ich eine Familie zu versorgen und auch noch ein Sozialleben hatte. ;-)

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Meine Masterarbeit – das Ende der Einsamkeit und des Studiums

Dann stand die Masterarbeit an und ich befürchtete, diese ohne Unterstützung nicht schreiben zu können. Schon die Themenwahl, das Schreiben des Exposés und die Betreuersuche brachten mich an den Rande des Wahnsinns. Schnell suchte ich auf unserer digitalen Lernplattform nach Kommilitonen, die ebenfalls in der Masterarbeitsphase waren und Lust auf die Gründung einer Motivations- und Schreibgruppe, auch Mastermindgruppe genannt, hatten. Tatsächlich meldeten sich viele Kommilitonen und am Ende waren wir eine Gruppe von 6 StudentInnen, die sich alle drei Wochen treffen wollten. Die Treffen hielten wir natürlich, wie es sich für FernstudentInnen gehört, online ab. Wir sprachen über unsere Probleme, aber unsere Erfolge und motivierten uns, wenn nötig. Tatsächlich brachte uns der Zusammenhalt, das Verständnis und das geballte Wissen der Beteiligten sehr gut voran. Ich konnte dank dieser tollen Truppe meine Masterarbeit zeitgerecht abgeben und darf mich nun Master of Science nennen.

Fazit:

Und, was ist nun das Fazit meines Erfahrungsberichtes?

Ja, das Fernstudium macht einsam und lässt einen oft verzweifeln. Natürlich ist es teilweise der reine Wahnsinn, neben Job, Familie und Hobbys zu studieren. Aber wenn man weiß, wieso man studiert, sich gut organisieren kann und Spaß am selbständigen Arbeiten hat, ist man in einem Fernstudium richtig. Und wer es dann noch schafft, durch gezieltes Netzwerken, durch Teilnahme an Gruppen, z.B. auf Facebook, oder durch gezielte Aufrufe auf Lernplattformen, eine Lern- oder Mastermindgruppe zu gründen, wird mit Sicherheit erfolgreich durch das Studium kommen und nicht mehr einsam und unmotiviert sein.

Ein Gastbeitrag von Katrin Wczasek. Sie betreibt den Blog “Fernes Studium“.

Du willst mehr über Socializing im Studium erfahren? Hör in unseren Podcast zum Thema “Vorkurse” rein.

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Katrin Wczasek

Ich, Katrin und erfahrene Fernstudienabsolventin, möchte FernstudentInnen und TeilnehmerInnen in Fernweiterbildungen helfen, erfolgreich, motiviert und vernetzter zu werden. Ich biete unter anderem einen Blog zum Thema Zeitmanagement, Lernen und Motivation und eine Facebookgruppe zu diesen Themen an. Eine Onlineplattform mit Onlinekursen rund ums Fernstudium, der Möglichkeit beraten zu werden und sich mit anderen TeilnehmerInnen auszutauschen, ist außerdem in Planung.

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Eine Antwort zu “Das Fernstudium oder wie ich lernte, die Einsamkeit zu bekämpfen”

  1. Danke. Ich beschäftige mich mit dem Gedanken im kommenden Jahr ein Fernstudium aufzunehmen. Noch bin ich hin und her gerissen und wäge Vor- und Nachteile ab. Da ist es praktisch eine Meinung zu lesen, von jemanden, der Erfahrung zu diesem Thema hat. Viele mit den ich darüber geredet habe, u.a. auch meine Familie, haben zwar eine Meinung doch keinerlei praktische Erfahrung

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