Bildung und Karriere / Buchkritik

Das soziale Tier – eine Buchempfehlung

"Das soziale Tier" von David Brooks ist ein Buch, zu dem ich eine Liebesbeziehung aufgebaut habe. Warum ihr dieses Buch auch lesen solltet? Ganz einfach.
| Jasmin Larisch |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Jasmin Larisch

“Es gibt Bücher, die liest man, die versteht man, und man kann danach sagen „Schön, das war toll und unterhaltsam“ aber mehr auch nicht.
Und es gibt Bücher, die liest man, nein, die verschlingt man und sie haben das Zeug, dein Leben zu verändern – zumindest teilweise!”, formulierte ich es einmal, um einer Freundin eine wichtige Erkenntnis nahezubringen.

Denn Letzteres trifft für mich auf dieses Sachbuch von dem New- York- Times-Redakteur David Brooks zu, welches 2011 in der amerikanischen Originalfassung „The social animal“ erschienen ist. In den USA wurde es binnen Wochen zum Bestseller, bis es zu uns nach Deutschland überschwappte.

Eine Liebesbeziehung zu einem Buch? Naja, ich geb’s zu, man kann es so nennen.
Jedoch gibt es gute Gründe dafür, warum ich dieses Buch nicht nur zigtausend KommilitonInnen und Freunden empfohlen und geschenkt habe, sondern auch selber viele „Aha!“- Momente meines Lebens mit Zeilen aus diesem Buch in Verbindung bringe. Dies ist der Grund, warum ich es nun auch mit Euch teilen möchte.
Diese romantische Beziehung begann für mich bereits Ende 2014, als ich das Buch meinem Vater quasi unter’m Weihnachtsbaum wegschnappte. Es war also nicht einmal für mich bestimmt und trotzdem oder (gerade deshalb?) verschlang ich bereits einige Seiten am selbigen Abend und eine Lovestory begann, die mich seitdem begleitet und mich hoffentlich auch lebenslang begleiten wird. Aber nun einmal zum Buch selber, und warum es das Zeug hat, auch Euch einige lebenslange Erkenntnisse beisteuern zu können.

David Brooks erklärt im „sozialen Tier“ anhand von Lebensläufen zweier fiktiver Charaktere, wie sich unser Menschenbild innerhalb der letzten Jahrzehnte rasend verändert hat. Er vereint anhand der Lebensentwürfe der Charaktere “Harald und Erica”, wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Psychologie, Neurologie, Ökonomie, Soziologie, der Verhaltensforschung, Kulturphilosophie und Anthropologie. Viele denken nun beim Begriff „Sachbuch“ an schwergängige, umständlich formulierte dicke Schmöker (dick passt schon mal, immerhin fasst das Buch stolze 556 Seiten), jedoch schafft es Brooks, durch seine verständliche und beispielhafte sowie humorvolle Sprache wissenschaftliche Fachtermini und Alltagssprache zu vereinen. Es veranschaulicht auf eine höchst interessante Weise die menschliche Natur und erläutert auf Basis von neuester Forschung, dass wir eben nicht die rationalen Wesen sind, für die wir uns gerne halten, sondern primär „Produkte unserer unbewussten Denkprozesse sind“. Wir sind von Geburt an, und durch unsere Lebensphasen permanent und unterbewusst von sozialen Beziehungen, Liebe und Angst, Lernen und Moral sowie dem Streben nach Glück geprägt und sind somit stets geleitet von den Emotionen unserer Erfahrungen.

Brooks beschreibt das „Ziel“ seines Buches unter anderem so, dass er eine interdisziplinäre Ebene schaffen möchte, und somit eine Brücke zwischen der Wissenschaft und den Erfahrungen eines jeden einzelnen individuellen, wirklichen Lebens.

In dem Buch erklärt David Brooks unter (vielem) anderen:
…Warum „Multitasking“ aus neurowissenschaftlicher Perspektive gar nicht möglich, bzw. unnütz ist, da das Gehirn erst in einem konzentrierten Bewusstseinsstrom seine volle Effizienz vollbringen kann
….Warum politische Macht und damit Souveränität nichts Weiteres beinhaltet, als das Schnüren von Emotionspaketen, die dem Wähler systematisch im Wahlkampf angeboten werden (also erklärt er damit auch, warum z.B ein menschlich, moralisch und empathisch höchst ungeniertes Geschöpf wie Donald Trump es schon fast geschafft hat, Präsident der USA zu werden)
….Warum 90% der emotionalen Kommunikation nonverbal ablaufen, und wir damit innerhalb von Sekunden abschätzen und zeigen können, dass wir eine Person attraktiv finden
….Warum wir ab unserer Geburt von Spiegelneuronen geleitet sind; d.h warum wir unser Handeln unterbewusst nach den Aktivitätsmustern anderer ausrichten…Warum wir unsere Berufung nur durch praktisches Ausprobieren finden können, da wir erst durch das Gefühl einer Situation sagen können, ob sie sich stimmig anfühlt oder nicht.

Damit sind nur einige von enorm vielen Erkenntnissen genannt, die nicht nur Menschen wie mir, mit einem Faible für kultur- und sozialwissenschaftliche Themen gefallen, sondern sicherlich für jedermann verblüffende und interessante Denkanstöße bereithalten werden.

Dieses Buch ist ein allround-talent. Es ist eben nicht ein typisches, amerikanisches Buch, welches den „american-dream“-Ethos antreiben möchte, und eine Art “Lebensratgeber” darstellen will. Das, was man als Leser daraus macht ist natürlich jedem selber überlassen. Das Buch gibt einen optimistischeren Blick auf das alltägliche Leben – und so soll es auch bei euch geschehen.

Um es mit Brooks Worten zu formulieren: „Unbewusste Emotionen haben zwar eine Vormachtstellung, aber keine diktatorische Alleinherrschaft […]. Die Vernunft kann den Tanz nicht aus eigener Kraft ausführen, aber sie kann den Anstoß dazu geben und einen steten und subtilen Einfluss ausüben“.

Und hiermit gebe ich Euch einen Anstoß Euch auf diese emotionale Reise zu begeben! Vielleicht findet ihr das Buch in Eurer Uni-Bibliothek oder ihr investiert in Eure eigene Literatursammlung. (Letzteres wird sich in jedem Fall lohnen, ich hab’ auf fast jeder Seite Zitate markiert…) Viel Spaß beim Lesen!

 

Hier gibt’s das Buch zu kaufen (*Produktlink)

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Jasmin Larisch

Hej! Ich bin Jasmin, von meinen Freunden meist 'Mini' genannt, bin 21 Jahre alt und studiere seit Herbst 2015, Soziologie und Kultur-und Sozialanthropologie (=KuSA) an der WWU. Münster hat es mir sehr angetan- Unileben, Kultur, Kunst, junge interessante Leute überall! Das Leben als Studierender ist aufregend, bunt, vielseitig und manchmal echt tricky- so hoffe ich, zusammen mit meinem Team, euch ein paar Tipps und Anstöße geben zu können. Seit 2015 bin ich deshalb als freie Autorin bei seitenwaelzer.de und habe nach wie vor viel Freude daran. Viel Spaß beim Lesen!

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