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Der Baba Jaga in Wüste & Blutrausch – Kinoreview “John Wick: Kapitel 3”

Hier können selbst Bücher tödlich sein. Der Action-Kracher des Jahres färbt die Straßen New Yorks blutrot und lässt den Boogeyman gegen ganze Busladungen von Gegnern antreten.
| Daniel Rublack |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

©John Wick: Chapter 3 - Parabellum | Summit Entertainment

Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor.

Tick-tack, tick-tack. Ein Mann hechtet durch den Regen. Er blutet, ist verletzt und ihm bleibt nicht mehr viel Zeit. In wenigen Minuten ist er exkommuniziert und eine Stadt voller Killer wartet nur darauf, sich das Kopfgeld in Höhe von 14 Millionen US-Dollar zu holen. Tick-tack, Tick-tack. Deine Zeit läuft, John.

Der Kinosaal ist komplett besetzt, die Atmos-Anlage läuft auf Hochtouren und das Publikum hat richtig Bock auf den Action-Kracher des Jahres. Die Karten sind seit Wochen ausverkauft und der Termin seit Monaten in meinem Kalender markiert. Es kommt ähnlich, wie ich es 2017 – nach dem Kinobesuch von Kapitel 2 – prophezeite: „Und wenn er sich 90 Minuten lang verschanzt und alle umbringt, ich bin dabei!“

Der Mann. Der Mythos. Die Legende.

Der Regen hüllt das abendliche New York in einen düsteren Schleier. John Wick: Kapitel 3 beginnt genau dort, wo der vorherige Teil aufgehört hat. Den Atem seiner Verfolger spürt der Baba Jaga bereits heiß in seinem Nacken und so dauert es nicht lange, bis sich John eines ersten Angriffs erwehren muss. Schon hier zeigt sich, dass den Zuschauer ein Meisterwerk absolut kompromissloser Gewalt erwartet. Wie der Boogeyman seinen Gegner mit einem Buch ins Jenseits befördert ist brutal und anmutig zugleich. Das FSK 18 wird bereits nach einer Viertelstunde voll ausgereizt und die Straßen von NYC färben sich blutrot.

©John Wick: Chapter 3 – Parabellum | Summit Entertainment

Nach einigen phänomenalen Action-Sequenzen mit ordentlich Pferdestärken – voll in die Fresse – beruhigt sich der Film zunächst etwas, um an seiner Geschichte zu arbeiten. Eine Richterin der hohen Kammer sorgt für Ordnung, bestraft Verfehlungen der Mitglieder und organisiert die weitere Jagd auf den Mann, den Mythos, die Legende. Unterdessen fordert John einige alte Gefallen ein, denn er weiß: Töten alleine wird seine Probleme nicht lösen. Diese Strategie passt zur intelligenten Art des Ex-Killers, welcher dem Geschäft bereits den Rücken gekehrt hatte und nur aufgrund besonderer Umstände erneut zur Waffe griff. Wir erfahren mehr über die Herkunft und Vergangenheit des Baba Jaga, wobei dieser Abschnitt ein wenig zu lang geraten ist. Das folgende Massaker hätte ebenfalls zehn Kopfschüsse weniger vertragen, dennoch ist das blutige Kampfballett mit Sofia und ihren bissigen Schäferhunden ein echtes Brett. Respekt an Halle Berry, die knallhart ihre Feinde das Zeitliche segnen lässt.

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Ich brauche mehr Feuerkraft!

Das größte Manko an der Geschichte offenbart sich dann innerhalb der Wüste, wo dem Zuschauer eine eher mäßige Problemlösung und vor allem recht spät deren motivale Aspekte präsentiert werden. Schlussendlich verschlägt es John aber wieder nach New York. Spätestens hier liefert der Streifen erneut genau das, was von ihm erwartet wird: Jede Menge brachialer Action. So wird dem Begrüßungskomitee in der Central Station zügig die Kehle aufgeschlitzt, während danach die Verstärkung von ihren Motorrädern gesäbelt wird. Dass dabei gefühlt jeder Zweite im professionellen Tötungsgewerbe arbeitet und öffentliche Gewaltexzesse niemanden ernsthaft stören, sollte man im Rahmen eines Action-Universums verkraften können.

©John Wick: Chapter 3 – Parabellum | Summit Entertainment

Wenn dann ganze Busse voller Profikiller angereist kommen, um John Wick zu töten, lässt sich nur noch von totaler Eskalation sprechen. Zweifelsohne ist Kapitel 3 der bisher brutalste Teil der Reihe – die Amerikaner sprechen von pervasive strong violence – und nur für Erwachsene geeignet. Panzerbrechende Munition lässt Köpfe förmlich explodieren, Menschen werden wie Sushi zerteilt und selbst alltägliche Gegenstände werden zu tödlichen Waffen. Dabei hält die Kamera auf blutigste Elemente voll drauf und ermöglicht durch viele Totalen einen guten Überblick in jeder Action-Sequenz. Kampfkunst-Fans können sich besonders auf die Konfrontation von John Wick und „Mad Dog“ sowie „The Assassin“ – aus den großartigen The Raid 1 & 2 – freuen. Euch erwartet Hand-to-Hand-Combat der Extraklasse! Allgemein beinhaltet der Streifen einige clevere Anspielungen, seien es nun Cameos, Waffen oder Referenzen zu Werken wie Matrix.

Optisch agiert Kapitel 3 ähnlich wie seine Vorgänger. Das stylische Neon-Blau fehlt ebenso wenig wie spektakuläre Sets. Ob Wüste, Central Station oder erneut coole Installationen mit Glas, getötet wird wirklich überall. Die Effekte sind gewohnt handgemachter Natur und vermischen sich untrennbar mit einiger Computerarbeit. Unterstützt wird das Ganze von einem wuchtigen Sound. Wenn etwas bricht, dann auch mit lautem Krachen! Und wird eine Kugel abgefeuert, dann soll sie auch hörbar töten. Badass trifft es für den Soundtrack sowieso am besten.

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Es war nicht nur ein Hund für mich.

Innerhalb von nur einer Woche – Zeit im Film – hat John Wick den Tod seines Hundes gerächt, wurde verraten und flieht nun vor dem Leben, das er eigentlich längst hinter sich gelassen hatte. In Kapitel 3 sieht er sich unzähligen Feinden gegenüber, welche er auf brutale und teils sehr kreative Art und Weise ins Jenseits befördert. Emotional erreicht dieser Eintrag nicht das Level des Erstlings, trotzdem funktioniert die Geschichte bis auf Ausnahmen als solide Grundlage. Die 130 Minuten sind etwas zu lang geraten, bieten aber eine Menge phänomenaler Action, coole Sets und einfach genau das, was zu erwarten war: Keanu Reeves alias John Wick, der in einem Blutrausch halb New York unter die Erde bringt. Wer also dem Baba Jaga auf seinem Weg weiter folgen möchte, sollte sich dieses brutale Action-Spektakel des Jahres keineswegs entgehen lassen!

8/10 Blutbad-Punkten.

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Daniel Rublack

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