Kultur und Lifestyle / Meinung

Eine Baustelle für Vollidioten – Der Video-Assist

Die Fußballsaison 2018/19 ist noch jung, doch schon erhitzt ein Thema wieder die Gemüter: Der Video-Assist. Zwischen Chaos und Totalausfällen stellt sich die Frage: Abschaffen oder Beibehalten?
| Daniel Rublack |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Junge, jetzt krieg’ ich jetzt langsam hier, werd’ ich aber ein bisschen wild hier, langsam.

Wissen doch, was so ein Kran wiegt? Mit den Worten von Ronny Schäfer lassen sich viele Situationen ideal beschreiben. Greift der Schiedsrichter sich mal wieder ans Ohr oder malt das fatale Viereck in die Luft, bekomm’ ich persönlich das kalte Kotzen.

Nein. Das geht so nicht.

Eigentlich sollte der Video-Assist das Spiel fairer machen. Und die Idee ist wirklich gut, denn wenn Millionen von Zuschauern auf ihren Endgeräten in fünf unterschiedlichen Zeitlupen die Möglichkeit haben zu sehen, was tatsächlich Sache ist, der Schiedsrichter auf dem Feld aber nicht, läuft irgendetwas gewaltig schief! Seit der Saison 2017/18 stehen dem Unparteiischen deswegen diese Bilder ebenfalls zur Verfügung. Auf einem Monitor kann er sich das Material selbst ansehen, welches ihm von einem Team aus Köln zur Verfügung gestellt wird. In der Domstadt kommen 28 Video-Assistenten zum Einsatz, alle speziell geschult und ehemalige Schiedsrichter. Sie analysieren auf Abseits, Handspiel und Co. und sollen damit den Unparteiischen unterstützen, welcher am Ende die letztendliche Entscheidung trifft.

Ist doch lächerlich, oder?!

Wann greift der Video-Assist nun eigentlich ein? Spannende Frage, denn so richtig weiß das irgendwie keiner. Laut DFL kann der Kontakt sowohl vom Schiedsrichter auf dem Platz als auch von Köln ausgehen. Folgende vier Situationen sind dafür möglich:

Das Problem besteht allerdings darin, dass mittlerweile jede Kleinigkeit vom Video-Assist überprüft wird. Erzielt ein Team nach einem unrechtmäßig zugesprochenen Einwurf ein Tor, wird so etwas überprüft. Dass hier eine neue Spielsituation vorliegt, scheint kaum von Interesse. Andererseits greift der Video-Assist nicht ein, wenn ein Elfmeter gegeben wird, der keiner war. Bestes Beispiel, die Eröffnungspartie der Bayern gegen Hoffenheim (3:1) am 24. August 2018. In der 82. Minute gibt der Unparteiische beim Stand von 1:1 einen Elfmeter für die Roten, angeblich wegen eines Fouls im Strafraum. In den Zeitlupen ist klar ersichtlich, dass der Gegenspieler weder den Ball noch den Münchener trifft. Logische Schlussfolgerung: Der Video-Assist muss den Schiedsrichter auf seinen Irrtum hinweisen. Denkste! Weil angeblich keine klare Fehlentscheidung vorlag, habe der Video-Assist nicht eingegriffen. Verstehe wer will, denn den Fehler erkennt selbst ein Laie. Wohl zum Trost wurden die Hoffenheimer um ein Tor der Bayern erleichtert, bei welchem angeblich ein Handspiel vorlag. Auch hier sieht jeder Fan, dass sich der Spieler vom Ball wegdreht, den Arm anlegt und angeschossen wird, was zum Tor führt. Absolut regelkonform, hier greift jedoch der Video-Assist ein. Verrückte Welt!

Jetzt reicht´s mir langsam! 

Die Saison 2017/18 war eine Katastrophe, für den Video-Assist, aber vor allem für die Fans. Unbeschwert jubeln konnte keiner wirklich, manchmal wurden Tore nach etlichen Minuten wieder aberkannt. Fair? Eventuell. Leidenschaftlich? Definitiv nicht! Radioreporter vermeldeten Tore nicht mehr mit großem Geschrei, sondern mit einem “Hier wird noch geprüft”. Stimmung? Fehlanzeige. Minutenlange Unterbrechungen sorgten zudem für eine Zerstörung des Spielflusses. So macht es wenig Spaß!

Stop, stop! Wat macht ihr denn hier? Wat macht ihr, seid ihr beide zu doof dafür?

Berechtigte Frage. Wie schafft man es, trotz zwei Kontrollinstanzen, immer noch eine so hohe Fehlerquote zu produzieren. Die Schiedsrichter möchte ich hier einmal in Schutz nehmen, denn diese sind generell die Buhmänner und werden durch das ständige Eingeifen des Video-Assist nur verwirrt. Als Menschen machen sie eben Fehler, damit muss man klar kommen. Weniger nette Worte habe ich allerdings für die Kellerkontrolleure aus Köln. Ja, knifflige Entscheidungen mag es durchaus geben, aber hier wird ja stellenweise der einfachste Mist nicht richtig gerochen. Und wenn sich die Herren des Video-Assistent-Center (VAC), wie sich der Laden nennt, über die Entscheidungen des Schiedsrichters auf dem Platz hinwegsetzten, was ausdrücklich in den Regeln nicht erlaubt ist, platzt mir langsam der Kragen. Tatsachenentscheidung rote Karte, aber der Video-Assist hätte gern Gelb. Laut Regelwerk kein Grund einzugreifen, der Kölner Keller erwirkt trotzdem eine Änderung. Bei der nächsten Nummer wird der Spieß umgedreht, hier wird aus Gelb Rot. Verwirrt?! Der Unparteiische auch, denn bei der nächsten Karte zieht er versehentlich Rot statt Gelb, erkennt seinen Irrtum allerdings sofort und korrigiert sich selbst. Vielleicht darf´s demnächst dann auch die grüne Karte sein, wenn die Herren aus dem Keller dies fordern?!

Die Leute kommen einfach ihrer Arbeit nicht nach. 

Ist der Video-Assist ein Modell für die Tonne? Wohl kaum, denn die Weltmeisterschaft in Russland 2018 hat gezeigt, dass bei klaren Vorgaben zu Einsatz und Verwendung der Video-Assist genau das macht, wofür er gedacht ist: Das Spiel wird fairer. Zugegeben, kein System ist perfekt, die Fehlerquote wird allerdings drastisch reduziert. Es scheint also doch zu klappen.

Das ist hier ‘ne Baustelle für Vollidioten.

Für mich steht fest: Abschaffen den Mist! In seiner jetzigen Form ist der Video-Assist eine Belastung für Spieler, Trainer, Schiedsrichter und insbesondere die Fans. Es mag sein, dass er vielfach Entscheidungen richtig korrigiert hat, aber die Fehlerquote ist einfach noch zu hoch. Der Video-Assist versagt in etlichen Bereichen, sowohl technischer als auch menschlicher Natur. Und verstehen tut ihn auch keiner wirklich, denn die Regeln werden subjektiv ausgelegt. Fairness erzeugt man so nicht! Zügig ausbessern und die Fehlerquote auf ein absolutes Minimum beschränken oder schlicht in die Tonne treten, es gibt keine weitere Alternative! Ach ja, die Montagsspiele könnte man direkt mit entsorgen.

Gar nichts. Zusammenpacken. Ende.

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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Daniel Rublack

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