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Ist Zeus Out?

Die griechische Mythologie ist Tausende von Jahren alt und half den Menschen in der Antike dabei, die Welt und ihre Naturereignisse zu verstehen. Sie findet auch heute noch verschiedene Wege in den Alltag der Menschen.
| Felicia Holtkamp |

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Pexels, Antonio Filigno

Die griechische Mythologie ist Tausende von Jahren alt und half den Menschen in der Antike dabei, die Welt und ihre Naturereignisse zu verstehen. Blitze schossen vom Himmel, wenn der Göttervater Zeus wütend war. Die verschiedenen Jahreszeiten bestimmte die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Der Sonnengott Helios lenkte seinen Sonnenwagen über den Himmel und erzeugte somit Tag und Nacht. Heute können Blitze, Jahreszeiten und der Sonnenverlauf wissenschaftlich erklärt werden. Trotzdem findet die griechische Mythologie auch heute noch verschiedene Wege in den Alltag der Menschen. Für einige wie den Hellenisten Stilian Ariston Korovilas ist der Glaube an die griechischen Götter, also die Religion des Hellenismus, sogar fester Bestandteil des eigenen Lebens.

Griechische Mythologie in der Unterhaltungsbranche

Seit der Renaissance, der Rückbesinnung auf die Antike verwenden Autoren wieder vermehrt Elemente der griechischen Mythologie in ihren Werken. So haben die meisten bewusst oder unbewusst bereits ein Buch gelesen oder einen Film gesehen, in denen Elemente aus der griechischen Mythologie eine zentrale Rolle spielen. Als Beispiel lässt sich der Disney Klassiker ,,Hercules“ nennen. Wem diese Umsetzung der Sage um Herkules zu kindisch ist, kann sich an der deutlich brutaleren Version mit Dwayne Johnson als Herkules erfreuen. Der Film ,,Troja“ mit der Starbesetzung um Brad Pitt, Orlando Bloom und Diane Kruger basiert auf Homers tausend Jahre altem Buch die ,,Ilias“ und -Spoilerwarnung- dem Untergang Trojas. Auch einen großen Erfolg feierte die Buch- und Filmreihe ,,Percy Jackson“, die dem eigentlich eher jähzornigen Gott Poseidon eine liebevolle Vaterrolle zusagt. Weitere Bücher wie ,,die Götter Girls“ und ,,Helden des Olymps“ finden schnell den Weg ins Bücherregal der Kinderzimmer und in deren Herzen. In zahlreichen Filmen und Büchern werden kleinere oder auch größere Elemente aus der griechischen Mythologie aufgenommen. Selbst J. K. Rowling bedient sich an den alten Sagen und nennt die Zentauren (halb Mensch, halb Pferd) als eines der ungeheuren Wesen im verbotenen Wald. Das Rätsel der Sphinx im Labyrinth beim Trimagischen Turnier hat nicht Harry als erster beantwortet, sondern Ödipus, der König von Theben. So kennen die meisten die Antwort auf das Rätsel der Sphinx: Was geht morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen?

Griechische Mythologie in der Werbung

Nicht nur die Unterhaltungsbranche, sondern auch Firmen greifen auf die griechischen Götter zurück, um ihren Produkten bestimmte Eigenschaften mitzugeben. Der Götterbote Hermes arbeitet jetzt als Paketbote und verspricht Schnelligkeit und Zuverlässigkeit. Die Bio-Produkte ,,Demeter“ stehen für Qualität, Frische sowie biologischen Anbau und sind nach der Göttin der Fruchtbarkeit und Ernte benannt. Dass der Demeter-Verband häufig in der Kritik steht, eine esoterisch-anthroposophische Ausrichtung zu haben, lässt sich allerdings nicht auf die Göttin rückschließen. Zahlreiche Weinverkostungen bedienen sich an dem Namen des stets betrunkenen und immer lustigen Gottes Dionysos. Apollon ist der griechische Gott des Lichtes und steht somit für Klarheit, aber auch Lichtbrechung – der perfekte Name für das Optikgeschäft Apollo. Zuletzt lässt sich noch Poseidon aufführen, denn alles ,,Wässrige“ -egal ob Wasserrutschen, Wasserflaschen oder Schwimmbäder- wird häufig nach ihm benannt.

Die Religion des Hellenismos

Der Glaube an die griechischen Götter hat sich bis auf eine kleine Anzahl an Menschen weitestgehend verflüchtigt. Doch auch heute noch gibt es die Religion des Hellenismos. Deren Anhänger, die Hellenisten, glauben an die 13 griechischen Götter. Der Glaube ist vor allem in Griechenland mit 35.000 bis 40.000 Anhängern vertreten. 

Wir haben den Hellenisten Stilian Ariston Korovilas zur Aktualität des griechischen Glaubens befragt. Korovilas fand vor 10 Jahren zum Hellenismus. ,,Außerhalb Griechenlands dürften es um die 10.000 Hellenisten sein, davon 150 Gläubige in Deutschland.“, erzählt Korovilas. ,,Hellenische Organisationen mit Kultgemeinschaften gibt es in Griechenland, Zypern und den USA.“. Der Hellenist bringt täglich den Hausgöttern Opfer dar. Klassische Opfergaben sind Milch, Wein, Honig, Kuchen, Getreideprodukte und Weihrauch. ,,Sehr viele Opfergaben müssen verbrannt werden [und] die Opfergaben an die Götter und Dämonen der Unterwelt werden bspw. in die Erde bzw. in einen Graben gegossen.“, erklärt Korovilas. Darüber hinaus gibt es auch noch weitere Praktiken, die der Hellenist nur anwendet, wenn er ein bestimmtes Anliegen hat. ,,Wenn ich beispielsweise ein gesundheitliches Problem habe, wende ich mich an Asklepios und bitte ihn, mir zu helfen, mit der Krankheit vernünftig umzugehen, mich nicht von Angst leiten zu lassen und darüber hinaus den Ärzten zu helfen, die richtige Diagnose und Behandlungsmethoden zu finden“. Folglich rückt in bestimmten Fällen und bei besonderen Anlässen, die unter den Zuständigkeitsbereich eines bestimmten Gottes fallen, dieser Gott dann auch ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Im Hellenismos gibt es keine vorherrschende Meinung zum Tod oder dem Jenseits. Korovilas ist der Meinung, die Vorstellungen, die jemand über den Tod hegt, hängen eher von seiner philosophischen Zugehörigkeit ab. ,,Der Platoniker hat eine andere Sicht auf den Tod als beispielsweise der Stoiker [und] es gibt keine Lehre, die vorgibt, was darüber zu denken ist“. Grundsätzlich spielt der Tod im Hellenismos keine relevante Rolle und auch Korovilas meint: ,,Wenn unser Lebensfaden abgeschnitten wird, kann nichts Schlechtes geschehen, weil es dem natürlichen Gang der Weltordnung dient. Daher ist der Tod nicht zu fürchten, die Toten, sofern eines friedlichen Todes gestorben, nicht zu bedauern. Zu bedauern sind eher die Menschen, die ihr Leben nicht gelebt und daher bereits im Leben gestorben sind.“

Sowohl die griechische als auch andere ethnische Mythologien sind Teil unserer Erinnerungskultur und somit heutzutage immer noch relevant. Sie können die Wirklichkeit reflektieren, aber auch Aufschluss über Völker sowie kulturellen Austausch ermöglichen. ,,Zeitgebundenes scheint hier mit dem Zeitlosen verwoben zu sein, singuläre historische Ereignisse mit der zeitlosen Natur des Menschen, zumindest jener überpersonalen Natur, die allen Menschen gemein ist und das spezifisch Menschliche darstellt“, davon ist Korovilas überzeugt. ,,Mythos ist also nicht allein Interpretation oder Sinnstiftung, sondern vor allem Welterfahrung. Die Mythologie ist ein Quell der Erfahrung, der menschlichen Weisheit und Werteorientierung.“, sagt Korovilas ,,In diesem Sinne ist der Mythos genauso aktuell wie die Psyche und der Kosmos.“

Die Aktualität der griechischen Mythologie

Zeus ist also alles andere als out! Im Gegenteil, seine Götterfamilie und er feiern gerade in der Werbung ein großes Comeback, denn die jeweiligen Attribute der Götter werden immer wieder aufgegriffen und neu verwendet. Obwohl die griechischen Mythen Tausende von Jahren alt sind, bleiben die tragischen Liebesgeschichten, die heroischen Kämpfe und der Einfluss der Götter auf die Menschen aktuelle Themen, deren Storyline sich häufig in Filmen wiederfindet.
So begegnen wir im Alltag dennoch den griechischen Göttern, auch wenn Poseidon keine Tsunamis erzeugt, Amor seine Liebespfeile wohl nicht auf die Menschen abschießt und Hades nicht in der Unterwelt auf uns wartet.

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Felicia Holtkamp

Angehende Journalistin im Online-Studium mit vielseitigen Interessen von der griechischen Mythologie und Sternzeichen über Reisen und Kulturen bis zu Game of Thrones und True-Crime-Fällen. Mein Patronus wäre ein Löwe.

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