Gesellschaft und Lifestyle

Just do it – einfach mal anfangen

„Just do it“. Dies ist der Slogan einer Sportbekleidungsmarke und kanndirekt auf unser Thema der Woche bezogen werden. Aber warum ist das so schwer?
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Robin Thier

„Just do it“. Dieser Spruch ist der Slogan einer bekannten Sportbekleidungsmarke und kann fast direkt auf unser Thema der Woche bezogen werden. Aber warum ist dieses Motto viel schwieriger umzusetzen, als es scheint?

„Tu es einfach“. Wie simpel wäre die Welt, wenn wir diese Lebenseinstellung stets an den Tag legen würden, anstatt uns Gedanken zu machen oder eine Balance zwischen Motivation, eigenen Fähigkeiten und Selbstüberwindung finden zu wollen. Einfach anfangen – schön wäre es. Aber woran liegt es, dass wir uns so selten motivieren können und zwar grandiose, weltverändernde Gedanken haben, diese aber selten wirklich umsetzen? Fehlt es uns an Energie oder Kraft? Ganz so simpel ist es nicht.

Manche Menschen sind einfach Macher und andere eher Denker. Bei diesen Stereotypen fängt es schon an, dass man sich selbst demotiviert und sich zu einer Gruppe von Menschen zählt, die einfach nicht anfangen können, sondern stattdessen großen Gedanken den Vorzug geben. Aber wie kam es zu dieser strikten Unterteilung von Machern (Doer) und Denkern (Thinker). Ursprünglich geht die Klassifizierung auf den Psychologen und Soziologen John L. Holland zurück, der Ende der 1950er Jahre sein Person-Umwelt-Modell der beruflichen Interessen vorstellte. Dieses Model mit dem Namen „RAISEC“ beschreibt, dass Menschen vor allem Berufen und Tätigkeiten nachgehen, die einem bestimmten Umfeld zugeordnet sind, das sich mit ihren Interessen deckt. RAISEC unterscheidet nach R (realistic: handwerklich-technische Interessen), I (investigative: forschende-intellektuelle Interessen), A (artistic: künstlerische Interessen), S (social: soziale Interessen), E (enterprising: kaufmännisch-unternehmerische Interessen) und C (conventional: konventionelle, verwaltenden Interessen). In seiner Ausarbeitung nannte Holland die Personen im Tätigkeitsfeld „realistic“ auch „Doers“ und die investigativen Typen bezeichnete er als „Thinkers“.

https://psyfan.wordpress.com/tag/riasec/
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Quelle: https://psyfan.wordpress.com/tag/riasec/

Hier haben wir also den Begriffsursprung. Mit dieser Trennung sollte jedoch nicht gesagt werden, dass sich Menschen so leicht in Schubladen stecken lassen, denn es sind viele Kombinationen des Modells möglich, so gibt es Typen, auf die am ehesten die Buchstabenkombination „ASE“ (“Artistic”, “Social”, “Enterprising”) zutrifft. Angesichts eines zunehmend komplexen Arbeits- und Ausbildungsmarktes verliert dieses Modell jedoch an Bedeutung, da sich bei tausenden von Studiengängen kaum noch eine Klassifizierung vornehmen lässt. Aber das soll für uns nicht von Bedeutung sein. Fakt ist, dass die Begriffe des Machers und des Denkers von diesem Modell abgeleitet werden und es gerade nicht bedeutet, dass Macher nicht nachdenken und mit dem Kopf durch die Wand rennen, während Thinker große Ideen haben, diese aber nicht umsetzen. Im Gegenteil: Über die „Thinker“ schreibt Holland

People who are “intellectual, introspective, […] inquisitive […] curious, methodical, rational, analytical, and logical.” They prefer “tasks that are scholarly, scientific, technical, or medical [… and] activities that involve thought, observation, investigation, exploration, and discovery […] They like to solve problems, perform experiments, and conduct research.”

Im Volksmund hat sich nach und nach dann die plumpe Klassifizierung in die beiden oben genannten Kategorien eingestellt und wird seitdem als Wesensmerkmal verteilt. „Aber, wenn ich nicht einfach nur ein Thinker-Typ bin, warum bekomme ich meine Ideen dann trotzdem nicht umgesetzt und warum schaffen andere das scheinbar so leicht?“ Eine berechtigte Frage! Zunächst einmal muss man festhalten, dass Arbeit, egal ob kreativer, kognitiver oder physischer Art, niemandem leicht von der Hand geht. Aber vielleicht haben andere Menschen einfach einen anderen Bezug oder eine andere Motivation, als man selbst. Der Motivator spielt bei allem, was wir machen eine wichtige Rolle und oft ist diese stärker, als man annimmt: Das Gehirn funktioniert nach einem Belohnungssystem und schnelle, einfach zu erreichende Belohnungen werden bevorzugt. Ein Gemälde zu malen, einen Tisch zu bauen oder einen Text zu schreiben, das benötigt viel Zeit und Geduld und es können Monate vergehen, bevor jemand das Werk lobt oder man es für viel Geld verkaufen kann. Dabei kommt noch erschwerend hinzu, dass man immer mal wieder Phasen hat, in denen etwas nicht funktioniert und man sogar von vorn beginnen muss. Das hat zur Folge, dass man schnell abdriftet. Warum nicht anstelle des Bildes, das sowieso nie fertig zu werden scheint schnell ein Foto auf Instagram posten, das innerhalb von Minuten zehnfach geliked wird? Oder etwas Leckeres kochen und danach sofort verspeisen? Genau diese Handlungen bezeichnet man als Prokrastination. Man zieht kleine, schnelle Belohnungen und leichte Aufgaben denen vor, die uns erst in ferner Zukunft, wenn überhaupt, eine Belohnung verschaffen. Man könnte sich an dieser Stelle fragen, warum es denn Künstler gibt, die ihr ganzes Leben lang Bilder oder Skulpturen produzieren, ohne diese jemandem zu zeigen. Hier ist nicht etwa das Belohnungssystem kaputt, sondern sie sehen ihre Belohnung und ihre Befriedigung in der Tätigkeit selbst. Sie können aber trotzdem am Ende einer langen Schöpfungsperiode auf das fertige Werk schauen und sind von Stolz erfüllt. Wie bereits angemerkt, das muss nicht heißen, dass ihnen der schöpferische Vorgang leicht vorkam.

Ich möchte mit diesem Text vor allem eines sagen: Du kannst das! Was auch immer du dir vorgenommen hast, lass dich nicht entmutigen. Weder von anderen, noch von dir selbst angesichts der Arbeit, die vor dir liegt. Es bedarf nur einer guten Dressur des inneren Schweinehundes. Wenn es dir schwerfällt, einen Anfang zu finden, dann frag doch mal in deinem Freundeskreis, vielleicht hat jemand Lust, dich bei dem Projekt zu unterstützen. Wage einfach den ersten Schritt zu einem Projekt, denn kennt man die Ursachen und die Vorgänge im Gehirn, dann kann man sich mit kreativen Tricks behelfen. Etwa, indem man sich keine riesigen Projekte vornimmt, sondern lieber viele kleinere Schritte zum Ziel nimmt. Außerdem kann es helfen, sich immer wieder Feedback und Bestätigung durch andere zu holen. Zuletzt erfordert es auch einer gewissen Selbstdisziplin um dem inneren Schweinehund ein Schnippchen zu schlagen und sich endlich durchzuringen, das angefangene Projekt auch zu vollenden.

Wem das noch nicht reicht, der behilft sich am besten mit Anleitungen oder Tutorials, in denen man im übertragenen Sinne an die Hand genommen und durch das Projekt geführt wird.

Um den Artikel abzuschließen noch eine kleine Anekdote: Der Slogan „Just do it“, der Sportfirma „Nike“ geht auf einen eher makabren Geistesblitz des Marketing-Managers Dan Wieden zurück. Dieser habe in den 1980er Jahren in den Nachrichten von einem verurteilten Doppelmörder erfahren, dessen letzte Worte vor der Hinrichtung „Let’s do this“ waren. Weil dieser Spruch aber nicht peppig genug war, änderte er ihn kurzerhand in „Just do it“.


Quellen:
https://psyfan.wordpress.com/tag/riasec/
https://en.wikipedia.org/wiki/Holland_Codes
http://www.focus.de/panorama/welt/werber-verraet-beruehmter-nike-slogan-von-doppelmoerder-inspiriert_id_4567979.html

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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